Kardinal Christoph Schönborn (l.) und Alois Schwarz
Kardinal Christoph Schönborn (l.) und Alois Schwarz
Erzbischof Franz Lackner
Erzbischof Franz Lackner

14.01.2019

Was kann der Vatikan in der österreichischen Kirche bewirken? Klarheit finden im Nebel der Vorwürfe

Ein "Apostolischer Visitator" aus dem Vatikan soll sich selbst ein Bild über die Vorwürfe gegen den langjährigen Bischof von Gurk-Klagenfurt, Alois Schwarz, machen. Welche externen Impulse nun wichtig wären, stellt ein österreichischer Kirchenjournalist dar.

DOMRADIO.DE: Es geht um Bischof Alois Schwarz, der vergangenes Jahr seinen Posten im Bistum Gurk-Klagenfurt verlassen hat, um Bischof in Sankt Pölten zu werden. Da gibt es nun Einiges an Ärger in Bezug auf diesen Wechsel. Was ist da genau los?

Christoph Wellner (Chefredakteur von Radio Klassik Stephansdom): Ich glaube, man kann die Vorwürfe, die an ihn gerichtet werden, in drei Teile aufsplitten. Zunächst geht es um etwas sehr Persönliches, da ihm vorgeworfen wird, er habe den Zölibat gebrochen. Er sagt, er habe dies nicht getan. Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, der Erzbischof von Wien, Kardinal Schönborn, hat gesagt, er glaube ihm dies. Das ist der eine Punkt, an dem die Medien besonders interessiert sind. Ich schließe mich der Meinung unseres Erzbischofs an, denn für mich ist diese Diskussion geklärt.

Der zweite Teil der Vorwürfe richtet sich gegen sein Verhalten als Bischof in der Diözese Gurk-Klagenfurt im Süden Österreichs. Wenn man den Berichten, die bis jetzt veröffentlicht wurden, Glauben schenken darf, dann hat er hier ordentlich gewirtschaftet. Somit darf man ihm in diesem Bezug auch keine Vorwürfe machen.

Bleibt also ein dritter Punkt, der sich auf sein Verhalten mit dem so genannten Mensalgut, dem Vermögen des Bistums, das dem Bischof direkt untersteht, bezieht. Hier gibt es in mehreren österreichischen Diözesen den Fall, dass der Bischof einen direkten Zugriff auf das Geld hat und somit niemandem darüber Rechenschaft abgeben müsste - und ich verwende hier bewusst den Konjunktiv. Normalerweise gibt es Wirtschaftsräte und Kuratorien, die beraten, damit alles rechtmäßig ist. Da kann man jetzt ansetzen und hinterfragen, ob er sich dort ganz korrekt verhalten hat, weil er hier ein Kontrollgremium quasi ausgesetzt hat. Wie gesagt, er dürfte es alleine machen. Aber es macht nicht unbedingt einen schlanken Fuß, wie er sich hier verhalten hat.

DOMRADIO.DE: Nun sieht das Vorgehen so aus, dass der Vatikan einen Visitator eingesetzt hat. Dieser ist ein anderer österreichischer Bischof, der mit einer Kommission das Ganze jetzt untersuchen soll. Was wird dabei passieren?

Wellner: Die ganze Sache begann mit einer angekündigten Pressekonferenz, die dann abgesagt wurde. Danach ist es irgendwie losgegangen mit den nicht mehr ganz feinen und höflichen Tönen von beiden Seiten. Teilweise waren es vom Domkapitel aus Klagenfurt, aber auch vom Bischof Schwarz nicht unbedingt die Töne, die man sich in der Öffentlichkeit erwartet.

Der Vatikan hat dann reagiert und gesagt, dass sie das jetzt untersuchen, wobei ich den Erzbischof von Salzburg, Franz Lackner, zitieren darf, der heute in einem Pressestatement gesagt hat: "So eine Visitation ist eine Sachverhaltserhebung und keine Urteilsfällung." Er wird sich jetzt bemühen, alle Seiten zu hören, um dann zu einem Gesamtbild zu kommen. Das Ganze soll in der Fastenzeit, also noch vor Ostern abgeschlossen werden.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben Sie gerade gesagt, keine allzu schönen Töne wurden da verwendet. Sowohl in den Nachrichtensendungen, als auch in dem, was sie gesagt haben, klingt das alles sehr diplomatisch formuliert. Kann man denn sagen, was hinter der ganzen Sache steckt, warum das so ist? Das ist anscheinend ein Konflikt, der sich nicht bloß auf die Sachlage bezieht.

Wellner: Das dürfte mit der direkten Amtsführung des Bischofs zu tun haben. Dazu kann ich nichts Näheres sagen, weil ich nie direkt mit ihm zusammengearbeitet habe. Ich kenne ihn schon lange, er war ja Weihbischof hier in Wien. Ich glaube, da war Einiges, was sich so aufgestaut hat im Bistum Gurk. Bei seiner dortigen Verabschiedung im Juni hatte es aber noch ganz wunderbare und versöhnliche Töne gegeben und das Domkapitel hat gesagt, dass er eine herausragende Persönlichkeit war, die Menschen ihn geliebt haben und er überdurchschnittlich stark war. Dann gingen plötzlich ganz andere Töne los und es wird eigentlich nur unter der Gürtellinie argumentiert. Das wirft natürlich kein sehr gutes Bild auf die gesamte Situation.

DOMRADIO.DE: Hat sich denn Bischof Schwarz zu den ganzen Vorgängen selber mal geäußert?

Wellner: Ja und da, wie ich es vorhin auch schon diplomatisch auszudrücken versucht habe, auch nicht zum richtigen Zeitpunkt. Denn, wenn es offiziell bei dieser Pressekonferenz heißt, der Vatikan untersage das Abhalten der Pressekonferenz, hätte er sich auch nicht unbedingt melden müssen und sagen müssen, dass ohnehin alles in Ordnung ist.

DOMRADIO.DE: Jetzt ist die Idee hinter diesem Visitator und hinter der ganzen Angelegenheit, die Wogen zu glätten, die Leute wieder zusammenzubringen. Sehen Sie denn da eine Möglichkeit dazu, dass man sich da friedfertig einigt, oder ist man da zu verhärtet auf beiden Seiten?

Wellner: Meine ganz persönliche Meinung ist, dass alle Beteiligten ihre kirchliche Karriere nachhaltig zerstört haben. Ich glaube, dass man vielleicht mit einem versöhnlichen Ende diese Visitation abschließen, beziehungsweise an den Vatikan berichten wird und dann Entscheidungen fallen werden. Aber meiner persönlichen Meinung nach ist die bischöfliche Karriere von Bischof Schwarz sowie auch von den betroffenen Herren im Domkapitel in Gurk-Klagenfurt zu Ende.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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