Italienische Bischöfe
Italienische Bischöfe

13.11.2018

Italiens Bischöfe zu Kirchenkrise, Vaterunser und Lage im Land Für eine "freie, purale und solidarische" Gesellschaft

Eine zunehmende Distanz der Jugend zur Kirche, der Umgang mit Missbrauch sowie eine Neuübersetzung des Messbuchs sind Themen bei der Vollversammlung der italienischen Bischöfe. Das außerordentliche Treffen dauert noch bis Donnerstag.

"Für viele Jugendliche heute ist die Kirche kein signifikanter Gesprächspartner mehr", sagte der Bischofskonferenzvorsitzende Kardinal Gualtiero Bassetti am Montag zur Eröffnung im Vatikan. Als Gründe nannte er "Mittelmäßigkeit sowie Spaltungen, die zum Teil künstlich verschärft werden". Auch sexuelle und wirtschaftliche Skandale sowie ein Autoritätsgehabe, das mitunter zu Missbrauch geworden sei, trügen dazu bei. Über den Umgang damit werde man in den kommenden Tagen sprechen, kündigte Bassetti an.

Er äußerte sich auch kritisch zu aktuellen Entwicklungen in Italien. Die wirtschaftliche Krise treibe viele Menschen in Unsicherheit und prekäre Lebenslagen. Anstelle von Vermittlung machten sich Polarisierungen breit; es gebe "Anzeichen einer zunehmend verwilderten und arroganten Sprache".

"Abschottung als vermeintlicher Ausweg"

Zudem würden inmitten von Spaltungen und kollektiven Ängsten Migranten zu Sündenböcken gemacht und Abschottung als vermeintlicher Ausweg gepriesen, kritisierte der Bischofskonferenzvorsitzende. Stattdessen wolle die Kirche ihren Teil beitragen "zum Wachsen einer freieren, pluralen und solidarischen Gesellschaft", die auch der Staat fördern und schützen müsse. Vorrangiges Ziel sei das Gemeinwohl aller Menschen.

"Versuchung": Diskussion über neue Formulierung 

Vor allem will sich die bis Donnerstag dauernde außerordentliche Vollversammlung mit der italienischen Neuübersetzung des lateinischen Messbuchs befassen. Dabei geht es auch um das Vaterunser und die Bitte: "und führe uns nicht in Versuchung»". Im Januar hatte der bisherige Bischofskonferenz-Generalsekretär Nunzio Galantino mitgeteilt, die Vaterunser-Bitte solle künftig lauten: "Und verlass uns nicht angesichts der Versuchung".

Auf die neue Formulierung ging Bassetti in seiner Ansprache am Montag nicht näher ein. Er forderte aber, diese Entscheidung mit "theologischer und seelsorglicher Weisheit" zu treffen. Das Vaterunser werde nicht nur in der Messe gesprochen, sondern sei das tägliche Gebet der Christen.

(KNA)

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