Kinder in einer Favela in Rio
Kinder in einer Favela in Rio
Brasilien vor dem Amtsantritt von Bolsonaro: Reinigungsarbeiten am Regierungspalast
Brasilien vor dem Amtsantritt von Bolsonaro: Reinigungsarbeiten am Regierungspalast
Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro

29.12.2018

Katholische Jugendhelfer vor Bolsonaros Amtsübernahme in Sorge Angst vor Reformen in Brasiliens Sozialpolitik

Seit dem Wahlsieg des Rechtspopulisten Jair Messias Bolsonaro deuten sich gravierende Änderungen in der brasilianischen Sozialpolitik an. Katholische Jugendhelfer aus Rios Armenvierteln befürchten das Schlimmste.

Einfach war ihre Aufgabe ohnehin nie. Regina Leao kümmert sich seit 28 Jahren um jene, um die sich sonst niemand kümmert: mittellose Jugendliche in den Favelas von Rio de Janeiro. Im Auftrag der "Pastoral do Menor" des örtlichen Erzbistums zeigt die Sozialarbeiterin gefährdeten Minderjährigen einen Ausweg aus der scheinbar endlosen Spirale von Armut, Drogen und Gewalt. Das von ihr geleitete Bildungszentrum "Comendador Armindo da Fonseca" ist eine Zufluchtsstätte inmitten des Kriegs zwischen Drogenbanden und Polizei.

Ohne Unterstützung wäre ihre Arbeit nicht möglich

Vorwiegend afrobrasilianische Jungen bekommen dort Nachhilfeunterricht - nicht selten ihre einzige Chance auf Bildung. Auf die Hilfe der Regierung, das weiß die 54-Jährige, kann sie dabei nicht zählen. Weder unter der linken Staatspräsidentin Dilma Rousseff noch unter dem konservativen Michel Temer hat sich daran etwas geändert. Ohne fremde Unterstützung - etwa durch das deutsche Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat - wäre die Arbeit der Jugendpastoral in Rios Armenvierteln kaum möglich. Eine Tatsache, mit der sich Leao irgendwie arrangieren musste.

Doch der Sieg des Rechtspopulisten Jair Messias Bolsonaro bei der Präsidentschaftswahl im Oktober hat selbst die resolute Jugendhelferin nachhaltig erschüttert. "Brasilien ist in einer gefährlichen Lage", sagt sie bei einem Deutschland-Besuch kurz vor Bolsonaros Amtsübernahme. Mit unheilvollem Unterton berichtet sie von den gesellschaftlichen Veränderungen, die sie in ihrem Heimatland beobachtet: Parallel zum "Mythos Bolsonaro" sei eine "Kultur des Hasses" entstanden - mit womöglich fatalen Folgen.

"Der Rassismus breitet sich aus"

Suanny Martins sieht das ähnlich. Die 27-Jährige entfloh mithilfe der Jugendpastoral der Brutalität der berüchtigten Acari-Favela in Rio. Inzwischen arbeitet sie für den Kinderschutzbund CEDECA und steht vor ihrem Uniabschluss als Sozialarbeiterin. "Der Rassismus breitet sich aus", sagt die Afrobrasilianerin. Es gebe kaum noch Hemmungen, Ressentiments offen zu zeigen.

Enttäuschend sei für sie vor allem, dass in ihrem Viertel auch etliche Schwarze und Homosexuelle für den ultrarechten Bolsonaro gestimmt hätten. "Das ist ein Rückschritt für uns", so Martins. Eine Ursache sei die weit verbreitete Anti-Haltung gegen die Arbeiterpartei PT, der viele die Alleinschuld für Korruption und Misswirtschaft im Land zuschöben.

Dabei lasse Bolsonaro ebenso ein stimmiges Konzept gegen die Missstände vermissen. Während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Rios Abgeordneter im Nationalkongress habe er nichts Nennenswertes zustande gebracht.

Mehrere umstrittene Reformen angekündigt

Regina Leao befürchtet durch den Regierungswechsel eine weitere Zuspitzung der ohnehin schon schwierigen Lage in ihrer Heimatstadt. Eine 2008 vom Staat gestartete Befriedungspolitik für die Favelas breche wegen fehlender Gelder zusehends zusammen. Das Militär habe die Kontrolle übernommen. Nun könnten unter Bolsonaro weitere drastische Einschnitte folgen.

So habe der künftige Präsident bereits mehrere umstrittene Reformen angekündigt, erläutert Leao. Dazu zählten eine Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters und längere Heimaufenthalte für straffällig gewordene Jugendliche. Aus Sicht der Sozialarbeiterin würden solche Schritte die Lage aber nur verschlimmern. "Kinder- und Jugendrechte müssen gestärkt, nicht geschwächt werden", lautet ihre Auffassung. Eine Kriminalisierung der Jungen und Armen sei keine Lösung.

Stattdessen brächten Minderjährige in prekären Verhältnissen dringend mehr Hilfe, fordert Leao. "Was wir im Moment erleben, ist ein Massenmord an unserer Jugend", klagt sie und verweist auf die Dutzenden jungen Menschen, die Tag für Tag in Rios Drogenkrieg getötet werden. Gegen diese Gewalt und Perspektivlosigkeit will sie weiter kämpfen - mit Zuwendung und mit Bildung.

Von Alexander Pitz

(KNA)

Sommeraktion: Meine Heimatkirche

Die Sommeraktion von DOMRADIO.DE: Wir suchen Ihre Heimatkirche. Laden Sie ein Bild hoch und erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

Wichtig: Kein DAB+ mehr in NRW ab Juli

Leider sendet DOMRADIO ab Juli nicht mehr über DAB+ in NRW. Laden Sie sich doch unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 08.07.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Bischof Overbeck bei "DIGITAL SYNODAL"
  • Wie wird das Requiem für Georg Ratzinger?
  • CDU-Spitze einigt sich auf Frauenquote von 50 Prozent
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Sternenwarte im Kloster
  • Geburtstag von Graf Zeppelin
  • Büchertipps und -Gespräche
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Sternenwarte im Kloster
  • Geburtstag von Graf Zeppelin
  • Büchertipps und -Gespräche
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Frauenquote in der CDU
  • Papst Franziskus feiert Messe für Bootsflüchtlinge
  • Deutsche EU-Ratspräsidentschaft, das Coronavirus und die USA
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Frauenquote in der CDU
  • Papst Franziskus feiert Messe für Bootsflüchtlinge
  • Deutsche EU-Ratspräsidentschaft, das Coronavirus und die USA
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…