Aiman Mazyek, Zentralrat der Muslime: Keine Religion hat Vorrang
Symbolbild Weltreligionen: Kreuz, Kippa und Koran
Klaus Prömpers
Klaus Prömpers

23.11.2018

Forum für Weltreligionen auf der Suche nach Frieden "Fortschritt ist bekanntermaßen eine Schnecke"

Vertreter der großen Religionsgemeinschaften haben in Wien über ein friedliches interreligiöses Zusammenleben gesprochen. Journalist Klaus Prömpers war für DOMRADIO.DE dabei und erklärt im Gespäch, was eine solche Konferenz bewirken kann.

DOMRADIO.DE: Worum ist es denn den Religionsvertretern in Wien gegangen? Was wurde besprochen?

Klaus Prömpers (Journalist, ehemaliges ZdK-Mitglied): Alle Teilnehmer haben versucht, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Was schon schwer genug ist. Sie haben etwa versucht, herauszufinden, ob es möglich ist, einen Gott zu sehen. Aber selbst das ist in der Praxis äußerst schwierig. Weil keineswegs alle diese Religionen, die da versammelt sind, nur monotheistisch sind, geschweige denn, dass sie unter dem einen Gott alle das Gleiche verstehen würden.

DOMRADIO.DE: Sind die Teilnehmer denn diejenigen, die etwas bewirken können?

Prömpers: Die Vertreter, die sich hier getroffen haben, waren nicht die Spitzenvertreter der Religionen. Das waren ausgewählte Vertreter aus den verschiedensten Bereichen des Islam, des Buddhismus, des Hinduismus, der katholischen der evangelischen Kirche, des Judentums, die alle sehr fachlich versiert sind - teilweise Würdenträger wie Bischöfe und Imame. Die Spitzenvertreter tun sich bis heute teilweise schwer, sich miteinander ins Gespräch zu begeben. Man muss aber auch bedenken, dass es in manchen Religionen nicht den Spitzenvertreter gibt, den wir zum Beispiel als Papst aus der katholischen Kirche kennen. Schon bei den evangelischen Christen gibt es so etwas nicht. Das macht es alles schwerer.

DOMRADIO.DE: Es ging auch darum, Lehren aus vergangenen Konflikten wie zum Beispiel dem Jugoslawienkrieg zu ziehen. Jetzt bemerken wir aber aktuell einen ganz klaren Anstieg kriegerischer Rhetorik. Friedens-Projekte wie die EU stehen teilweise auf wackligen Beinen. Wird man bei solchen Aussichten nicht pessimistisch und kommt zu dem Schluss: Wir Menschen lernen einfach nicht aus Kriegen?

Prömpers: Man kann generell pessimistisch werden und sagen: Wir Menschen lernen generell nicht aus der Geschichte. Der Bosnienkrieg ist gerade mal 23 Jahre her. Noch immer sind die Folgen in der Region zu spüren. Die Verletzungen und die Traumata sitzen sehr tief. Das macht es beispielsweise zwischen bosnischen Muslimen, kroatischen Katholiken und Serbisch-Orthodoxen noch immer sehr schwer, ins Gespräch zu kommen. Um den interreligiösen Dialog auf dem Balkan zu fördern, hat einer der Teilnehmer, der serbisch-orthodoxe Bischof von Österreich, Andrej Cilerdzic gesagt, es bräuchte finanzielle Mittel.

Woanders klappt es aber auch recht gut: Ein Vertreter von der evangelischen Kirche in Mazedonien berichtete über das Vorhaben, einen interreligiösen Religionsunterricht zu etablieren. Alle Religionsvertreter in Mazedonien haben sich nach Jahren auf ein Curriculum geeinigt. Das Ministerium war zunächst sehr ablehnend. Aber immerhin heißt es jetzt: Vielleicht wird es nächstes Jahr eingeführt. Das sind so kleine Zeichen, auf die man hoffen kann.

DOMRADIO.DE: Veranstalter der Konferenz ist die Organisation "Religions for peace", die Friedensarbeit und den interreligiösen Dialog zwischen den großen Religionen befördern soll. Es sollen aber auch Menschen angesprochen werden, die nicht gläubig sind oder keiner Religion angehören. Wie machen Sie das?

Prömpers: Das liegt im Grunde in der Natur dieser Konferenz begründet, die 1961 in Kyoto und damit im asiatischen Raum gegründet worden ist. Im asiatischen Raum finden wir sehr viel mehr Menschen, die nicht in unserem Sinne einer Religionsgemeinschaft angehören, sondern die Konfuzius anhängen oder anderen Philosophen aus der jeweiligen Region. Dort fällt es tatsächlich leichter, solche Menschen anzusprechen als hier in Europa oder in Nordamerika.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn Erfolge?

Prömpers: Das, was bisher passiert ist, ist nicht wahnsinnig viel, aber immerhin: Es gibt auf allen Erdteilen mittlerweile Bemühungen. Es gibt natürlich auch viele religiöse Führer, die einer solchen Organisation Steine in den Weg legen.

Ein Problem der katholischen Sicht, wie ich finde, ist natürlich der Alleinvertretungsanspruch, den die katholische Kirche zumindest bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil sehr massiv vertreten hat. Mittlerweile ist das etwas differenzierter. Aber das, was da beispielsweise in der Kirche gebetet wird, ist ja durchaus im Credo die "Allein-selig-machende" Katholische Kirche und das ist natürlich nicht gerade auf Dialog orientiert.

DOMRADIO.DE: Jetzt wurde zwei Tage lang gesprochen und diskutiert. Jetzt müssen konkrete Schritte folgen. Wie können die denn aussehen?

Prömpers: Zum Beispiel, dass man es Mazedonien nachmacht und gemeinsame Religionsunterrichts-Bücher, die alle Religionen, die auf dem Balkan vertreten sind, darstellen. So wachsen die Kinder nicht nur mit häuslichen Vorurteilen auf, die von den Geistlichen dann auch immer wieder unterstützt werden.

Oder indem man die soziale Frage stärker in den Mittelpunkt stellt. Denn Arme lassen sich sehr viel schneller von abartigen Formen der Religion aktivieren als halbwegs vernünftig lebende Menschen. Auch das ist ein wesentlicher Beitrag zum Frieden, wenn man die soziale Frage, die sich weltweit verschärft in den Blick nimmt. Das sind kleine Ideen, die bei der Konferenz geäußert worden sind und von den Vertreten in die Realität umgesetzt werden können. In großem Stile habe ich aber noch keine große Hoffnung. Aber der Fortschritt ist ja bekanntermaßen eine Schnecke. Insofern muss man mit dieser Schnecke einhergehen.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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