Bischöfe mit gefalteten Händen
Bischöfe mit gefalteten Händen
Der Wiener Kardinal Schönborn
Christoph Kardinal Schönborn

22.03.2019

Vollversammlung der Bischöfe in Österreich Finanzen, Missbrauch und Europawahl

In Österreich ist die Bischofsvollversammlung zu Ende gegangen. Man beriet vor allem über den Missbrauchsskandal. Im DOMRADIO.DE-Interview berichtet Journalist Klaus Prömpers über die Ergebnisse und die Krankheit Kardinal Schönborns.

DOMRADIO.DE: Vor der Frühjahrsvollversammlung hatte Christoph Kardinal Schönborn gesagt, dass der Opferschutz ganz oben auf der Agenda der österreichischen Bischöfe steht. Welche Maßnahmen wurden nun beschlossen?

Klaus Prömpers (Journalist): Die Bischöfe haben in allererster Linie die 2010 beschlossenen und 2016 novellierten Richtlinien der Bischofskonferenz in Erinnerung gerufen und eine neue Kommission eingesetzt. Unter Leitung des Vorarlberger Bischofs Elbs und mithilfe von mehreren Laien, die fachlich sehr qualifiziert sind, will man beobachten, inwieweit diese Richtlinien weiterentwickelt werden müssen.

Und es wurde Bilanz gezogen: Die österreichische Bischofskonferenz hat mittlerweile insgesamt 27 Millionen Euro bereitgestellt, um Opfer zu therapieren oder Opfer zu entschädigen. Man will weiter daran arbeiten, dass das Glaubwürdigkeitsdefizit der katholischen Kirche - was es natürlich auch in Österreich gibt - abgebaut wird. Kardinal Schönborn wies aber darauf hin, dass Österreich zu jenen Ländern gehöre, die vom Vatikan positiv hervorgehoben wurden. Dazu gehören Österreich, Australien, die USA - Deutschland nicht.

DOMRADIO.DE: Erfüllen die Bischöfe damit die Erwartungen der österreichischen Öffentlichkeit?

Prömpers: In Teilen sicherlich, in Teilen aber vielleicht auch nicht. Etwa aus Sicht kritischer Katholiken wie "Wir sind Kirche", der Priester-Initiative, Helmut Schüller und anderen, die ja eine systemische Veränderung gefordert haben. Auch der Gedanke der Verwaltungsgerichtsbarkeit, den Kardinal Kasper bereits vor der römischen Bischofskonferenz geäußert hatte und den unter anderem auch Weihbischof Dominikus Maier in Paderborn vertritt, ist nicht von vornherein auf große Zustimmung beim Kardinal gestoßen. Aber er ist offen für Neues und er überlegt, ob es Möglichkeiten gibt, Dinge zu entwickeln, die das Profil der Kirche neu schärfen und abgrenzen - immer unter dem Gesichtspunkt, dass die Opfer an erster Stelle stehen.

DOMRADIO.DE: Ein zweites großes Thema ist der Finanzskandal in der Diözese Gurk. Da steht der Verdacht der Untreue gegen den früheren Bischof Alois Schwarz im Raum. Ein Gesandter des Papstes war vor Ort und hat die Lage untersucht. Welche Ergebnisse gab es da?

Prömpers: Der Gesandte des Papstes, Erzbischof Lackner aus Salzburg, war ja im Grunde dem früheren Bischof von Gurk-Klagenfurt vorgesetzt. Sein Bericht, den er in Zusammenarbeit mit Fachleuten wie aus der Wirtschaftsprüfung verfasste, ist bisher nicht öffentlich, sondern nur herumgeschickt worden. Man habe natürlich darüber gesprochen, so der Kardinal, und es ist zu erwarten, dass dieser Bericht Konsequenzen haben wird. Der Kardinal sagte aber nicht, dass es personelle Konsequenzen sein müssten - sprich die Abberufung des früheren Bischofs von Klagenfurt, der jetzt in Sankt Pölten Bischof ist.

Mir fiel auf, dass Bischof Alois Schwarz in Sankt Pölten bemerkenswerterweise zugleich der Vorsitzende der Finanzkommission der Österreichischen Bischofskonferenz ist. Als ich den Kardinal gefragt habe, ob das so bleiben werde, hat er eher ausweichend geantwortet, dass die nächste Kommissionssitzung erst im September sei. Da kann man also abwarten, ob Bischof Schwarz dann noch der agierende Kommissionsvorsitzende ist.

DOMRADIO.DE: Umwelt und Europa-Wahlen waren ebenfalls Themen, mit denen sich die Bischöfe beschäftigt haben. Welche Positionen vertreten Sie?

Prömpers: Sie haben mit Blick auf die Europawahl am 26. Mai, die ja auch in Österreich stattfindet, dazu aufgerufen, wählen zu gehen. Sie haben gewisse Rahmenpunkte angegeben, unter denen die Katholiken wählen sollten. Dazu gehört beispielsweise der Klimawandel. Dazu gehört auch die Auffassung der katholischen Bischöfe Österreichs, dass Migrationsfragen - die ja auch weiter eine Rolle spielen werden - nur europaweit gemeinschaftlich gelöst werden können. Man kann sagen, die katholischen Bischöfe Österreichs wollen die europäische Idee stärken und rufen die Wähler in Österreich auf, das ebenso zu tun.

DOMRADIO.DE: Bei der Vollversammlung in Deutschland hat man den Bischöfen angemerkt, dass sie unter Druck stehen. Wie haben Sie Kardinal Schönborn und die Bischöfe erlebt?

Prömpers: Ich glaube, auch der hiesige Kardinal, der ja schon vieles zur Aufklärung getan hat - gerade bei der Vorgeschichte jener Kardinäle, die vor ihm Dienst taten - fühlt sich unter Druck, obwohl er in einer gewissen Weise sagen kann, dass er schon einiges zurecht gerückt hat, was die Situation der katholischen Kirche in Österreich entspannt hat. Dennoch lasten immer noch Fragen auf der österreichischen Kirche wie auf der Weltkirche: Braucht es weitere institutionelle Reformen? Braucht es, wie Kardinal Kasper sagte, ein Verwaltungsgericht in Rom?

Der Kardinal antwortete darauf, es gebe ja schließlich ein Gericht in der Glaubenskongregation. Offen blieb, inwieweit das so wirksam ist. Der Kardinal ist etwas angeschlagen, aber er bemüht sich wirklich um Offenheit. So hat er ganz offen angesprochen, er werde im Mai aus der Öffentlichkeit für einen Monat verschwinden, weil er sich einer Prostata-Operation unterziehen müsse. Die sei in der Regel heutzutage nicht mehr so gefährlich und man überlebe sie. Und er hoffe das auch für sich selber.

Das Gespräch führte Heike Sicconi.

(DR)

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