Wie sieht die "religiöse Landkarte" Europas aus?
Gemeinsame Verantwortung für die Welt
Ulrich Delius
Ulrich Delius

06.10.2018

Gesellschaft für bedrohte Völker feiert 50-jähriges Bestehen Viele Konflikte drehen sich im Kreis

Ob Christen im Nahen Osten, Bewohner der Westsahara oder Menschen im Südsudan - die Gesellschaft für bedrohte Völker setzt sich seit 50 Jahren für bedrängte Minderheiten ein.

In Brasilien werden Indigene aus ihren Gebieten vertrieben, im Jemen tobt ein erbitterter Bürgerkrieg, und in Bosnien trauern immer noch zahlreiche Mütter um ihre in Srebrenica ermordeten Männer. In einer ruhigen Seitenstraße in der Göttinger Innenstadt ist von all dem nicht viel zu spüren - dennoch sind dort die weltweiten Konflikte so präsent wie an kaum einem anderen Ort in Deutschland.

Ein unscheinbarer, zweistöckiger Bau beherbergt die Zentrale einer der bundesweit größten Menschenrechtsorganisationen, der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Die Wände des ehemaligen Nebengebäudes der Universität sind mit bunten Plakaten gepflastert. Die GfbV wurde im Juni 50 Jahre alt; gefeiert wird das Ereignis an diesem Samstag.

Seit 1968 setzt sich die Organisation für die Rechte religiöser und ethnischer Minderheiten ein. An der Wiege stand die Hamburger "Aktion Biafra-Hilfe", die während des Biafra-Krieges von Tilman Zülch und Klaus Guercke gegründet wurde, um gegen den dortigen Völkermord an den Biafranern zu protestieren. Sie wollten nicht tatenlos hinnehmen, dass Nigerias Armee Waffenlieferungen aus aller Welt erhielt. Biafra hatte zuvor die Unabhängigkeit der an Erdöl reichen Region von Nigeria gefordert.

Kampagnen "wo Betroffene unsere Hilfe brauchen"

Die GfbV sucht das Gespräch mit Politikern und Konfliktparteien, organisiert Kampagnen und Aktionen. So werden Repräsentanten indigener Völker nach Deutschland eingeladen, um für sich zu sprechen. 25 hauptamtliche Mitarbeiter und mehrere Praktikanten agieren hauptsächlich von Deutschland aus; hinzu kommen rund 6.000 ehrenamtliche Mitglieder. Um in den betroffenen Gebieten den Überblick zu behalten, arbeiten die Menschenrechtler vor Ort mit Organisationen zusammen, vielfach auch mit kirchlichen Hilfswerken.

Auch politische Arbeit im Inland gehört dazu: So ging es etwa 1988 um eine Beteiligung deutscher Firmen am Aufbau der Giftgasindustrie Saddam Husseins im Irak. Die GfbV wirkte Anfang der 1980er Jahre auch darauf hin, dass die Bundesregierung den Holocaust an den Sinti und Roma anerkannte.

Der Begriff der "bedrohten Völker", der von linken Gruppen gelegentlich als rechtsnational kritisiert wird, spielt laut GfbV-Direktor Ulrich Delius für die tägliche Arbeit nur eine untergeordnete Rolle: "Wir gucken vor allem nach der menschenrechtlichen Notwendigkeit, wo Betroffene unsere Hilfe brauchen." Ob Christen im Nahen Osten oder Bewohner der Westsahara: Das Spektrum der Gruppen, für die sich die Menschenrechtler einsetzen, ist breit.

Fortschritte im Kampf für die Menschenrechte?

Eines der jüngsten Konfliktfelder liegt im Jemen. Die GfbV macht nicht nur auf das Schicksal dieser Minderheit, sondern auch auf die Ursache des Problems aufmerksam - den seit Jahren andauernden Machtkampf der schiitische Huthi-Rebellen mit der sunnitisch geprägten Zentralregierung. "Unser Engagement reicht hinein bis in die deutsche Innenpolitik, die regelmäßig Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien ermöglicht und so letztlich den Konflikt befeuert", so Delius.

Sieht er in den vergangenen 50 Jahren Fortschritte im Kampf für die Menschenrechte? "Das ist schwer zu sagen", sagt Delius. "Positiv ist, dass es immer mehr Aktive gibt, die sich für Menschenrechte einsetzen." Darüber hinaus seien viele Volksgruppen mittlerweile sehr gut organisiert. "Auch Indianer kommen heute mit Laptop und Power-Point-Präsentation zu Konferenzen."

Negativ sei dagegen, dass sich viele Konflikte seit Jahrzehnten im Kreis drehten. Nach blutigen Auseinandersetzungen, denen die Bevölkerung wie im Südsudan über mehrere Generationen ausgesetzt sei, seien die Menschen traumatisiert und vertrauten sich nicht mehr. "Wir brauchen mehr Ansätze, um solch verfahrene Situationen aufzuarbeiten."

Von Michael Althaus

(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Messenger-Gemeinde

Tageskalender

Radioprogramm

 20.09.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Der neue Herr des Kölner Domes – Domprobst Assmann im Porträt
  • Naturerbebäume – An Kirchen finden sich viele hunderte Jahre alte Bäume
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Maria 2.0 – Kundgebung vor dem Kölner Dom
  • Kunst in Kolumba – Tanz im Diözesankunstmuseum
10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Maria 2.0 – Kundgebung vor dem Kölner Dom
  • Kunst in Kolumba – Tanz im Diözesankunstmuseum
12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Das Heilige Jahr in Santiago de Compostela

Pilgerreise auf dem Jakobsweg mit „ne Bergische Jung“ Willibert Pauels! Jetzt anmelden für Juli 2021!

Sommeraktion: Meine Heimatkirche

Die Sommeraktion von DOMRADIO.DE: Wir suchen Ihre Heimatkirche. Laden Sie ein Bild hoch und erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…