Christen in Westafrika unter Druck (Symbolbild)
Christen in Westafrika unter Druck (Symbolbild)

22.05.2019

Anschläge auf Christen in Burkina Faso "Wieder radikale Islamisten"

Aus Burkina Faso kommen immer wieder schreckliche Nachrichten über Morde und Angriffe auf Christen. Für das christliche Hilfswerk Open Doors steht fest: Es gebe eine klare Agenda der Islamisierung Westafrikas.

DOMRADIO.DE: Alleine in den letzten Wochen gab es vier Anschläge, zuletzt wurde am Wochenende ein spanischer Salesianerpater ermordet. Was weiß man über diesen Fall?

Markus Rode (Geschäftsführer des christlichen Hilfswerks Open Doors): Es sind wieder radikale Islamisten gewesen, die ganz klar gegen Christen vorgehen. Man hat überhaupt keine Vorahnung, wo sie wieder zuschlagen werden. Und jetzt haben sie dort zugeschlagen.

Im April haben sie eine protestantische "Assemblies of God"-Kirche direkt attackiert, haben sechs Christen ermordet, die sich nicht zum Islam bekehren lassen wollten, die sich zu ihrem christlichen Glauben bekannt haben und dann hingerichtet worden sind. Am 12. Mai gab es Angriffe mit 20 bis 30 bewaffneten Islamisten auf eine katholische Kirche... Wir kommen im Moment kaum hinterher, diese ganzen Vorfälle zu dokumentieren.

DOMRADIO.DE: Warum nun diese Häufung von Taten?

Rode: Wir reden von einer Situation, die es seit ungefähr vier Jahren gibt. Da steckt eine ganz klare Agenda hinter. In Subsahara-Afrika (ehemals so genanntes "Schwarzafrika"; Anmd. d. Red.) gibt es eine extreme Armut, da gibt es schwache Regierungen. Das kommt natürlich den islamistischen Gruppierungen sehr entgegen, die zum Teil auch aus Syrien und dem Irak - so wie die Terrorgruppierung "Islamischer Staat" - vertrieben wurden.

Dort versuchen die Islamisten eine neue Basis zu schaffen, um Westafrika komplett zu erobern. Da gibt es eine ganz klare religiöse Agenda: Die Christen müssen weg und dementsprechend versucht man Angst und Schrecken auszubreiten. Die Regierungen tun nichts. Sie sind selbst korrupt und es gibt sogar noch ethnische Stammeszugehörigkeiten von Regierungsbeamten, die diese Entwicklung unterstützen.

DOMRADIO.DE: Seit 2015 gibt es ungefähr 400 Todesopfer in Burkina Faso, die bei solchen Anschlägen zu beklagen sind. Das sind aber nicht alles Christen?

Rode: Es richtet sich eigentlich hauptsächlich gegen diejenigen im Land, die diesem Islamismus nicht offen genug gegenüberstehen. Das sind zum Beispiel unter anderem auch Sicherheitskräfte gewesen, die attackiert wurden. Aber es hat natürlich auch damit zu tun, dass diese gewalttätigen islamistischen Gruppen eine ganz klare Agenda haben, nämlich: "Wir folgen dem, was Mohammed damals gemacht hat, nach. Wir wollen die Welt islamisieren!"

In Afrika liegt im Moment eine sehr fragile und instabile Situation vor. Deshalb hat man hier begonnen, eine Basis zu bauen. Dafür muss man erst einmal die Sicherheitskräfte eliminieren, um die Macht selbst übernehmen zu können und eigene Kalifate zu gründen. Das ist eigentlich der Hintergrund, warum auch Sicherheitskräfte attackiert werden.

DOMRADIO.DE: Gibt es irgendeinen Hoffnungsschimmer, irgendeinen Ausweg, dass man aus der Situation herauskommen kann?

Rode: Das ist ganz schwierig, denn islamistische Gruppierungen tauchen auf und tauchen auch wieder ab. Wenn man gegen sie kämpft, sind sie wieder verschwunden. Dann sind sie irgendwann wieder unterwegs und sprengen sich irgendwo in einer Kirche wieder in die Luft, töten Christen.

Man müsste eigentlich die Sicherheitsstandards extrem erhöhen. Aber dagegen spricht, dass die Länder in Westafrika eigentlich politisch total schwach, instabil, arm und oft korrupt sind. Dementsprechend ist der Entwicklung kurzfristig schwer beizukommen. Für die Christen ist das eine Situation, wo sie jeden Tag wissen, es könnte ihr letzter Tag sein.

DOMRADIO.DE: Bräuchte es vielleicht auch mehr Unterstützung von der Bundesregierung? Die Kanzlerin war ja Ende April vor Ort. Da hat man sich aber nicht wirklich auf eine konkrete Zusammenarbeit festlegen können.

Rode: Die Frage ist, wo die Gelder letztendlich hingehen würden. Wir haben das leider in Nigeria erlebt, auch in anderen afrikanischen Staaten: Man will in die Sicherheit investieren, am Ende versickert das Geld dann doch in irgendwelchen Familienbanden und Milizengruppen. Das ist eigentlich die große Herausforderung: Korruption ist wie ein löchriges Sieb. Also, es ist sehr schwierig für die Situation in Westafrika.

Burkina Faso ist nicht das einzige betroffene Land. Die islamistischen rund 30 gewalttätigen Gruppierungen, die sich dem IS eng verbunden fühlen, sind ja zwischen den Ländern unterwegs. Wenn heute Burkina Faso attackiert wird, kann morgen Tansania betroffen sein oder der Niger. Es ist eine länderübergreifende Problematik.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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