Kolumbien: Polizei verhaftet einen Mann auf der Straße
Kolumbien: Polizei verhaftet einen Mann auf der Straße

24.01.2019

Kolumbien vor drohender neuer Gewaltspirale "Nicht in alte Muster zurückfallen"

Während beim Weltjugendtag in Panama Feierlaune herrscht, könnte die Lage im Nachbarland Kolumbien kaum unterschiedlicher sein. Trotz Friedensschlusses vor zwei Jahren stehen die Zeichen dort wieder vermehrt auf Gewalt.

DOMRADIO.DE: Schon 50 Jahren dauert der Konflikt zwischen Regierung und linksgerichteten Rebellengruppen. Am vergangenen Freitag ließ dann ein Mann auf dem Gelände einer Polizeischule in Bogota eine Autobombe detonieren. Mehr als 20 Menschen starben, 80 wurden verletzt. Wie sehr erschüttert dieser aktuelle Anschlag die Friedensbemühungen?

Jonas Brenner (Kolumbien-Referent von Caritas international): Der Anschlag erschüttert die Friedensbemühungen maßgeblich. Es bestand die Hoffnung, dass die Regierung auf einem mehr oder weniger guten Weg sei, die Friedensgespräche nach der FARC auch mit der ELN-Guerilla voranzutreiben. Dieser Anschlag wirft jetzt diese Bemühungen entscheidend zurück. Die Regierung hat ihrerseits die Gespräche für beendet erklärt.

DOMRADIO.DE: In dem Konflikt sind mehr als 250.000 Menschen zu Tode gekommen. Was ist überhaupt der Hauptstreitpunkt?

Brenner: Das ist mittlerweile für viele gar nicht mehr nachzuvollziehbar. Die Ursache des Konfliktes sind Fragen wie die nach Landverteilung, politischer Partizipation und Beteiligung der Bevölkerung. Ein Kernproblem des Konfliktes ist in der Tat die Verteilung des Landes in Kolumbien, weil Kolumbien ein Land ist, in dem die Landverteilung sehr ungerecht ist. Ein kleiner Teil der Bevölkerung besitzt einen Großteil des Landes. Das ist ein Punkt, den die Guerilla seit Jahrzehnten immer wieder kritisiert.

DOMRADIO.DE: Sie helfen ja auch mit Caritas International direkt vor Ort in verschiedenen Projekten. Wird es eventuell schwieriger für Sie, dort zu arbeiten?

Brenner: Ja, das ist in der Tat so. Wir sind sehr besorgt; dass die Gewalt in Kolumbien wieder zunimmt. Wir beobachten schon in vielen Teilen des Landes, dass verschiedene bewaffnete Gruppen – nicht nur die ELN, sondern auch paramilitärische Gruppen oder auch Dissidenten – wieder ihre Aktivitäten intensivieren. Das wirkt sich wiederum auf die humanitäre Situation vieler Gemeinden aus. Und diese Gemeinden, die Opfer von Vertreibungen oder auch Opfer von Landminen oder von gezielten Mordanschlägen sind, versuchen wir durch unsere Arbeit zu unterstützen.

Das machen wir zum Beispiel durch die Vergabe von Nahrungsmittelhilfen oder von Hygienepackungen oder wir unterstützen bei der Unterbringung von Personen, die kurzfristig vertrieben worden sind. Gleichzeitig versuchen wir beispielsweise durch Maßnahmen im sozialen Bereich, die Gemeinden und betroffenen Personen dahingehend zu stärken, dass sie selber effizienter gegenüber verschiedenen Risiken sind. Das heißt: Wir geben ihnen Selbstschutz-Pläne an die Hand oder bearbeiten mit ihnen Konflikte, die in den Gemeinden herrschen, damit sie Konflikte gewaltfrei lösen können.

DOMRADIO.DE: Sehen Sie denn irgendeine Lösung – gerade wenn es um die Landverteilung geht?

Brenner: Das ist eine sehr schwierige Frage. Die können wir als Caritas nicht beantworten. Wichtig ist, dass jetzt die Regierung und die ELN-Guerilla die Türen nicht gleichzeitig schließen. Es ist wichtig, dass es eigentlich nur eine politische Lösung des Konfliktes geben darf und geben kann. Das heißt, man darf nicht wieder zurückfallen in alte Muster der gegenseitigen militärischen Beziehungen. Und dafür ist es wichtig, dass trotz des Anschlags sowohl die Regierung als auch die Guerilla weiterhin gesprächsbereit bleiben und versuchen, diesen Konflikt friedlich zu lösen. Dafür ist es wichtig, dass überhaupt bei beiden Akteuren auch ein ernsthafter politischer Wille daran besteht.

DOMRADIO.DE: Im Februar fliegt Bundespräsident Steinmeier nach Kolumbien – was kann er in dieser Situation ausrichten?

Brenner: Präsident Steinmeier trifft sich unter anderem mit dem kolumbianischen Präsidenten Iván Duque und davon erhoffen wir uns, dass er noch einmal versucht, die kolumbianische Regierung zu überzeugen, dass sie die Tür mit der Guerilla nicht zuschlägt und sich weiterhin gesprächsbereit zeigt. Wir hoffen, dass er darauf hinwirkt, dass die kolumbianische Regierung trotz des Schmerzes, den natürlich auch die kolumbianische Bevölkerung verspürt, weiterhin an einer politischen Lösung des Konfliktes arbeitet.

Das Interview führte Bea Steineke

(DR)

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