Christen in Indien
Christen in Indien

12.01.2019

Größte Kirche im indischen Kerala wird geweiht Platz für rund 5.000 Besucher

Im Dorf Ramapuram bei Pala wird am Sonntag die größte Kirche des südindischen Bundesstaates Kerala geweiht. Die Weihe nimmt Kardinal George Alencherry vor.

Alencherry ist Großerzbischof von Ernakulam-Angamaly und Oberhaupt der Katholiken des syro-malabarischen Ritus.

Die Kirche ist laut indischen Medienberichten 70 Meter hoch und bietet auf etwa 7.000 Quadratmetern Platz für rund 5.000 Besucher. Die Bauzeit für den Architektur-Mix aus portugiesischen, griechischen und byzantinischen Stilelementen betrug demnach rund zehn Jahre und wurde durch Spenden von Gemeindemitgliedern und Landsleuten im Ausland möglich. Der neue Kirchenbau steht hinter seinem intakten historischen Vorgängerbau, der nun zum Museum umfunktioniert wird.

Vitale Gemeinschaft

Die sehr vitale Gemeinschaft der Syro-Malabaren gehört zu den sogenannten Thomaschristen. Als solche bezeichnet man jene Christen an der südwestindischen Malabarküste, die ihre frühe Missionierung auf den Apostel Thomas zurückführen. Dessen Grab wird in Madras verehrt; eine Missionsreise ab dem Jahr 52 ist jedoch historisch nicht zu belegen. Die tatsächliche Begründung einer christlichen Kirche in Indien geht nachweisbar auf die nestorianische, mithin ostkirchliche Mission im fünften und sechsten Jahrhundert zurück.

Über viele Jahrhunderte kirchenrechtlich unter Leitung dieser ostsyrisch-persischen Kirche im heutigen Irak, wurden die Thomaschristen von der portugiesischen Kolonialmacht im 16. Jahrhundert großenteils unfreiwillig latinisiert, also Rom unterstellt. Im Streit darüber kam es 1599 zunächst zum Schisma in uniert-katholische und orthodoxe Thomaschristen, die sich im Laufe der Jahrhunderte immer weiter aufspalteten.

Thomaschristen

Heute bestehen die Thomaschristen in Kerala in verschiedenen konfessionellen Ausprägungen fort. Die größte Gruppe – nach den römisch-katholischen Christen – sind die mit Rom unierten sogenannten Syro-Malabaren mit rund drei Millionen Mitgliedern. Ebenfalls in Union mit Rom sind seit 1930 die heute rund 300.000 Syro-Malankaren, die noch einem anderen ostkirchlichen Ritus folgen.

Die orthodoxen Thomaschristen sind aufgeteilt in rund zwei Millionen Syrisch-Orthodoxe und rund 700.000 "Neunestorianer" der sogenannten Mar-Thoma-Christen. Ferner gibt es kleinere Gruppen anglikanischer und sonstiger protestantischer "Thomas-Kirchen".

(KNA)

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