Gottesdienst in Nigeria
Gottesdienst in Nigeria

04.10.2018

Missbrauch ist in Nigeria ein absolutes Tabuthema Kirche hilft Betroffenen - ist aber auch Tatort

In Nigeria dringen nur selten Fälle von Kindesmissbrauch an die Öffentlichkeit. Dabei ist laut UN-Angaben jedes vierte Mädchen und jeder zehnte Junge betroffen. Und die Dunkelziffer dürfte weit höher sein, auch in Kirchen.

Mary Osato hat erst vor wenigen Tagen eine schreckliche Beobachtung gemacht. Die junge Frau arbeitet für das Netzwerk für Migration und Entwicklung und lebt in Nigerias Hauptstadt Abuja. "Als mir die Frisörin die Haare gemacht hat, ist ihre kleine Tochter zu den Nachbarn gegangen. Dort lebt ein Junge, der vielleicht elf Jahre alt ist", erzählt sie.

Nach einiger Zeit wunderten sich die Erwachsenen, wie ruhig es im Nachbarhaus ist. "Das ist doch ungewöhnlich. Wenn Kinder spielen, ist es laut." Dann machten sie die grausige Entdeckung. "Der Junge hatte die Kleine schon ausgezogen und verging sich an ihr." Für Mary Osato ist das kein Einzelfall: "Teenager fühlen sich in der Gegenwart von Männern und Jungs nicht mehr sicher. Vor allem Jungs fehlt es an Aufklärung."

Ordensschwester Chinyere Obinna bietet Hilfe an

Dass Missbrauchsfälle zunehmen, beobachtet auch Chinyere Obinna. Die Ordensschwester ist Juristin und arbeitet für das 1999 gegründete "Zentrum für Frauenstudien und Intervention" (CWSI). Die Einrichtung organisiert Kampagnen gegen Genitalverstümmelung und bietet Missbrauchsopfern Gespräche und Hilfe bei Prozessen an. Über aktuelle Daten verfügt Chinyere Obinna allerdings nicht.

"Eltern kümmern sich aber immer weniger um ihre Kinder. Sie lassen sie alleine. Außerdem interessiert sich kaum jemand für Kinderrechte", erlebt sie in ihrer Arbeit. 2015 berichtete das Kinderhilfswerk Unicef, dass jedes vierte Mädchen und jeder zehnte Junge in Nigeria vor dem 18. Lebensjahr missbraucht worden ist. Auf eine Frage schweigt Chinyere Obinna aber zunächst für einen Moment. Bisher sei noch niemand zu ihr gekommen, der von einem Priester missbraucht wurde. "Einen solchen Fall hatte ich noch nicht, weshalb ich gar nicht darüber sprechen kann."

Tabu Missbrauch im Gotteshaus

Kirchen gelten in Nigeria, einem der religiösesten Staaten weltweit, als wichtiger Identifikationsfaktor. Etwa die Hälfte der gut 190 Millionen Einwohner sind Christen. Für viele ist es eine Selbstverständlichkeit, gleich mehrmals wöchentlich in den Gottesdienst oder zur Bibelstunde zu gehen. Das Vertrauen in den Priester oder Prediger ist größer als in den Staat, weshalb Kritik an religiösen Organisationen so gut wie nie geübt wird. Umso größer ist das Tabu Missbrauch im Gotteshaus.

Auch Kardinal John Onaiyekan (74), Erzbischof von Abuja, spricht nicht gerne darüber, weder über die Situation in Nigeria, noch innerhalb der katholischen Kirche weltweit. "Ich frage mich, warum die katholische Kirche so sehr ins Visier gerät. Machen sie das auch mit anderen Einrichtungen? Alle erwarten von uns, dass wir Engel sind. Aber sie irren. Wir sind keine Engel, wir sind Menschen."

Missbrauchsvorwürfen gegen Erzbischof Theodore McCarrick

Zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den früheren US-amerikanischen Erzbischof Theodore McCarrick äußert er sich ebenfalls zurückhaltend. Papst Franziskus hatte den 88-Jährigen Ende Juli wegen des Verdachts sexueller Vergehen an Minderjährigen entlassen. "Jemand, der 88 Jahre alt ist, hat seine Fehler vor 40 Jahren gemacht", so Kardinal Onaiyekan. "Mein Verständnis von Humanität ist: Lasst den armen Mann in Frieden sterben."

Wie in Nigeria mit Priestern und Pastoren umgegangen wird, entscheiden die einzelnen Glaubensgemeinschaften. "Einige Kirchen haben Rehabilitationszentren", erklärt Bayo Oladeji, Sprecher des Präsidenten der Christlichen Vereinigung Nigerias (CAN), Samson Ayokunle. Was dort möglicherweise passiert, sagt er nicht. CAN ist der Dachverband der christlichen Kirchen und ein politisches Gegengewicht zu muslimischen Organisationen.

In Oladejis eigener Kirche - er ist Baptist - würde mit Pastoren, die sich an Kindern vergangen haben, zuerst gesprochen werden. Danach komme es zum Ausschluss, berichtet er. Ob die Fälle auch bei der Polizei angezeigt werden würden, darüber spricht der Pastor erst auf Nachfrage: "Ja, das ist auch möglich." Seine Einschätzung lautet jedoch: "Wenn sich die Polizei oder die Regierung darum kümmern würden, würde doch sowieso nichts passieren. Das Wohlergehen der Menschen ist nicht deren Hauptsorge. Deshalb kümmern sich die Kirchen selbst."

Katrin Gänsler
(KNA)

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