Das Jubiläumsjahr "100 Jahre Fatima" zog Millionen Gläubige an
Bei der Feier zum 100-jährigen Jubiläum in Fatima
Die drei Hirtenkinder von Fatima
Die drei Hirtenkinder von Fatima
Gespräch zwischen der Seherin Lucia Santos und Papst Johannes Paul II am 13. Mai 1982.
Gespräch zwischen der Seherin Lucia Santos und Papst Johannes Paul II am 13. Mai 1982.
Madonna von Fátima
Oktober 2013: Franziskus vor Madonna von Fátima
Solidaritätsaktionen für die inhaftierte Asia Bibi in Pakistan (Symbolbild)
Gläubige stehen in Fatima mit Kerzen vor dem Heiligtum von Fatima.

04.04.2019

Vor 100 Jahren starb Francisco Marto, Seherkind von Fatima Ein kleiner Junge im Chor der Heiligen

Zum 100. Jahrestag der Erscheinungen von Fatima sprach Papst Franziskus 2017 zwei der Seherkinder, Jacinta und Francisco, von damals heilig. Ihnen blieb nur wenig Lebenszeit auf der Erde.

Er wurde nur zehn Jahre alt; dann holte ihn, am 4. April 1919, die Spanische Grippe. Seine kleine Schwester starb zehn Monate später, auch an der Grippe, mit anschließender Bauchfellentzündung. Die beiden Geschwister Francisco und Jacinta Marto aus einem winzigen Nest im Westen Portugals sind Heilige der katholischen Kirche. Warum?

Bis zum Frühjahr 1917 war Fatima, gut 120 Kilometer nördlich von Lissabon im Distrikt Santarem gelegen, ein unbedeutendes Kaff. Doch das sollte sich in den folgenden Monaten gründlich ändern. Grund war eine besondere Besucherin; Maria, die Muttergottes.

Die Kirche Portugals - im Fadenkreuz der Republikaner

Es waren dramatische Monate, in denen sie sich damals, am 13. Mai 1917, zu Wort meldete: Russland taumelte zwischen der Februar- und der Oktoberrevolution, und die ersten portugiesischen Einheiten waren soeben in den Ersten Weltkrieg verwickelt worden, in dem Hunderttausende Menschen starben.

Portugal befand sich in desaströsem Zustand. Ein republikanischer Putsch hatte 1910 die völlig entkräftete Monarchie gestürzt; der junge König Manuel II. war ins Exil geflohen. Im Fadenkreuz der Republikaner stand auch die Kirche, die die feudalistischen Strukturen des Landes über Jahrhunderte gestützt hatte.

Binnen kürzester Zeit wurden nun religiöse Orden verboten, Kirchengüter und Schulen verstaatlicht, widerständige Geistliche verhaftet. Die neue Regierung führte Zivilehe und Scheidung ein und schaffte den Religionsunterricht ab.

"Strahlender als die Sonne"

In diesem militant antiklerikalen Kontext stehen auch die Marienerscheinungen von Fatima. Drei Hirtenkinder im Alter zwischen sieben und zehn Jahren berichteten, ihnen sei im Cova da Iria (Tal des Friedens) am 13. Mai die Gottesmutter erschienen, über einer Steineiche und "strahlender als die Sonne". Das Ereignis wiederholte sich im Monatsrhythmus über ein halbes Jahr.

An der Stelle der Eiche befindet sich heute die sogenannte Erscheinungskapelle, unscheinbar und etwas abseits zwischen den beiden großen Basiliken von Fatima gelegen. Viele Pilger beten hier ihren sonoren Rosenkranz. Ein paar Meter dahinter tost eine nur schwer erträgliche Hitze. Ruß und Qualm der blakenden Kerzen stehen für das, was Maria 1917 beständig von den kleinen Seherkindern einforderte: Buße für die Sünden der Menschheit.

Durch Mundpropaganda wurden die Kinder und der Ort berühmt. Am 13. Oktober kamen mehrere zehntausend Menschen und beobachteten ein unerklärliches Sonnenphänomen. Danach hörten die Erscheinungen auf.

Die "Geheimnisse von Fatima"

Bei der dritten Erscheinung, am 13. Juli, sprach Maria nach Angaben der Kinder erstmals Prophezeiungen aus, die als "Geheimnisse von Fatima" bekannt wurden. Unter anderem sagte sie zweien von ihnen einen frühen Tod und dem dritten ein langes Leben voraus.

Im Frühjahr 1919 wurde mit dem Bau einer Kapelle begonnen. Unmittelbar darauf starb Francisco, keine elf Jahre alt. Jacinta, geboren am 11. März 1910, starb am 20. Februar 1920. Papst Franziskus hat die beiden am 13. Mai 2017, dem 100. Jahrestag der ersten Erscheinung, vor Ort heiliggesprochen; seither können sie von der Gesamtkirche für ihr vorbildliches Leben verehrt werden. So hielt sich etwa der neunjährige Francisco trotz Todesdrohungen an das ihm von der Madonna auferlegte Schweigegebot über die Offenbarungen.

Was den beiden Marto-Kindern an Lebenszeit auf der Erde fehlte, bekam die dritte Seherin, ihre Cousine Lucia dos Santos (1907-2005), dazu. Sie lebte als Ordensfrau in Coimbra und starb im Februar 2005 mit fast 98 Jahren - nur wenige Wochen vor Johannes Paul II. (1978-2005), dem großen Fatima-Mystiker auf dem Papstthron.

Begraben in der Rosenkranz-Basilika

Am 13. Mai 1928 wurde der Grundstein für die von Maria geforderte Rosenkranz-Basilika gelegt. 1953 wurde die Basilika mit ihrem Arkadengang geweiht; hier liegen alle drei Hirtenkinder begraben.

Laut einer 1941 verfassten Niederschrift von Schwester Lucia enthielt der erste Teil der "Geheimnisse von Fatima" die Vorhersage eines weiteren Weltkriegs. Das zweite Geheimnis bestand darin, dass sich Russland nach einer Weihe an das "Unbefleckte Herz Mariens" bekehren werde. Den dritten Teil der Weissagung schrieb Lucia 1944 nieder und verfügte, dass der Text nicht vor 1960 veröffentlicht werden dürfe.

Tatsächlich publizierte erst Johannes Paul II. das "dritte Geheimnis" - aus Anlass der Seligsprechung von Jacinta und Francisco am 13. Mai 2000. Der Text enthält auch die Vision eines "Bischofs in Weiß", der von Schüssen getroffen zusammenbricht. Schwester Lucia und Johannes Paul II. sahen darin einen klaren Bezug auf das Papstattentat von 1981.

Fatima wurde Hoffnungszeichen und Rückhalt

Dass der Anschlag vom Petersplatz ausgerechnet am 13. Mai - dem Fatima-Tag - erfolgte, war ihnen kein Zufall. Bis zuletzt waren beide überzeugt, die Rettung des Papstes sei dem Beistand der Muttergottes zu verdanken. Eine Kugel aus der Waffe des Attentäters Ali Agca ließ der Papst fortan in der Marienkrone von Fatima aufheben.

Die Erscheinungen von 1917 konnten Portugals stark bedrängtem Klerus als Hoffnungszeichen neuen Rückhalt in der Bevölkerung verschaffen. Doch politisch wurde die Lage des Landes immer schlechter.

Auf Drängen des traditionellen Verbündeten Großbritannien hatte sich Portugal 1917 in den Krieg hineinziehen lassen - und wurde vernichtend geschlagen. Lebensmittelknappheit und eine Hungersnot folgten. In 16 Jahren Republik seit 1910 verschliss Portugal 50 Regierungen, bis 1926 das Militär putschte. Dessen Herrschaft mündete schließlich in die über vier Jahrzehnte dauernde faschistische Herrschaft unter Antonio Salazar.

Von Alexander Brüggemann

(KNA)

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