Südsudanesisches Mädchen im Gebet
Südsudanesisches Mädchen im Gebet
Screenshot: Kinder im Südsudan
Screenshot: Kinder im Südsudan

26.01.2019

Don Bosco engagiert sich im Südsudan für Straßenkinder Die stillen Tränen der Jüngsten

400.000 Tote, ein blutiger Bürgerkrieg und Zerstörung – der Südsudan, oft als "jüngster Staat der Erde" bezeichnet, hat viel durchgemacht seit seiner Gründung im Juli 2011. Auch die Kinder sind nicht verschont geblieben.

Ein warmes Bett, geregelte Mahlzeiten und Sicherheit – für viele Kinder im Südsudan wohl ein großer Traum. Denn sie leben auf der Straße, als Waisen oder getrennt von ihren Familien. Der Bürgerkrieg hat den Jüngsten des Landes viel zugemutet: Laut dem Kinderhilfswerk Unicef müssen rund 19.000 von ihnen im Südsudan eine Waffe tragen und werden als Kindersoldaten missbraucht.

Lothar Wagner gehört der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos an und kennt die Lage im Südsudan und die Schicksale der Kinder auf den Straßen. Der Sozialpädagoge aus Trier ist Koordinator für Kinderschutz und verhilft Kindern und Jugendlichen in den Städten Wau und Kuajok zu einer medizinischen und psychosozialen Versorgung.

Viele Straßenkinder sind traumatisiert

"Allein in Wau leben 1.200 Kinder unter 18 Jahren Tag und Nacht auf der Straße." Viele von ihnen kämen alleine in den Südsudan – auch nach Wau, wo es viele Nichtregierungsorganisationen gebe.

In der Stadt gibt es fast nur Straßenjungen. Darunter auch Kindersoldaten, die schwer traumatisiert zur Anlaufstelle von Don Bosco finden. "Ich erinnere mich an einen Fall, wo ein 8-jähriger Junge von seinem Vater als Kindersoldat rekrutiert wurde, obwohl er zu klein war, um eine Waffe zu tragen. Er hat unter anderem gesehen, wie Frauen vergewaltigt wurden. Der Junge ist heute schwer traumatisiert und weint nur lautlos", erzählt Wagner.

Was macht Don Bosco im Südsudan?

Für Kinder wie diesen Jungen fordert der 45 Jahre alte Sozialpädagoge mehr Hilfe von den Vereinten Nationen: Es brauche nicht nur eine verbesserte ärztliche Versorgung, sondern auch Unterstützung im pädagogischen und psychologischen Bereich. Die eigenen Pflichten benennt er klar: "Es ist die Aufgabe von Don Bosco, die Kinder aufzurichten, die am Boden liegen", so Wagner.

Dieses Ziel verfolgt das Projekt der Ordensgemeinschaft im Südsudan mit einer dreistufigen Strategie. Die Anlaufstelle in Wau wird ergänzt durch ein Rehabilitations-Zentrum in Kuajok, das Platz für 32 Kinder hat. Da es Don Bosco neben Schutz und Versorgung von Straßenkindern auch – wenn möglich – um eine Rückkehr zu ihren Familien geht, gibt es auch eine Nachbetreuung zurückgekehrter Kinder. Bleibt ein Kind ein Jahr lang bei seiner Familie, gilt die Rückführung als gelungen.

Kleine Erfolge und Freuden des Alltags

Dem Ordensmann zufolge sind 32 Kinder innerhalb der vergangenen sechs Monate zu ihren Familien zurückgekehrt, zwei von ihnen leben demnach inzwischen wieder auf der Straße. "Wenn die Hälfte der Kinder daheim bleibt, ist das für mich schon ein Erfolg."

Ein wichtiger Aspekt der Arbeit mit den Straßenkindern sei auch deren Ausbildung. So arbeite die Anlaufstelle in Wau mit einer Berufsschule zusammen. Dort können die Kinder und Jugendlichen einen Computerkurs belegen oder sich unter anderem zum Maurer, Schreiner oder Drucker ausbilden lassen.

Kindheit nachholen mit "Tom und Jerry"

Seine Berufung hat der Sozialpädagoge und Theologe ebenfalls in der Arbeit mit Straßenkindern vor Ort gefunden. Er sei nicht nur Mensch, sondern auch Christ und Ordensmann. Nach seinen Worten haben die Kinder im Südsudan ein schweres Kreuz zu tragen. "Im Gespräch mit den Kindern öffnet sich für eine Millisekunde der Himmel."

Manchmal schaut sich der Ordensmann gemeinsam mit Jugendlichen die Zeichentrickserie "Tom und Jerry" an. Eigentlich sei er ein Mann des Dialogs und überlasse seine Arbeit keinem Beamer, sagt Wagner. Aber wenn 17-Jährige nicht genug bekämen von einer Zeichentrickserie und ein Stück Kindheit nachholen könnten, dann wisse er, dass er am richtigen Ort sei.

Lisa Konstantinidis
(KNA)

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