Haben sich überworfen: Kyrill I. (l.) und Barholomaios I.
Haben sich überworfen: Kyrill I. (l.) und Barholomaios I.
Kerzen in einer griechisch-orthodoxen Kirche
Kerzen für eine Lösung des Streits in der orthodoxen Kirche?

04.01.2019

Proteste gegen geplante Anerkennung ukrainischer Kirche Kirchenkampf steuert Höhepunkt entgegen

Wenn alles nach Plan läuft, dann erhält die neue orthodoxe Kirche der Ukraine am Sonntag die Eigenständigkeit. Dagegen haben sich Proteste angekündigt. Nicht nur Russland ist gegen eine von Moskau unabhängige Kirche. 

Trotz heftiger Proteste aus Moskau will das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie der neuen orthodoxen Kirche der Ukraine an diesem Wochenende die vollständige Eigenständigkeit (Autokephalie) verleihen. In seiner Residenz in Istanbul wird der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., am Samstag gemeinsam mit dem vor drei Wochen in Kiew gewählten Oberhaupt der ukrainischen Kirche, Metropolit Epiphanius, die "Tomos" genannte Urkunde unterzeichnen.

Die russisch-orthodoxe Kirche wollte diese höchste kirchenrechtliche Anerkennung unbedingt verhindern, um die Oberhoheit über das Nachbarland zu behalten.

Konstantinopel und Moskau streiten

Zu der Zeremonie im Thronsaal wird auch der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko erwartet. Am Sonntagmorgen will Bartholomaios I. die Autokephalie-Erklärung bei einem Festgottesdienst in der Istanbuler Georgskathedrale an Epiphanius übergeben. Poroschenko hatte sich vehement für die Gründung einer von Russland unabhängigen Kirche starkgemacht. Die alte, dem Moskauer Patriarchat unterstellte ukrainisch-orthodoxe Kirche bezeichnete er als politisches Werkzeug von Kreml-Chef Wladimir Putin.

Der Machtkampf zwischen den beiden Zentren Konstantinopel (Istanbul) und Moskau um die Ukraine hat die orthodoxen Kirchen in eine schwere Krise gestürzt. Kritiker des Ökumenischen Patriarchats sprechen diesem das Recht ab, im Alleingang der neuen ukrainischen Kirche die Autokephalie zu verleihen.

Polen ist dagegen

Ein Sprecher der autokephalen polnisch-orthodoxen Kirche bestätigte am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) einen Protestbrief an Bartholomaios I. Metropolit Sawa von Warschau und ganz Polen lehnt darin kategorisch die Anerkennung von Epiphanius und seiner Kirche ab. Der "sogenannte Metropolit" sei nicht einmal ordnungsgemäß zum Priester geweiht, sondern "in Wirklichkeit ein weltlicher Mann". Sawa plädiert für eine Zusammenkunft der Oberhäupter aller 14 bestehenden autokephalen orthodoxen Landeskirchen, um eine Lösung zu finden.

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hatte Bartholomaios I. in einem Brief gedroht, wenn er den "Tomos" übergebe, verspiele er den Ehrenvorsitz der orthodoxen Kirche. Der Ökumenische Patriarch spalte die orthodoxen Christen durch die "Legalisierung" von ukrainischen "Schismatikern". Davor müsse er sich vor Gott beim Jüngsten Gericht verantworten. Russlands Präsident Putin warf Kiew eine Verfolgung der moskautreuen Kirche vor und bezichtigte Bartholomaios I., US-Interessen zu vertreten.

Kirchenstreit mit politischer Dimension

In der Ukraine gibt es künftig zwei große orthodoxe Kirchen: die Moskau unterstehende "Ukrainische Orthodoxe Kirche" und die neue "Orthodoxe Kirche der Ukraine" mit Epiphanius an der Spitze. Zur letzteren schlossen sich am 15. Dezember zwei von Moskau abgespaltene Kirchen zusammen.

Rund 70 Prozent der Ukrainer sind orthodoxe Christen. Wegen des Streits über die kirchenpolitische beziehungsweise politische Rolle Moskaus hatten sich 1921 die "Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche" und 1992 das Kiewer Patriarchat von der russisch-orthodoxen Kirche abgespalten. Beide pochten auf ihre Unabhängigkeit von Moskau.

Die moskautreue ukrainische Kirche genießt inzwischen allerdings eine umfangreiche Autonomie. Ohne jede Einspruchsmöglichkeit aus Moskau wähle sie ihr Oberhaupt, ihre Bischöfe und gründe Eparchien (Diözesen), betont sie. Alle Versuche, die Orthodoxie in dem Land zusammenzuführen, scheiterten bislang.

(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Tageskalender

Radioprogramm

 18.09.2021
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

16:00 - 19:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

16:00 - 19:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

Lichterfeier aus Taize

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Himmelklar Podcast

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!