Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Papst Franziskus trifft Muhammad bin Zayid Al Nahyan, Kronprinz von Abu Dhabi, 2016
Papst Franziskus trifft Muhammad bin Zayid Al Nahyan, Kronprinz von Abu Dhabi, 2016

30.01.2019

Ausblick auf die Papstreise nach Abu Dhabi Franziskus unter Muslimen

Es ist das erste Mal, dass ein Papst die Arabische Welt besucht. Franziskus wird am kommenden Sonntag zu einer dreitägigen Visite nach Abu Dhabi aufbrechen. Was ist der Grund der Reise und wie findet christliches Leben dort statt?

DOMRADIO.DE: In Abu Dhabi ist der Islam Staatsreligion. Es gibt zwar christliche Gemeinschaften, aber die sind rechtlich nicht anerkannt. Wie ist die Situation der Christen dort?

Ralf Knoblauch (Diakon in Bonn): Dadurch, dass sehr viele Christen gerade in diesen Arabischen Emiraten leben, ist die Möglichkeit gegeben, dass sie sich in Gemeinschaften bilden können und dort ihr Christsein auch leben dürfen.

Es gibt eine gewisse Toleranz des Islamischen Staats gegenüber diesen großen Kirchengemeinden. Oft sind es Philippinos und Inder, die sehr katholisch sind. Sie haben die Möglichkeit recht ghettoisiert, aber in begrenzten Räumlichkeiten und Räumen ihr Gemeindeleben zu praktizieren.

DOMRADIO.DE: Wie kommt es jetzt ausgerechnet in Abu Dhabi zu einem interreligiösen Treffen?

Knoblauch: Ich glaube dem Papst war es wichtig zu zeigen, mit den Muslimen in Kontakt zu treten, die Religion weiter in ihrer Wertschätzung zu achten und auch gegenseitige Toleranz auszuüben. Das ist ihm, glaube ich, durch diese Reise schon vorab gelungen. Es ist in erster Linie zunächst einmal ein Staatsbesuch. Er ist ja vom Kronprinz, Muhammad bin Zayid Al Nahyan, eingeladen worden.

Das Kirchliche ist im Grunde ja erst an diesen Besuch drangegangen worden. Die kirchlichen Begegnungen finden erst zum Ende hin statt. Dem Papst geht es in erster Linie um den interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen. Da möchte er noch einmal besonders ein Zeichen setzen. Gerade in diesem Jahr, in dem Franz von Assisi vor 800 Jahren erstmalig mit dem Sultan von Ägypten, Al-Malik, zusammengetroffen ist. In diesem bedeutungswürdigen Datum sieht er glaube ich eine Möglichkeit dieses Thema erneut aufzugreifen – um für Toleranz zu werben.

DOMRADIO.DE: Motto des Treffens ist "Human Fraternity", zu deutsch "Menschliche Brüderlichkeit". Was kann der Papst für die Christen in den Emiraten ausrichten?

Knoblauch: Man muss bedenken, dass die Christen dort ein sehr einfaches Leben haben und in einer völligen Abhängigkeit stehen, da sie alle Arbeitsmigranten sind.

Manchmal ploppt das auf, wenn wir von Katar hören, wie für die Fifa die Stadien hochgezogen werden und für die Menschen die Baubestimmungen und baurechtlichen Verhältnisse ganz schwierig sind.

Sie haben keinen leichten Stand in diesen Ländern und leben in einer völligen Abhängigkeit. Ich glaube die Chance besteht für den Papst darin, diese Christen aufzubauen und zu motivieren – vor allem aber Ihnen ihre Würde ein Stück weit zu geben und zu sagen, ihr könnt in diesen muslimischen Ländern euren christlichen Wert auch entwickeln und weiterführen. Er möchte ihnen dafür einfach ein Zeichen und eine Unterstützung geben, indem er sie besucht.

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus wurde vom Kronprinzen eingeladen, das haben Sie erwähnt. Warum wurde vor ihm noch kein anderer Papst gefragt, ob er nicht kommen möchte?

Knoblauch: Ich denke, gerade diese Emirate öffnen sich der westlichen Welt ja zunehmend mehr. Das ist ein deutliches Zeichen, glaube ich.

Ich reise zunächst am kommenden Donnerstag in den Oman. Ein Sultanat, was sich sicher noch nicht ganz soweit dem Westen geöffnet hat, wie Dubai oder Abu Dhabi. Aber es hat sich dort viel getan. Diese Emirate stehen auch für einen sehr toleranten Islam und ich glaube, dass dieser historische Besuch insofern auch erst jetzt möglich ist, weil sie sich dem Westen gegenüber nicht weiter abschottet wollen.

Sie wollen auch sehen, was könnte uns gemeinsam in unseren Religionen verbinden. Wo können wir gemeinsam Zeichen der Brüderlichkeit setzen? Er trifft sich ja auch mit höheren Vertretern des Islams und wird dort immer auch das Gespräch suchen. Dieses Mitbrüderliche betont Franziskus immer wieder aufs Neue. Er möchte keinen Alleingang machen. Der Papst möchte sehen, dass wir in der Welt gemeinsam Werte finden, die uns verbinden. Das ist sicher ein ganz wichtiges Zeichen, sich auch in dieser Welt zu zeigen.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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