Kirchen in Südafrika wollen stärker gegen Missbrauch vorgehen

"Problem ist höchste Bedeutung beizumessen"

Ein polizeiliches Führungszeugnis für künftige Priester, psychologische Begutachtung, Anti-Missbrauch-Training für Bischöfe – damit wollen die katholische und die anglikanische Kirche in Südafrika sexuellen Missbrauch vorbeugen.

 (DR)

Die katholische und anglikanische Kirche in Südafrika haben Schritte angekündigt, um sexuellem Missbrauch vorzubeugen. Die Reformen innerhalb der Kirchen seien eine direkte Reaktion auf die jüngsten Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche, berichten örtliche Medien am Donnerstag unter Berufung auf Kirchenvertreter.

Laut dem anglikanischen Erzbischof Thabo Makgoba werde seine Kirche vor Priesterweihen ab sofort auf ein polizeiliches Führungszeugnis der jeweiligen Kandidaten bestehen, um etwaige Vorstrafen auszuschließen. Dies soll ab 2019 auch für Laien im Dienst der Kirche gelten. "Obwohl sich die Zahl gemeldeter Missbrauchsfälle bisher in Grenzen hält, haben wir beschlossen, dem Problem höchste Bedeutung beizumessen", zitiert die Tageszeitung "Cape Times" Makgoba. Zudem wolle die anglikanische Kirche im Zuge der nächsten Bischofssynode ein Anti-Missbrauch-Training für Bischöfe abhalten und Teams in jeder Diözese entsprechend ausbilden.

Bereits Praxis in der katholischen Kirche

Auch die katholische Kirche wolle künftig verstärkt gegen Missbrauch durch Kirchenpersonal vorgehen, kündigte der Kapstädter Erzbischof und Präsident der Südafrikanischen Bischofskonferenz Stephen Brislin an. Ihm zufolge sind ein sauberes Führungszeugnis und eine psychologische Begutachtung bereits jetzt Voraussetzungen für Priesteramtskandidaten. In Fällen von sexuellem, physischen oder emotionalem Missbrauch durch Kirchenpersonal werde man bereitwillig mit der Polizei zusammenarbeiten, so Brislin. Zudem forderte der Erzbischof einen "Sinneswandel" hinsichtlich der Aufarbeitung von Missbrauch: "Wir müssen das Schweigen brechen. Das gilt nicht nur für die katholische Kirche, sondern für alle Kirchen."


Quelle:
KNA