21.09.2018

Zwei weitere Bischöfe in Chile zurückgetreten Doppelter Amtsverzicht

Papst Franziskus hat die Rücktritte von zwei weiteren Bischöfen in Chile angenommen. Wie der Vatikan bekanntgab, verzichten die Bischöfe Pellegrin Barrera und Contreras Molina auf ihr Amt als Bistumsleiter von Chillan beziehungsweise San Felipe.

Bis zur Ernennung neuer regulärer Bischöfe übernehmen zwei sogenannte Apostolische Administratoren die Amtsgeschäfte. Damit stehen in Chile acht von 27 Diözesen unter einer Übergangsverwaltung. Die katholische Kirche des Landes wurde im Frühjahr von einem Missbrauchsskandal erschüttert. Gründe für die Amtsverzichte gab der Vatikan wie üblich nicht an.

Staatsanwaltliche Ermittlungen wegen sexueller Übergriffe

Pellegrin war seit 2006 Bischof des zentralchilenischen Bistums Chillan. 2011 berichteten Medien über staatsanwaltliche Ermittlungen gegen ihn aufgrund von Anschuldigungen sexuellen Missbrauchs minderjähriger Schüler. Von 2007 bis 2010 leitete Pellegrin die Bildungskommission der Chilenischen Bischofskonferenz. 2007 wurde er zum Präsidenten der Internationalen katholischen Bildungsorganisation OIEC gewählt.

Gegen Bischof Contreras ermittelt die Staatsanwaltschaft chilenischen Medien zufolge wegen angeblicher sexueller Übergriffe auf einen volljährigen Mann. Contreras bestritt laut Medienberichten ein Fehlverhalten. Er stand dem Bistum San Felipe seit 2002 vor.

Ordensmann und Priester vom Neokatechumenat springen ein

Zum Übergangsleiter in Chillan ernannte der Papst den Ordensmann Sergio Hernan Perez de Arce Arriagada (55), Mitglied der Kongregation der Arnsteiner Patres und von 2005 bis 2011 Leiter der chilenischen Provinz seines Ordens. Als Vorsitzender der chilenischen Ordenskonferenz war er nach Kirchenangaben von 2011 bis 2014 in der Missbrauchsprävention tätig; 2018 wurde er Missbrauchsbeauftragter der Arnsteiner Patres in Chile.

Apostolischer Administrator in San Felipe ist Jaime Ortiz de Lazcano Piquer (48). Der gebürtige Spanier ist Priester des Bistums Rom und gehört der Gemeinschaft des Neokatechumenats an. Nach Angaben der Chilenischen Bischofskonferenz ist er seit 16 Jahren in der Hauptstadt Santiago tätig. Seit 2008 hat er leitende Positionen in der Kirchenjustiz des Landes inne.

Chilenischer Erzbischof offenbar zu Krisengespräch beim Papst

Zudem meldete am Freitag der Vatikan, dass der chilenische Erzbischof Fernando Chomali von Papst Franziskus empfangen worden ist. Der 61-jährige Bischof, seit 2011 Leiter des Erzbistums Concepcion, ist laut chilenischen Medien als möglicher Nachfolger von Kardinal Ricardo Ezzati an der Spitze des Hauptstadt-Erzbistums Santiago im Gespräch. Ezzati (76) steht im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal der katholischen Kirche unter Druck.

Chomali reagierte chilenischen Medienberichten zufolge ausweichend auf Fragen nach einer möglichen Ablösung Ezzatis. Er habe mit dem Papst "andere Themen zu besprechen", hatte er laut der Online-Zeitung "El Dinamo" am Mittwoch vor der Begegnung erklärt. Der Termin in Rom sei seit drei Monaten geplant. Personalentscheidungen seien Sache des Papstes, so Chomali. Zugleich deutete er an, es werde bei der Begegnung um den Missbrauchsskandal gehen.

Wie der chilenische Sender Bio Bio am Donnerstag unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft meldete, ermittelt die chilenische Justiz wegen Missbrauchs- oder Vertuschungsvorwürfen derzeit gegen 7 Bischöfe, 96 Priester, 4 Diakone, 30 Ordensleute, 10 Laien und 20 Personen ohne nähere Angaben. Dabei geht es um 119 mutmaßliche Missbrauchsfälle seit 1960; betroffen von den Vorgängen sind laut dem Sender 178 Personen als Opfer.

(KNA)

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