Straßenplakat gegen den EU-Austritt Großbritanniens in Nordirland
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21.01.2019

Pfarrer aus Nordirland über Brexit-Streit in Irland "Die Frage ist: Fühlt man sich britisch oder irisch?"

Die Diskussion zur nordirisch-irischen Grenze im Zuge des Brexits sorgt für Aufregung zwischen Protestanten und Katholiken. Die Nerven liegen blank, meint Pfarrer Arras. Flammt der alte Konflikt wieder auf?

DOMRADIO.DE: Am Samstagabend ist ein Auto vor einem Gerichtsgebäude in Londonderry explodiert. Seitdem gibt es Diskussionen, inwieweit dieser Autobombenanschlag mit dem bevorstehenden Brexit zusammenhängen könnte. Was denken Sie?

Stephan Arras (Pfarrer der deutschen evangelisch-lutherischen Kirche in Irland): Die Nerven liegen blank, weil man gar nicht weiß, wie das jetzt alles mit dem Brexit weitergeht. Und Nordirland ist natürlich von dem Brexit ganz besonders betroffen - wenn er denn so käme, wie er kommen soll. Es könnte schon sein, dass sich hinter diesem Anschlag eine Warnung verbirgt, nach dem Motto: Wenn der Brexit kommt, könnt ihr euch schon mal warm anziehen und erahnen, was passiert.

DOMRADIO.DE: Der Anschlag geht wahrscheinlich auf das Konto einer neuen Splittergruppe der militanten Untergrundorganisation IRA. In den 60er Jahren sind im Konflikt zwischen irisch-katholischen Nationalisten und protestantischen Loyalisten über 3.000 Menschen gestorben. Glauben Sie, dass dieser konfessionelle Konflikt jetzt wieder aufkeimt?

Arras: Ich glaube, dass die Religion heute keine große Rolle mehr spielt. Die große Frage dahinter ist: Fühlt man sich britisch oder irisch? Das hängt damit zusammen, dass sehr viele Menschen in Nordirland in der Zeit der englischen Besatzung aus den englischen Gebieten nach Irland angesiedelt wurden. Da leben, eben historisch bedingt, sehr viele Protestanten oder nahezu alle.

Wenn man diese fragt "Was bist du eigentlich?", dann sagen sie "Britisch", nicht unbedingt irisch. Das dürfte immer noch der Knackpunkt sein. Und die katholischen ur-irischen Einwohner sagen: "Wir gehören zu dieser Insel und nicht zu England."

DOMRADIO.DE: Beschäftigt Sie der Konflikt denn auch in ihrer Gemeinde?

Arras: Na ja, in Nordirland sind unter den Gemeindegliedern viele Deutsche. Die beschäftigt das schon sehr, weil sie nicht wissen, was die Zukunft ihnen bringt.

Es wurde ja schon von Seiten der englischen Regierung gesagt, dass sich EU-Bürger warm anziehen müssten, dass sie vielleicht gehen müssen. Viele Menschen in Nordirland haben wirtschaftliche Ängste. Sie fürchten, dass sie abgekoppelt sind - sowohl von der EU als auch im Stich gelassen werden von einem wirtschaftlich schwächer werdenden Großbritannien. Da sind echte Existenzängste: Wie geht es weiter mit uns? Was macht das mit uns?

DOMRADIO.DE: Wird sich das Klima weiter verändern? Sind weitere Unruhen in Irland und Nordirland zu befürchten?

Arras: Wenn es zu einer echten EU-Außengrenze auf irischem Boden kommt, ist schon damit zu rechnen. Das habe ich in vielen Gesprächen gehört, dass es da sehr wohl zu bewaffneten Konflikten kommen dürfte, weil es viele gibt, die mit dieser Grenze nicht einverstanden sind. Insgesamt aber merke ich im Moment, vor allem in der Republik, eine sehr große Gelassenheit. Manche sagen auch, dass der Brexit nicht so kommen, wie er angekündigt wird. Andere sagen: "Denen wird schon irgendwas einfallen, um eine Grenze zu verhindern."

Im Moment ist alles, was man für die Zukunft sagt, Spekulation. Aber es gibt eine Sache, die mich hoffnungsvoll stimmt: Die Kirchen auf dieser Insel operieren traditionell inselweit und können diese Grenze nicht nachvollziehen. Unsere Kirche, die kleine lutherische Kirche, arbeitet inselweit, aber auch die katholische Kirche, Irland und alle anderen auch. Wir ignorieren, dass da eine mögliche Grenze zwischen Irland und Nordirland ist und das bedeutet, dass wir auch eine Verbindung darstellen.

Das Gespräch führte Beatrice Steineke.

(DR)

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