Eine Frau mit einem Bild von Oscar Romero
Eine Frau mit einem Bild von Oscar Romero
Oscar Romero
Oscar Romero

14.03.2019

Vor einem halben Jahr wurde Oscar Romero heiliggesprochen Ikone und Nationalheld

Am 14. Oktober sprach Papst Franziskus in Rom Oscar Romero heilig. Als "Bischof der Armen" wird er in seiner Heimat El Salvador und darüber hinaus verehrt. Das war nicht immer so, wie ein scharfer Blick nach Mittelamerika zeigt.

Sein Konterfei prangt auf Bechern und T-Shirts, es gibt ihn als Wandbild und überlebensgroße Büste. In den Kirchen hängt sein Porträt, dem wichtigsten Flughafen des Landes leiht er seinen Namen. Ein halbes Jahr nach der Heiligsprechung von Oscar Romero ist der 1980 auf Betreiben der Militärjunta ermordete Geistliche in seiner Heimat El Salvador allgegenwärtig. Als Ikone und Nationalheld.

Als Symbol für die Hoffnung auf Frieden in einem Staat, dessen Gesellschaft tief gespalten ist - auch mehr als 25 Jahre nach dem Ende jenes blutigen Bürgerkriegs, der mit dem Attentat auf den Erzbischof von San Salvador begann.

Auch in den eigenen Reihen uneins

Und doch ist es gar nicht so lange her, dass Romero derart hoch im Kurs steht. Als "umstrittene Figur" charakterisiert ihn Kardinal Gregorio Rosa Chavez. "Seit Papst Franziskus ihn heiliggesprochen hat, entdecken wir erst, was für ein Mensch er war", sagt der Weihbischof in San Salvador, der sich maßgeblich für diesen Schritt einsetzte.

Auch in den eigenen Reihen war man uneins über Romero. Kurz nach der Heiligsprechung bat der aktuelle Erzbischof von San Salvador, Jose Luis Escobar Alas, öffentlich um Vergebung "für jenen Teil der Kirche, der Romero schlecht behandelt und diffamiert hat, einschließlich seiner Mitbischöfe".

Das Erbe des Heiligen bleibt sperrig. Sein Werdegang von einem eher konservativen Kirchenmann, der sich aus den Konflikten zwischen dem Militär und der linksgerichteten FMLN-Guerilla heraushalten wollte, zum Sympathisanten der innerkirchlich lange umstrittenen "Theologie der Befreiung" und scharfzüngigen Kritiker der Regierung entzieht sich einfachen Deutungen.

Romero als eine Art Heilsbringer

Heute gilt Romero vielen Menschen als eine Art Heilsbringer, egal welchem religiösen der politischen Bekenntnis sie anhängen. Beim Sonntagsgottesdienst im "Ospitalito" in San Salvador sind auch die hinteren Bankreihen besetzt. Weiter vorn hat eine junge Frau in einem ARENA-T-Shirt Platz genommen. Die Partei war seinerzeit eng mit der Militärjunta verbunden.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil Romero genau hier, in einer Krankenhauskapelle, am 24. März 1980 mit einem gezielten Schuss aus einem vorbeifahrenden Auto heraus getötet wurde. Im Altarraum ist eine Silhouette an der Stelle eingelassen, wo der Geistliche zusammenbrach. Wer die Tat beging, ist immer noch unklar. Der Drahtzieher, ARENA-Gründer und Geheimdienstler Roberto D'Aubuisson, starb 1992, ohne dass er sich je vor Gericht hätte verantworten müssen.

Mit Romeros Geschichte eng verknüpft ist ein weiteres Gotteshaus, die Kirche San Jose in El Paisnal, etwa 40 Kilometer nördlich von San Salvador. Ganz in der Nähe, in Aguilares, leitete der Jesuit Rutilio Grande eine Pfarrei. Der 51-jährige Israel Guzman ist nach El Paisnal gekommen, um von Grande zu erzählen. Wie der Pater immer wieder die Ausbeutung von Landarbeitern anprangerte und dadurch die Besitzer der großen Plantagen gegen sich aufbrachte. "Er hat Gerechtigkeit gepredigt", sagt Guzman über Rutilio Grande.

Auf einem Zuckerrohrfeld erschossen

Der Ordensmann bezahlte mit seinem Leben. Am 12. März 1977 wurde er zusammen mit zwei Begleitern auf einem Zuckerrohrfeld erschossen. Die Bluttat brachte eine Wende in der Haltung der Kirche gegenüber den Armen El Salvadors - und einen Gesinnungswandel bei Romero, der in El Paisnal die Totenmesse hielt und Aufklärung des Verbrechens forderte.

In der Folge geriet auch Romero immer stärker ins Fadenkreuz von Großgrundbesitzern und Militärs. "Mich könnt ihr töten, nicht aber die Stimme der Gerechtigkeit", rief der Erzbischof in seiner letzten Predigt aus. Gerechtigkeit hat auch ein halbes Menschenleben nach der Ermordung von Grande und Romero nicht Einzug gehalten, findet Israel Guzman. Es klingt resigniert.

Während im fernen Rom das Seligsprechungsverfahren für Grande Fortschritte macht, suchen sie in der Kirche von El Paisnal weiter nach Trost und Frieden. Über dem Haupteingang hängt eine idyllisch anmutende Szene. Um einen Tisch haben sich Frauen und Jugendliche zum gemeinsamen Mahl versammelt. In der Mitte: Jesus, links und rechts daneben: Rutilio Grande und Oscar Romero.

(KNA)

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