Kurzifix und US-Fahne
Kurzifix und US-Fahne
Klaus Prömpers
Klaus Prömpers

16.11.2018

USA-Experte bilanziert Tagung der US-Bischöfe Intrige hinter diesem Stopp?

Warum hat der Vatikan den US-Bischöfen die Abstimmung über ein umfangreiches Maßnahmenpaket zum sexuellen Missbrauch untersagt? Diese Frage schwirrt noch immer durch die Köpfe. USA-Experte Klaus Prömpers hat seine eigene Erklärung.

DOMRADIO.DE: Wie groß ist denn der Unmut unter den US-Bischöfen, dass sich der Vatikan auf diese Weise eingeschaltet hat?

Klaus Prömpers (Ehemaliger ZDF-Korrespondent in New York und USA-Experte): Das dürfte sehr unterschiedlich sein. Es gibt unter den Bischöfen durchaus einige, die fürchten müssten, unter einem strengeren Regime selber ihr Amt zu verlieren. Diese sind sicherlich mit einem Aufatmen nach Hause gefahren.

Aber viele andere waren wirklich erbost. Ihnen wurden die Hände gebunden. Es passiert nicht wirklich etwas und der Druck aus der Bevölkerung ist erheblich. Den spüren sie auch.

DOMRADIO.DE: Die Bischöfe müssen den Menschen irgendwie vermitteln, dass sie jetzt wieder bis Februar abwarten müssen. Sie sagen, der Druck aus der Gesellschaft ist ziemlich groß. Wie genau äußert der sich?

Prömpers: Der äußerte sich beispielsweise darin, dass vor den Toren der Bischofskonferenz in Baltimore Menschen zwei Tage lang mit dem Slogan "Das Schweigen brechen" demonstriert haben.

DOMRADIO.DE: Das Schweigen brechen, was wissen Sie darüber?

Prömpers: Die Bischöfe haben das sehr unterschiedlich gehandhabt. Selbst der Vorsitzende der Bischofskonferenz steht im Verdacht, dass er einen konkreten Fall vertuscht hat.

Und er ist damit leider nicht alleine in dieser Bischofskonferenz. Es gibt viele Bischöfe, denen vorgeworfen wird geschwiegen zu haben. Würden hier beispielsweise die Maßstäbe wie in Chile angelegt, wo ja im Grunde fast die gesamte Bischofskonferenz zurücktreten musste, würde es auch für einige der US-Bischöfe ähnlich aussehen.

DOMRADIO.DE: Auf der Bischofskonferenz in Baltimore gab es eine wegweisende Abstimmung. Nämlich darüber, inwieweit der Ex-Kardinal von Washington, Bischof Theodore Edgar McCarrick, seine Akten offenlegen muss. Wie ist die Abstimmung ausgegangen?

Prömpers: Mit einer großen Mehrheit haben die Bischöfe das abgelehnt. Das heißt im Grunde: Es gibt in der Bischofskonferenz schon eine breite Ablehnungsfront, die nicht die volle Transparenz will. Die ist aber meines Erachtens erforderlich.

DOMRADIO.DE: Warum sollen sie öffentlich gemacht werden?

Prömpers: Bischof Theodore Edgar McCarrick hat ja über vier Diözesen hinweg geleitet. Und rein theoretisch hätte er, weil er noch immer nicht gänzlich aus allen Ämtern geschmissen worden ist, an dieser Bischofskonferenz sogar teilnehmen können.

DOMRADIO.DE: Das heißt, sein Einfluss war groß. Was ist denn jetzt zu erwarten?

Prömpers: Da er lange Jahre Erzbischof und Kardinal war, kann man davon ausgehen, dass er sicherlich viele Verbündete unter den Mit-Bischöfen hat. Es gibt hier also die Vermutung, dass sie ihm die Treue halten und weiter im Grunde vertuschen wollen.

DOMRADIO.DE: Wollen sie auch vertuschen, weil sie tatsächlich selbst Angst haben, dass da ähnliches auf sie zukommen könnte und dann ihre Akten im Vatikan auch offengelegt werden müssten?

Prömpers: Das ist sicherlich so zu sehen. Denn es gibt viele Fälle von Priestern, die durch sexuellen Missbrauch aktenkundig geworden waren. Die Bischöfe haben die Priester dann - mit manchem Psychologen abgesprochen - von A nach B versetzt. B haben sie aber nicht gesagt, was für ein Früchtchen ihnen da hingesetzt wurde.

Das heißt, da ist mancher Bischof, der "die eine oder andere Leiche im Keller hat" und verhindern will, dass das an die Öffentlichkeit kommt.

DOMRADIO.DE: Wir sprechen da ja jetzt schon drüber. Das wird doch sehr schwierig, die "Leichen im Keller" weiter zu verheimlichen, oder?

Prömpers: Der Druck allerdings wird sehr groß werden. Wenn wir beispielsweise nach Italien gucken. Dort haben die Italiener gerade ein neues Zentrum zur Bekämpfung von sexuellem Missbrauch gegründet. Und die Amerikaner tun dies nicht. Das wird die nächsten Monate sicherlich zu erheblichen Diskussionen führen.

Aber weiterhin wird es neue Anklagen geben, gerade jetzt am Rande dieser Bischofskonferenz gab es sechs neue Klagen von einem Rechtsanwalt, die angekündigt worden sind. Drei der Kläger waren in Baltimore und haben dort auch vor der Presse ihre Fälle geschildert. Und da werden sicherlich noch mehr Fälle offenkundig werden, die die Kirche weiter in Bedrängnis bringen.

DOMRADIO.DE: Sie sagen es: Die Kirche steht unter einem riesigen Druck, ist in Bedrängnis und ein Ende ist nicht in Sicht, oder?

Prömpers: Nein, man hätte die Null-Toleranz gegenüber sexuellem Missbrauch auf Bischöfe ausdehnen müssen. Merkwürdigerweise ist das nach dem Öffentlichwerden der ersten Missbrauchsfälle nicht geschehen. Diese Nulltoleranz bezieht sich bisher als Forderung auf die Priester, aber nicht auf die Bischöfe. Eigentlich ein Hintertreppenwitz. Das hätte beschlossen werden sollen.

DOMRADIO.DE: Wie hätte das aussehen sollen?

Prömpers: Es hätte beschlossen werden sollen, dass in einem mehrheitlich mit Laien besetzten Gremium Fälle aufgegriffen hätten werden können. Von dort aus hätte das dann an den Vatikan weiter gesandt werden können, um eventuell Menschen aus ihrem Priesteramt zu entfernen. Das alles findet jetzt erst mal nicht statt.

DOMRADIO.DE: Warum?

Prömpers: Die Intention dahinter ist nicht ganz blöd. Man will es insgesamt kircheneinheitlich weltweit regeln. Im Februar kommen die Vertreter aller Bischofskonferenz zusammen. Mich stört daran allerdings ein bisschen: Man hört vom Papst eigentlich sonst sehr häufig, die regionalen Bischofskonferenzen sollten in eigener Autonomie entscheiden. Insofern ist mir noch nicht ganz klar, ob da nicht auch möglicherweise in Rom wieder eine Intrige hinter diesem Stopp für die amerikanischen Bischöfe gesteckt hat – auf Vorschlag vielleicht einiger aus den USA.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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