Mariella Enoc unterhält sich mit Mitarbeitern
Mariella Enoc, Präsidentin des vatikanischen Kinderkrankenhauses, in der Klinik Bambino Gesu
Mariella Enoc steht vor einem Porträt von Papst Franziskus
Mariella Enoc steht vor einem Porträt von Papst Franziskus
Mariella Enoc unterhält sich mit Patientinnen und Patienten
Mariella Enoc unterhält sich mit Patientinnen und Patienten
Mariella Enoc unterhält sich mit Mitarbeitern
Mariella Enoc unterhält sich mit Mitarbeitern

02.03.2019

Vatikan-Kinderklinikleiterin zu Kooperationen des Bambino Gesu In Bangui öffnet ein "Papst-Krankenhaus"

An diesem Samstag öffnet im zentralafrikanischen Bangui ein von der "Kinderklinik des Papstes" Bambino Gesu realisiertes Kinderkrankenhaus. Im Interview berichtet Klinikleiterin Mariella Enoc, wie das Projekt zustande kam.

KNA: Das Bambino Gesu ist von einer Frau gegründet worden. Mit Ihnen steht nun wieder eine Frau an der Spitze. Welche Rolle spielen Frauen für das Kinderkrankenhaus des Papstes?

Mariella Enoc (Präsidentin des vatikanischen Kinderkrankenhauses Bambino Gesu): Ich bin nicht gerufen worden, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich lange berufliche Erfahrung im Krankenhausbereich habe – und weil meine Liebe zur Kirche und den Armen bekannt war.

KNA: Was macht das Kinderkrankenhaus des Papstes aus?

Enoc: Papst Franziskus betont immer wieder, dass unsere Maßregel das Evangelium sein muss. Die Wurzel des Krankenhauses ist aber nicht nur Nächstenliebe, sondern auch Forschung und Wissenschaft. Beides muss unbedingt Hand in Hand gehen. Unser Krankenhaus wächst stark. Es legt viel Wert auf die Fürsorge des Kindes und die Einbeziehung der Familie. Wir bilden Ärzte in weniger entwickelten Ländern aus; aktuell laufen dazu elf Projekte weltweit. Zudem nehmen wir Kinder auf, die in ihrer Heimat nicht behandelt werden können.

KNA: Es müssen aber auch die Zahlen stimmen. Wie vereinbaren Sie das?

Enoc: Ich habe viel Erfahrung darin, katholische Krankenhäuser oder Kongregationen mit teilweise großen Finanzproblemen wieder auf die Beine zu bringen. Es ist wichtig, nicht nur den Patienten große Aufmerksamkeit zu schenken, sondern auch dem Personal. Das Krankenhaus, das sind die Menschen, die hier arbeiten. Wir sind kein auf Profit ausgerichtetes Unternehmen, müssen aber auch einer gewissen organisatorischen Logik folgen.

KNA: Sie haben die Führung der Klinik übernommen, als es Vorwürfe von Missmanagement gab.

Enoc: Es gab eindeutig ein großes Führungs- und Imageproblem. Das Krankenhaus hat gute wissenschaftliche und gesundheitliche Arbeit geleistet, aber die Glaubwürdigkeit war angekratzt. Ich habe zuerst einen Auditor eingestellt, der alles kontrollierte. Ich habe die Organisation neu aufgestellt; auch mit vielen Mitarbeitern, die bereits da waren.

KNA: Welche Perspektiven sehen Sie heute?

Enoc: Wir haben bisher vier Sitze – Gianicolo und Sankt Paul vor den Mauern in Rom; Santa Marinella und Polidoro im Umkreis. Dennoch können wir derzeit nicht alle Patienten aufnehmen, die Hilfe brauchen. Unsere Notaufnahme ist in den vergangenen Tagen überrannt worden: An einem Tag wurden 280 Kinder eingeliefert, das ist gewaltig.

Wir planen ein Institut für Tumore und Transplantationen in Rom; die Arbeiten für ein Kinder-Palliativ-Zentrum laufen. Gleichzeitig vergrößern wir den Sitz in Palidoro und haben weitere Räume für die Forschung erworben. Aktuell haben wir 30 offene Baustellen.

KNA: Und wie steht es im Ausland?

Enoc: In Bangui gibt es ein "Papstprojekt", das an diesem Samstag öffnet. Als Franziskus 2015 in der Zentralafrikanischen Republik war, hat er dort das einzige Kinderkrankenhaus besucht. Danach hat er mich angerufen und sagte: "Wir müssen etwas tun – es hat mir das Herz zerrissen." Er hat auch eigene Mittel bereitgestellt. Wir haben das staatliche Krankenhaus wiederhergestellt, in einem Regierungsgebäude ein Zentrum für unterernährte Kinder eröffnet. Und wir unterstützen ein Forschungszentrum der Regierung für die Sichelzellkrankheit, eine sehr schwere Krankheit in Afrika.

KNA: Ihr Wunsch für die Zukunft?

Enoc: Dass die Leute verstehen, dass wir auch finanzielle Hilfe brauchen, etwa für Forschung oder humanitäre Hilfe – für all die Kinder, die wir behandeln, wenn sich die Eltern es nicht leisten können. Auch die Familien müssen untergebracht werden. Ich sage oft: Statt Spielzeug zu spenden, ladet doch eine Familie zum Essen ein.

Sie sind oft sehr einsam, brauchen Freundschaft und Austausch. Dann schauen mich alle ganz verblüfft an, weil es ja viel "schöner" ist, ein Spielzeug vorbeizubringen und ein Kind zu streicheln, als vielleicht eine fremde Familie zum Essen einzuladen.

Das Interview führte Stefanie Stahlhofen.

(KNA)

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