Äthiopierin betet in Grabeskirche
Äthiopierin betet in Grabeskirche
"Heiliges Feuer" in der Grabeskirche
"Heiliges Feuer" in der Grabeskirche
Besucher beten in der geöffneten Grabeskirche
Besucher beten in der geöffneten Grabeskirche

25.10.2018

Kopten, Äthiopier und Israel streiten um Kapellenrestaurierung Ein Stein des Anstoßes

Ein Stein aus dem Deckengewölbe einer Kapelle der Grabeskirche lässt einen lange schwelenden Streit zwischen koptischen und äthiopischen Christen aufbrechen. Und Israel gibt die Ordnungsmacht.

Israel will eine Jerusalemer Kapelle auf Staatskosten restaurieren. Koptisch-orthodoxe Christen protestierten vehement gegen die Pläne - so erhitzt, dass es zwischen Mönchen, Priestern und Sicherheitskräften zu Zusammenstößen diplomatischen Ausmaßes kommt.

Hintergrund ist ein lange schwelender Streit um die Rechte an der Kapelle im Gebäudekomplex der Grabeskirche, in dem auch Israel politische Interessen nachgesagt werden.

Streit zwischen äthiopischen und koptisch-orthodoxen Christen

Ein Stein gab den Anstoß: Vor einem Jahr stürzte er aus dem Deckengewölbe der Michaelskapelle im Deir al-Sultan - und löste damit eine neue Runde im Konflikt um das Kloster aus. Seit knapp einem halben Jahrhundert streiten sich äthiopische und koptisch-orthodoxe Christen um die Besitz- und Eigentumsrechte an dem mehrstöckigen Bau, der sich über einen Seitenflügel der Grabeskirche bis auf deren Dach erstreckt.

Mitakteure in dem Streit zwischen den Konfessionen: Der Staat Israel, das oberste Gericht des Landes und die Stadt Jerusalem.

Alles, was mit der Grabeskirche zu tun hat, ist hochsensible Materie: Sechs Konfessionen teilen sich die Rechte an dem heiligsten Ort der Christenheit, nach überlieferten Regeln, wie sie der sogenannte Status Quo aus dem Jahr 1852 festgehalten hat. Die Michaelskapelle gehörte demnach der koptisch-orthodoxen Kirche, sagt der auf Seiten der Franziskaner für den Status Quo verantwortliche Pater Athanasius Macora.

Bis Ostern 1970, als der Krimi begann, wie der Anwalt des koptisch-orthodoxen Patriarchats in Jerusalem, Mazen Kopti, berichtet: Während die Mönche in der Grabeskirche feierten, tauschte die israelische Polizei die Schlösser der kleinen Holztür aus, die vom Vorplatz der Kirche in die Kapelle führt. Die Schlüssel händigte sie der äthiopischen Kirche aus.

Rechtliche Hintertür

Militärische Interessen Israels in Äthiopien und Druck der äthiopischen Regierung sollen der Hintergrund gewesen sein, wie der damalige koptische Erzbischof Anba Abraham formulierte: "1969 wurde ein Deal zwischen Äthiopien und Israel unterzeichnet, laut dem Israel Deir al-Sultan den Äthiopiern übergibt im Austausch für Militärbasen in Äthiopien und freiem Zugang zum äthiopischen Luftraum für El-Al-Flüge ebenso wie der Rückholung einer Zahl äthiopischer Juden nach Israel - ein sehr attraktiver Deal."

Die Kopten scheiterten laut Kopti beim Versuch, die Kapelle wieder in Besitz zu nehmen - und wandten sich an Israels Oberstes Gericht. Da es sich um eine heilige Stätte handele, erklärte das Gericht laut dem Anwalt in seinem Urteil, könne über den Eigentümer nicht gerichtlich entschieden werden. Die Besitzrechte unterdessen lägen bei der koptischen Kirche.

Gleichzeitig ließen die Richter dem Staat eine Hintertür offen: Die Einrichtung eines Ministerialausschusses binnen 21 Tagen könne das Urteil einfrieren. Der Ausschuss wurde fristgerecht eingerichtet. Getagt hat er laut Mazen Kopti in den 47 Jahren seiner Existenz nie.

Die Kopten scheiterten in den Folgejahren wiederholt bei dem Versuch, gerichtlich ihre Rechte einzufordern. Die religiöse Angelegenheit sei zu einer politischen geworden.

Dann fiel im September vor einem Jahr der Stein. Die Stadtverwaltung erklärte die Kapelle für zu gefährlich und ordnete ihre Schließung an. Gleichzeitig, so Mazen Kopti, habe sie die koptische Kirche angewiesen, die Kapelle zu restaurieren. Eine vergleichbare Aufforderung, sagt der Anwalt, sollen auch die Äthiopier erhalten haben.

Kopten warten auf Entscheid

Die Regierung schließlich beschied, dass sie anstelle der beiden Kirchen die Arbeiten durchführen werde, die Angelegenheit sei "zu sensibel". Die Kopten zeigten sich laut ihrem Anwalt zu diesem Vorgehen bereit, "unter vier Bedingungen: Die Pläne werden der Kirche zur Zustimmung vorgelegt, ein von der Kirche bestimmter Ingenieur überwacht die Arbeiten, die zudem im Beisein eines koptischen Mönches geschehen und die koptische Kirche übernimmt alle Kosten".

Bedingungen, die Israel laut Mazen Kopti ablehnte. Stattdessen schickte es Arbeiter der Antikenbehörde und forderte damit den Protest der Kopten heraus. Das Resultat: Ein massiver Polizeieinsatz gegen die Mönche, eine Festnahme, Interventionen des ägyptischen Außenministeriums und der Botschaft sowie zahlreiche Stimmen gegen die exzessive Gewalt der Einsatzkräfte.

Gegenwärtig warten die Kopten auf einen Entscheid des zuständigen Jerusalemer Gerichts. Dort haben sie laut ihrem Anwalt am Donnerstag einen sofortigen Stopp der Arbeiten an der umstrittenen Kapelle gefordert. Eine Beschwerde gegen die Polizeigewalt liegt bereits seit gestern beim zuständigen Justizministerium.

Andrea Krogmann
(KNA)

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