Vater und Tochter an der mexikanischen Grenze
Vater und Tochter an der mexikanischen Grenze
Weihbischof Alfonso Guardiola, Generalsekretär der mexikanischen Bischofskonferenz
Weihbischof Alfonso Guardiola, Generalsekretär der mexikanischen Bischofskonferenz

09.11.2018

Mexikanische Bischofskonferenz äußert sich zu Migranten-Trecks "Diese Menschen kommen ja nicht aus Spaß"

Mexikos katholische Kirche zeigt sich solidarisch mit Migranten aus Mittelamerika. Weihbischof Alfonso Miranda, Generalsekretär der Mexikanischen Bischofskonferenz, fordert seine Landsleute zur Hilfeleistung auf - und den Rest der Welt zum Umdenken.

KNA: Weihbischof Miranda, wie schätzen Sie die Lage der sogenannten Migrantenkarawane in Richtung USA ein?

Alfonso Miranda (Generalsekretär der Mexikanischen Bischofskonferenz): Das ist nicht immer so leicht zu beantworten. Die Teilnehmer der Karawane entscheiden von Tag zu Tag, wie es weitergeht. Sie entscheiden relativ kurzfristig, welche Route sie einschlagen, wo das nächste Etappenziel ist. Deswegen ist es nicht so einfach, darauf zu reagieren.

KNA: Wie hilft die Kirche in Mexiko den Migranten?

Miranda: Diese Menschen kommen ja nicht aus Spaß, sondern weil sie in einer Notlage stecken. Man verlässt seine Heimat, sein Zuhause, seine Kultur und seine Familie nicht, wenn man nicht in Not ist. Wir müssen unsere Herzen und Augen öffnen und unsere Hände zur Hilfe reichen. Das ist eine Aufgabe für alle Katholiken in Mexiko. Konkret heißt das, die jeweiligen Pfarreien versuchen, mit Lebensmitteln und Zuspruch zu helfen. Und wir verfügen entlang der bekannten Flüchtlingsrouten über Migrantenherbergen. Die bieten wir natürlich an.

KNA: Man kann vor Ort sehen, dass viele Mexikaner spontan helfen. Sie organisieren etwa Verpflegungsstellen. Die Migranten danken es mit emotionalen Gesten. Aber es gibt auch Mexikaner, die mit verschränkten Armen am Wegesrand stehen und die Ankömmlinge alles andere als willkommen heißen. Gibt es ausländerfeindliche Übergriffe?

Miranda: Zunächst einmal muss ich all jenen danken, die aktiv helfen. Aber es gibt auch Menschen, die die Karawanen mit Sorge beobachten. Sie haben Angst um ihre Arbeitsplätze und fürchten sich vor mehr Kriminalität. Diese Ängste müssen wir ernst nehmen. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass es ohnehin schon viele hilfsbedürftige Mexikaner gibt. Gerade erst hatten wir einen ziemlich starken Wirbelsturm, der im Norden für schlimme Verwüstungen gesorgt hat. Obendrein sind längst nicht alle Schäden der letzten Erdbeben beseitigt.

KNA: US-Präsident Donald Trump spricht von Terroristen aus dem Nahen Osten, die sich vielleicht unter die Migranten gemischt haben könnten.

Miranda: Ich glaube nicht, dass es Kriminelle aus anderen Ländern in dieser Karawane gibt. Ich glaube, dass es in diesem Treck Leute mit verschiedenen Absichten gibt. Es wird sehr viele anständige Menschen mit guten Absichten geben. Aber wir wissen nicht, wer die Gruppe anführt und welche Interessen damit verfolgt werden.

KNA: Mexiko ist einen Schritt auf die Migranten zugegangen und hat ihnen befristete Arbeitsvisa angeboten.

Miranda: Der amtierende Präsident Enrique Pena Nieto hat ihnen innerhalb des Programms "Esta es tu Casa" (Das ist dein Zuhause) humanitäre Visa und Arbeitserlaubnisse angeboten. Allerdings nur in Chiapas und Oaxaca. Auch der künftige Präsident hat entsprechende Signale gesandt. Aber Mexiko kann dieses Problem nicht allein lösen. Es muss eine internationale Lösung geben.

KNA: Wie kann man die Fluchtursachen bekämpfen?

Miranda: Das ist eine Frage, auf die man keine kurze Arbeit geben kann. Migration ist ja kein lokales Phänomen. Es gibt diese Bewegungen ebenso aus Afrika oder Asien. Hier in der Region gibt es Flüchtlingsströme aus Venezuela und Nicaragua. Man muss für Fortschritt in den Herkunftsländern der Migranten sorgen, für eine gerechtere Verteilung in der Weltwirtschaft. Das kann kein Land allein schaffen. Alle Länder müssen zusammenarbeiten, sonst können wir die Ursachen nicht bekämpfen.

Von Tobias Käufer

(KNA)

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