Fassade der Apostolischen Nuntiatur in der chilenischen Hauptstadt.
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Kardinal Ricardo Ezzati Andrello
Kardinal Ricardo Ezzati Andrello
Die chilenischen Missbrauchsopfer Juan Carlos Cruz (l.), James Hamilton (m.) und Jose Andres Murillo (r.)
Die chilenischen Missbrauchsopfer Juan Carlos Cruz (l.), James Hamilton (m.) und Jose Andres Murillo (r.)

24.03.2019

Kardinal Ezzati sieht keine persönliche Schuld in Missbrauchsskandal "Mit erhobenem Haupt"

Der von der Leitung des Erzbistums Santiago in Chile zurückgetretene Kardinal Ricardo Ezzati sieht im Missbrauchsskandal offenbar keinen Grund zur Reue. Währenddessen haben Missbrauchsopfer Hoffnung auf einen neuen Kurs der Kirche bekundet.

Er gehe "mit erhobenem Haupt", sagte Kardinal Ezzati am Samstag vor Journalisten in Santiago. Alle Anzeigen, die bei der von ihm eingerichteten diözesanen Meldestelle eingegangen seien, seien untersucht worden oder würden noch untersucht.

Zum Vorwurf, er habe übergriffige Priester gedeckt und die Aufklärung behindert, sagte der 77-Jährige, es reiche nicht, jemanden der Vertuschung zu bezichtigen; "man muss es auch beweisen". Ezzati sagte: "Ich stehe mit hoch erhobenem Haupt da, sicher, dass meine Unschuld bewiesen werden wird."

Kardinal will vorerst schweigen

Ezzati äußerte sich auch zu einem gegen ihn laufenden Ermittlungsverfahren. Er habe von der Staatsanwaltschaft Unterlagen zu den betreffenden Fällen verlangt; diese lägen noch nicht vollständig vor. Vorerst mache er von der Möglichkeit zu schweigen Gebrauch, die das chilenische Recht ihm biete. "Im geeigneten Moment werde ich sprechen", so Ezzati.

Zur Missbrauchskrise unter seiner neunjährigen Bistumsleitung sagte Ezzati, sie sei "zweifellos der größte Schmerz während dieser Zeit" gewesen. Jedoch sei "jede Anzeige angegangen" worden; jetzt müsse man das Urteil der Justiz abwarten.

Kardinal: Rücktrittsangebot folgt dem Kirchenrecht

Ezzati betonte, seine Entpflichtung als Erzbischof folge dem Kirchenrecht, nach dem jeder Bischof mit Vollendung des 75. Lebensjahres gehalten sei, dem Papst den Rücktritt anzubieten. Er habe mit Franziskus mehrfach gesprochen. Ezzati sagte, er sei dem Papst "sehr dankbar" für die Ernennung eines Übergangsleiters.

Der Vatikan hatte am Samstag mitgeteilt, dass der 74 Jahre alte Bischof und Kapuzinerpater Celestino Aos das chilenische Hauptstadtbistum übergangsweise im Auftrag des Papstes leiten soll. Aos selbst sprach in einer Erklärung von einer "Überraschung". Derzeit stehen 9 von 27 kirchlichen Verwaltungseinheiten solche sogenannten Apostolischen Administratoren vor. Acht von ihnen wurden vom Papst seit dem Aufbrechen des Missbrauchsskandals im Frühjahr 2018 eingesetzt.

Missbrauchsopfer hoffen auf neuen Kurs

Prominente Missbrauchsopfer in Chile haben nach dem Rücktritt von Santiagos Erzbischof Kardinal Ricardo Ezzati Hoffnung auf einen neuen Kurs in der katholischen Kirche bekundet. Der 77-Jährige stehe für alles, was sie über Jahre bekämpft hätten, "besonders die Kultur des Missbrauchs und der Vertuschung", erklärten Juan Carlos Cruz, James Hamilton und Jose Andres Murillo am Samstag per Twitter. Diese Kultur habe "unzählige Leben beschädigt und zerstört".

Die drei Männer, die als Jugendliche von einem Priester in Chile sexuell missbraucht worden waren, hatten jahrelang vergeblich eine innerkirchliche Aufklärung gefordert. Nachdem im Januar 2018 der Skandal aufgebrochen war, bat Papst Franziskus sie eine Woche lang zu Gesprächen in den Vatikan und leitete drastische Änderungen ein.

Die drei schrieben, der am Samstag ernannte Übergangsleiter des Erzbistums Santiago, Celestino Aos, solle "den Mut und die Stärke haben, eine Kultur zu schaffen, die die Opfer in den Mittelpunkt stellt, die schutzbedürftigen Menschen". Die chilenische Gesellschaft verdiene Religionsvertreter, die den Menschenrechten verpflichtet seien. Dies gelte besonders für die Rechte "von Jungen, Mädchen, Heranwachsenden und allen, die Gott in dem Vertrauen suchen, dass sie in Kirchen und religiösen Gemeinschaften sicher sind".

Missbrauchsopfer Cruz: Extrem glücklich

Juan Carlos Cruz äußerte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) gegenüber am Wochenende Genugtuung über den Rücktritt von Ezzati. Der Kardinal werde sich nun vor der Justiz für jeden ihn betreffenden Fall verantworten müssen und "hoffentlich im Gefängnis dafür büßen", sagte Juan Carlos Cruz telefonisch der KNA.

Er sei "extrem glücklich" über den Rücktritt Ezzatis als Erzbischof, sagte Cruz. Es werde Gerichtsverfahren geben; Ezzati könne sich dem nicht entziehen. Der von Papst Franziskus eingesetzte Übergangsleiter des Erzbistums Santiago, Celestino Aos, stehe vor einer "sehr schwierigen Aufgabe". Er müsse die Kirche erneuern, für Einheit im Klerus sorgen und sicherstellen, dass die Geistlichen sich "um Missbrauchsopfer, Arme, all jene kümmern, die von Ezzati und seinen Kameraden marginalisiert wurden".

Cruz betonte, er betrachte die Entwicklung optimistisch. "Ich unterstütze, was der Papst unternehmen will, und bete für den neuen Administrator", sagte Cruz. 

(KNA)

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