Staffelei mit den Porträts der sieben Mönche von Tibhirine
Staffelei mit den Porträts der sieben Mönche von Tibhirine
Die Trappistenmönche von Tibhirine
Die Trappistenmönche von Tibhirine
Das Kloster von Tibhirine in Algerien
Das Kloster von Tibhirine in Algerien
Bruder Jean-Pierre Schumacher, der letzte überlebende Mönch des Klosters Notre-Dame de l'Atlas in Algerien
Bruder Jean-Pierre Schumacher, der letzte überlebende Mönch des Klosters Notre-Dame de l'Atlas in Algerien

15.09.2018

Seligsprechung der 19 algerischen Märtyrer im Dezember Signal gegen den Terror

Der Film "Von Menschen und von Göttern" machte vor allem die sieben ermordeten Mönche von Tibhirine bekannt. Die bevorstehende Seligsprechung von insgesamt 19 algerischen Märtyrern will aber über ihren Ruhm hinausweisen.

Der Vatikan setzt ein Signal angesichts von islamistischem Terrorismus: Die Trappisten von Tibhirine und zwölf weitere algerische Märtyrer werden am 8. Dezember seliggesprochen.

Bürgerkriegs in Algerien 1996

Die sieben französischen Trappisten des Klosters Notre-Dame de l'Atlas im Norden Algeriens wurden im März 1996 während des Bürgerkriegs entführt. Zu der Tat bekannte sich die terroristische Splittergruppe Groupe Islamique Arme, die die Freilassung eines ihrer Anführer verlangte. Gut zwei Monate später, Ende Mai, wurden die abgetrennten Köpfe der Mönche gefunden; die Körper blieben bis heute verschwunden.

Der letzte überlebende Mönch von Tibhirine, der 94-jährige Bruder Jean-Pierre Schumacher, lebt heute in der kleinen Gemeinschaft des Trappistenklosters "Notre-Dame am Atlas" im nordmarokkanischen Midelt. Damals arbeitete er im Gästetrakt von Tibhirine; daher war er nachts bei der Entführung nicht bei den anderen.

Verfilmung des Schicksals: "Von Menschen und Göttern"

Bis heute ist unklar, ob die sieben Trappisten tatsächlich von ihren Entführern oder aber vom algerischen Militär und Geheimdienst getötet wurden. Der französische Regisseur Xavier Beauvois griff die Ereignisse in seinem vielfach preisgekrönten Film "Von Menschen und Göttern" (2010) auf - und machte ihr Schicksal damit einem breiteren Publikum bekannt.

Im Januar erkannte Papst Franziskus das Martyrium von insgesamt 19 Ordensleuten an, die zwischen 1994 und 1996 in Algerien ermordet wurden. Darunter sind die Trappisten von Tibhirine, der in die Luft gesprengte Dominikaner und Bischof von Oran, Pierre Claverie (1938-1996), sowie weitere Ordensmänner und -frauen, die für ihren Glauben starben. Wie die Bischöfe des Landes mitteilten, findet ihre Seligsprechung am 8. Dezember, einem Marienfest, in Oran statt, geleitet von Kurienkardinal Giovanni Angelo Becciu. Ihr friedliches Beispiel solle Vorbild sein beim "Aufbau einer brüderlichen Welt".

Anerkennung für Treue, Arbeit und Mut

Der frühere Erzbischof von Algier, Henri Antoine Marie Teissier, betont, dass das nun abgeschlossene Verfahren "Pierre Claverie und 18 Gefährten" tatsächlich allen Gewaltopfern gewidmet sei. Es gehe auch darum, den Algeriern und der muslimischen Gemeinschaft verständlich zu machen, dass in der Verpflichtung zur Verehrung der eigenen, christlichen Märtyrer auch eine Anerkennung für die Treue, die Arbeit und den Mut all jener Nichtchristen liege, die damals "denselben Preis bezahlt haben". Dies gelte etwa auch für 99 ermordete Imame, die sich weigerten, die Legitimität der Gewalttaten jener Zeit anzuerkennen.

Der heute 89-jährige Erzbischof erläutert, der Wunsch nach einer Seligsprechung der algerischen Märtyrer sei bei einer Pilgerfahrt nach Rom im Heiligen Jahr 2000 entstanden. Papst Johannes Paul II. habe damals bei einer Gedenkfeier im Kolosseum für die Märtyrer des 20. Jahrhunderts auch die Trappisten von Tibhirine erwähnt.

"Von großer Aktualität"

Allerdings, so Teissier, habe es zu Beginn keineswegs Einstimmigkeit in der Frage gegeben. Andere Ordensgemeinschaften, etwa die Weißen Väter, verwiesen darauf, dass es in anderen Ländern Afrikas ebenfalls Opfer gegeben habe, so im Kongo oder in Ruanda - warum also die Algerier hervorheben? Und die Kleinen Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu hätten geltend gemacht, dass es nicht ihre Berufung sei, "sich in den Vordergrund zu setzen". Es habe Jahre gebraucht, bis das Verfahren schließlich 2007 tatsächlich aufgenommen wurde.

Das es nun so schnell geht, hält der Erzbischof allerdings für wenig erstaunlich: Das Glaubenszeugnis der algerischen Märtyrer sei "von großer Aktualität"; siehe auch die Ermordung des französischen Priesters Jacques Hamel durch Islamisten im Juli 2016. Hamel, ein früherer Algerien-Soldat, hatte eine starke geistliche Bindung zu den Mönchen von Tibhirine. Der Postulator (Anwalt) der "19 algerischen Märtyrer", der Trappist Thomas Georgeon, sagte zuletzt, deren Seligsprechung könne auch eine neue geistliche Dynamik für den islamisch-christlichen Dialog bringen.

Unter dem Radar bleiben einstweilen Pläne, nach denen möglicherweise bald wieder eine religiöse Gemeinschaft ins Kloster Tibhirine einziehen könnte. Entsprechende Pläne hatte 2015 der Vorsitzende der algerischen Bischöfe und heutige Erzbischof von Algier, Paul Desfarges, offenbart. Seitdem bleiben aber weitere Informationen darüber aus. Nach seinen Worten wurde das Kloster seit dem Mord nie ganz aufgegeben. Regelmäßig werde es von in Algerien lebenden Priestern besucht. Einige einheimische Landarbeiter kümmerten sich um die rund 2.000 Obstbäume des Anwesens.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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