Pawel Adamowicz
Pawel Adamowicz

14.01.2019

Danziger Bürgermeister stirbt nach Messerattacke Katholischer Revolutionär mit Vision für Europa

Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz ist am Montag den Folgen eines Messerangriffs erlegen. Er verfolgte eine Migrationspolitik, mit der er auch anstieß. Sein Ziel: Die Mentalität gegenüber Migranten in Polen verändern.

Pawel Adamowicz (1965-2019) war ein Revolutionär. 1988 führte er an der Universität in Danzig den Streik gegen die kommunistische Führung an. In den vergangenen Jahren zog er als Bürgermeister der nordpolnischen Stadt Danzig zu Felde gegen die Antimigrationspolitik der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). "Wie es mit der Migration weitergeht, ist fundamental für uns", sagte Adamowicz der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) im Juni 2017. Am Montag starb er nach einer Messerattacke eines 27-Jährigen.

Die Hintergründe der Tat sind noch ungeklärt

Bis 2015 gehörte Adamowicz der liberal-konservativen Partei Bürgerplattform an, danach war er parteilos. Entweder werde die polnische Gesellschaft "pluralistisch" oder "ausländerfeindlich", sagte Adamowicz im Juni 2017. In Danzigversuchte er als Bürgermeister seit 1998, die Dinge anders anzugehen. Als erste Stadt in Polen habe man eine Entschließung zur Einwanderung verabschiedet.

"Wir können - wenn wir wollen", lautete das Motto des Bürgermeisters. Zusammen mit der Nachbargemeinde bot er der Regierung an, eine Gruppe von syrischen Flüchtlingen aufzunehmen. Doch Warschau blockte ab. Auch wenn viele Polen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen seien, könne sich dies ändern, wenn die Menschen erst einmal da wären, meinte Adamowicz. Er selbst suchte den Dialog - mit dem Islam aber auch mit anderen Kommunen, wie Juni 2017 bei einer Konferenz zu Einwanderung und Flucht. Adamowiczs Ziel: Auch andere Bürgermeister zu überzeugen, die Danziger Erklärung zur Integration zu unterzeichnen.

Papst Johannes Paul II. als Inspirationsquelle

Adamowicz war überzeugt: Die Mitgliedschaft in der Union geht nicht nur mit Rechten einher, sondern auch mit Verpflichtungen. Die EU sei kein Supermarkt, wiederholte er den Satz, den Emmanuel Macron beim EU-Gipfel im Sommer 2017 sagte. Doch die EU-Strukturmittel zu kürzen, um auf diesem Wege Druck in der Flüchtlingsfrage aufzubauen, hielt Adamowicz für falsch. Darunter könnten letzten Endes auch die Integrationsprojekte der polnischen Städte und Regionen leiden. Außerdem nutze die Regierung derartige Entscheidungen, um Stimmung gegen die EU zu machen. Adamowicz sprach von einem "riskanten Spiel".

Die Familie des am Montag verstorbenen Bürgermeisters weiß, wie sich Flucht anfühlt. Sie stammt aus einem Teil im Osten Polens, der heute zu Litauen gehört. Eine Zeit lang lebten Adamowiczs Großeltern in Kasachstan. Und er hatte noch eine andere Quelle der Inspiration: Papst Johannes Paul II. Adamowicz erlebte, wie der polnische Papst 1987 in Danzig zur Solidarität mahnte. Das motivierte ihn. "Der Glaube ist das natürliche Fundament für mein Engagement", sagte Adamowicz.

Gebetsaufrufe der katholischen Kirche

Die katholische Kirche in Polen hatte in der Nacht zu Montag noch zu Gebeten für den bei einem Messerangriff schwer verletzten Danziger Bürgermeister aufgerufen. "Wir beten für Gesundheit und ein Wunder", sagte Danzigs Erzbischof Slawoj Leszek Glodz nach einem Besuch der Uniklinik der Ostseestadt. In der Klinik war Adamowicz fünf Stunden lang operiert worden, bevor er am Montag den Verletzungen erlag.

Adamowicz gehörte bis 2015 der derzeitigen Oppositionspartei Bürgerplattform PO an. Nach Angaben des Innenministeriums wurde er nach dem Angriff zunächst reanimiert. Anschließend sei er im Krankenhaus fünf Stunden lang operiert worden, sagte sein behandelnder Arzt Tomasz Stefaniak. Adamowicz hatte demnach Verletzungen an Herz, Zwerchfell und Organen im Bauchraum erlitten und viel Blut verloren.

Franziska Broich
(KNA)

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 18.11.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Geburtshilfe im Wandel der Kulturgeschichte – Wie gehen wir mit dem Lebensanfang um?
  • Alle Menschen erreichen: Digitalstrategie in Deutschland der Bundesregierung
  • Welltag der Armen – Mittagessen mit Papst Franziskus
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Trauergottesdienst für Menschen ohne Angehörige
  • 1000 Postkarten für Kardinal Woelki
  • Orthodoxen Rabbinerkonferenz tagt mit der Deutschen Bischofkonferenz
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Trauergottesdienst für Menschen ohne Angehörige
  • 1000 Postkarten für Kardinal Woelki
  • Orthodoxen Rabbinerkonferenz tagt mit der Deutschen Bischofkonferenz
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Michael Steinbrecher: Der Kampf um die Würde
  • Deutscher Lehrerpreis wird vergeben
  • Knastkulturwoche - Diakon betreut Schreibprojekt in JVA Berlin
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Michael Steinbrecher: Der Kampf um die Würde
  • Deutscher Lehrerpreis wird vergeben
  • Knastkulturwoche - Diakon betreut Schreibprojekt in JVA Berlin
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Geburtshilfe im Wandel der Kulturgeschichte – Wie gehen wir mit dem Lebensanfang um?
  • Orthodoxen Rabbinerkonferenz tagt mit der Deutschen Bischofkonferenz
  • Michael Steinbrecher: Der Kampf um die Würde
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff