Alois Schwarz, Bischof von Sankt Pölten
Alois Schwarz, Bischof von Sankt Pölten
Klaus Prömpers
Klaus Prömpers

21.12.2018

Druck auf früheren Bischof von Gurk wächst "Auch in Sankt Pölten nicht haltbar"

Die Austritte in der katholischen Kirche in Kärnten haben seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den ehemaligen Bischof von Gurk-Klagenfurt, Alois Schwarz, zugenommen. Das hat auch Auswirkungen auf sein jetziges Amt, so Journalist Klaus Prömpers.

DOMRADIO.DE: Warum kommen diese Meldungen jetzt erst auf?

Klaus Prömpers (Journalist): Es gab schon erste Meldungen im Sommer, als Schwarz sozusagen von Kärnten, von der Diözese Gurk-Klagenfurt nach Sankt Pölten, in der Nähe von Wien versetzt wurde. Das war aber damals nur ein kleines Aufflackern. Allerdings hat der darauffolgende Diözesanadministrator Guggenberger, der Dompropst der Diözese, veranlasst, dass etliche Maßnahmen, die der Altbischof Schwarz für Gurk-Klagenfurt getroffen hatte, außer Kraft zu setzen sind.

Es begann eine Aufklärung der Diözesanhaushalte der letzten vier Jahre auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die Aufklärung des sogenannten Mensalgutes [Anm. d. Red.: Kirchenvermögen eines katholischen Bischofs zur persönlichen Nutzung]. Mensalgut ist ein sehr fremder Begriff, der geht zurück auf eine Stiftung, in diesem Falle der Heiligen Hemma von Gurk, der Landesheiligen von Kärnten, die dem Bischof eine größere Summe hinterlassen hat. Ich würde sagen, wir sprechen davon, dass die Diözese Gurk-Klagenfurt im Grunde die reichste Diözese in Österreich ist, nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Im Bereich des Mensalgutes gibt es überhaupt keine Rechenschaftspflicht. Das kennen wir ja aus der Situation von Limburg noch.

DOMRADIO.DE: Es geht um Geld, was verschwunden ist. Das heißt, diese doch vernichtende Bilanz der 17 Bischofsjahre von Bischof Alois Schwarz haben wahrscheinlich den Ärger des Domkapitels ausgelöst?

Prömpers: Nicht nur den Ärger des Domkapitels, sondern auch den der Gläubigen. Bischof Schwarz wurde 2001 im Sommer als Weihbischof vom Vatikan dorthin gebracht, als Bischof für die Diözese Gurk-Klagenfurt. Bereits ab 2006 gibt es Beschwerden über sein Benehmen. Das ist in den Medien nachvollziehbar, aber sicherlich noch mehr nachvollziehbar in den Archiven der Erzdiözese Salzburg, sowie der Erzdiözese Wien. Da ging es nicht nur um das Finanzielle, sondern er muss einen sehr autoritären Stil im Laufe der 17 Jahre gepflegt haben, die er dort herrschte. Verstärkt durch eine relativ enge Beziehung zu einer Leiterin eines Bildungshauses, Andrea Enzinger, die ihn sehr stark beeinflusst haben muss. Das weiß natürlich keiner so genau.

DOMRADIO.DE: Das heißt, der dem Zölibat verpflichtete Bischof hatte eine Frau an seiner Seite?

Prömpers: Das scheint mir nicht die Hauptsache zu sein, denn er bestreitet auch, dass es da zu sexuellen Beziehungen gekommen sein soll. Das mag ihm zunächst geglaubt werden, aber der entscheidendere Punkt ist, dass diese Dame in den letzten vier Jahren auch dieses Bildungshaus Sankt Georgen heruntergewirtschaftet hat. Das ist ein Bildungshaus mit 64 Zimmern. Es hat inzwischen nur noch eine Belegung von 47 Prozent im Laufe des Jahres aufgewiesen, was eine Katastrophe ist. Zum Teil hat das zum Defizit beigetragen. Das Domkapitel beklagt nach ausführlicher Prüfung durch Wirtschaftsprüfer, dass mindestens 1,9 Millionen Euro in den Sand gesetzt worden sind und der Dompropst hat angekündigt, man werde auch gegen den Altbischof Regressforderungen finanzieller Art anstrengen.

DOMRADIO.DE: Jetzt wollte der Diözesanadministrator in einer Pressekonferenz alles öffentlich machen. Ist das richtig, dass der Vatikan dieses Vorhaben verboten hat?

Prömpers: In diesem konkreten Fall hat das die Bischofskongregation getan, weil sie die oberste prüfende Instanz für Fehltritte eines Bischofs ist - ob sie finanzieller oder anderer Art sind. Mittlerweile hat der Vatikan ja sogar weiter gehandelt. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der zuständig ist für die Diözese Gurk-Klagenfurt, soll eine Prüfung vornehmen. Das wird er ab Mitte Januar tun, so wie er sagte.

DOMRADIO.DE: Wo ist jetzt die Herausforderung?

Prömpers: Die Schwierigkeit liegt in zwei Dingen. Erstens hat es zu zunehmenden Austritten der katholischen Kirche Kärntens geführt, seitdem dies alles im Sommer diesen Jahres deutlicher und transparenter wurde. Es gab in diesem Jahr bereits bis jetzt 1000 Austritte mehr als im Vorjahr.

Zweitens ist das Misstrauen gegenüber dem, was in der Vergangenheit geschehen ist, natürlich überwältigend. Viele haben sich in vielen E-Mails, Briefen, Telefonanrufen beim Domkapitel geäußert. So sah sich der Diözesanadministrator Guggenberger, der zugleich Dompropst ist, genötigt, gemeinsam mit dem Kollegium eine Woche nach dem Verbot des Vatikans vor die Presse zu treten. Vor allem natürlich, um noch vor Weihnachten Transparenz herzustellen. Denn Bischof Schwarz hatte aus dem bis dahin vertraulichen Gutachten und dem Prüfbericht zitiert und immer gesagt, es treffe ihn kein wesentliches Verschulden. Er habe schon etwas verschuldet, aber nichts Wesentliches, so Schwarz. Bei 1,9 Millionen Euro könnte man sagen, dass es schon etwas Wesentliches ist.

DOMRADIO.DE: Wie wird sich die Lage in Kärnten weiterentwickeln?

Prömpers: Muss man sehen, aber es hat eine Welle des Misstrauens in Kärnten und darüber hinaus ausgelöst. Zumal viele sagen, dass im Grunde in der Bischofskonferenz Österreichs ab 2008 die Beschwerden über den autoritären Stil von Bischof Schwarz bekannt waren.

DOMRADIO.DE: Jetzt wird der Vatikan einen Sonderermittler nach Kärnten schicken, der hat allerhand aufzuklären hat. Wagen Sie eine Prognose, wie so etwas ausgeht und ob dadurch wieder Ruhe einkehren kann?

Prömpers: Erstens denke ich, wird der Vatikan sehr bald einen neuen Bischof für Gurk-Klagenfurt ernennen, um damit ein Stück zur Befriedung beizutragen. Und ich wage die Prognose, dass Alois Schwarz als Bischof auch in Sankt Pölten nicht haltbar sein wird. Er wird also seinen Stuhl räumen müssen, sodass man eine weitere Sedisvakanz hat. Das heißt, man muss noch einmal einen neuen Bischof nach Sankt Pölten schicken. Denn das, was er seit 17 Jahren da verbrochen hat in Kärnten, ist sicherlich so schwerwiegend nach allem, was man bisher weiß. Durch das, was man aus dem Prüfbericht im Internet nachlesen kann, wird seine Position auch als Bischof in Pölten nicht haltbar sein.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

(KNA)

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