Mehr als 7,6 Milliarden Menschen auf der Erde

"Die Bevölkerungsentwicklung folgt keinem Naturgesetz"

Es wird immer enger auf der Erde. Zwar wird die weltweite Geburtenrate in den kommenden Jahren laut UNO sinken. Dennoch werden bis zum Jahr 2100 mehr als elf Milliarden Menschen auf der Welt leben.

Autor/in:
Christoph Arens
Menschenmasse / © Lukas Schulze (dpa)
Menschenmasse / © Lukas Schulze ( dpa )

Es ist ein nettes Spiel: Auf der Homepage der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung kann der User sein Geburtsdatum eingeben und erfährt dann, als wievielter Erdenbürger er auf die Welt gekommen ist. Wer beispielsweise im April 1961 geboren wurde, war ungefähr der Dreimilliardste Erdenbürger.

Die Animation macht zugleich deutlich, wie steil die weltweite Bevölkerungskurve angestiegen ist: eine unaufhörliche Dynamik, auch wenn die Kurve mittlerweile leicht abflacht. Derzeit wächst die Zahl der Erdenbürger jede Sekunde statistisch um 2,6 Menschen, teilte die Stiftung am Freitag in Hannover mit. Damit leben zum Jahreswechsel voraussichtlich 7,674 Milliarden Menschen auf der Erde – 83 Millionen mehr als zu Jahresbeginn.

Die Dynamik des Bevölkerungswachstums

Ein Blick zurück zeigt, welche Dynamik das Bevölkerungswachstum erreicht hat: Erst 1804 wurde die erste Milliarde übersprungen, 1927 die zweite Milliarde und schon 1959 die dritte. "2011 waren wir noch sieben Milliarden Menschen, im Jahr 2050 werden wir 9,8 Milliarden und im Jahr 2100 rund 11,2 Milliarden sein", prognostizieren die Bevölkerungswissenschaftler. Diese Annahme geht allerdings davon aus, dass weitere Fortschritte bei der freiwilligen Familienplanung, bei der Gesundheitsversorgung, beim Zugang zu Bildung und der Stärkung von Frauen und Mädchen erreicht werden.

Wäre die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern, kämen derzeit 59 aus Asien, 17 aus Afrika, 10 aus Europa, 8 aus Lateinamerika, 5 aus Nordamerika und 1 aus Ozeanien. 2050 hätte dieses Dorf 129 Einwohner. Besonders stark wächst die Bevölkerung laut Stiftung wie schon in den vergangenen Jahren in Afrika. Bis 2050 werde sie sich nach neuesten Prognosen von heute etwa 1,3 Milliarden auf rund 2,5 Milliarden nahezu verdoppeln. Der größte Teil der Menschheit wird allerdings auch in Zukunft in Asien leben. Derzeit bewohnen 4,5 Milliarden Menschen den Kontinent. Bis 2050 werden es voraussichtlich rund 5,3 Milliarden sein.

Das bevölkerungsreichste Land der Erde

Wer die Grafiken der DSW betrachtet, sieht beeindruckende Verschiebungen: Indien wird China bis 2024 als bevölkerungsreichstes Land der Erde ablösen. Während Chinas Bevölkerung altert und von 1,4 auf 1,36 Milliarden zurückgeht, wird Indiens Einwohnerzahl von 1,34 Milliarden auf 1,66 Milliarden ansteigen. Bis 2050 dürfte Nigeria die USA als Land mit der drittgrößten Bevölkerung der Welt verdrängen.

Wichtige Faktoren des Bevölkerungswachstums sind die steigende Lebenserwartung und die höhere Überlebensraten von Kindern. Die Zahl der Menschen über 60 Jahre wird sich laut den UN-Schätzungen von heute knapp einer Milliarde auf 3,1 Milliarden im Jahr 2100 mehr als verdreifachen. Möglich ist das vor allem durch den medizinischen Fortschritt.

Kein Naturgesetz

Dabei ist die Weltbevölkerung im Schnitt sehr jung: Derzeit wächst die größte Jugendgeneration aller Zeiten heran. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) der Erdenbürger sind jünger als 15 Jahre. In Zahlen sind das 1,9 Milliarden, also rund zweieinhalb mal so viele Menschen, wie in ganz Europa leben. 65 Prozent der Weltbevölkerung sind zwischen 15 und 64 Jahre alt. Lediglich neun Prozent sind älter als 64.

"Die Bevölkerungsentwicklung folgt keinem Naturgesetz", sagt DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. Das hohe Bevölkerungswachstum gehe zu einem großen Teil auf ungewollte Schwangerschaften zurück. Bevölkerungsforscher und Hilfsorganisationen fordern deshalb verbesserte Angebote zu Aufklärung und Familienplanung. Zudem brauche es mehr Gleichberechtigung für Frauen in der Gesellschaft Afrikas und in anderen Entwicklungsländern, sagt Bähr.

Noch immer könne jede vierte Frau in diesen Regionen nicht verhüten, obwohl sie es wolle. Wenn Frauen frei über den Kinderwunsch entscheiden könnten, würde die Bevölkerungszahl zum Ende des Jahrhunderts um 30 Prozent niedriger liegen als derzeit prognostiziert, so Bähr.


Quelle:
KNA