Papst Franziskus grüßt Gläubige bei seinem Besuch von Piazza Armerina
Papst Franziskus grüßt Gläubige bei seinem Besuch von Piazza Armerina
Seliger Giuseppe Puglisi
Seliger Giuseppe Puglisi

15.09.2018

Ehre für den Priester, der die Mafia nervte Papst Franziskus besucht Sizilien

An diesem Samstag reist Papst Franziskus nach Sizilien. Dort ehrt er einen Anti-Mafia-Priester – an der "existenziellen Peripherie" im Zentrum der Insel. Eine Pastoralreise ganz in seinem Sinne. Mit Gelegenheiten für klare Worte.

Am Samstag ist es genau 25 Jahre her, dass Don Puglisi sterben musste – durch einen Genickschuss an seinem 56. Geburtstag. Als Pfarrer in Palermo hatte er sich ausdrücklich gegen die Mafia ausgesprochen und dabei auch örtliche Bosse namentlich genannt. Das war den "Paten" auf die Nerven gegangen, wie einer der Auftragskiller später zu Protokoll gab. Es war der erste Mord an einem Geistlichen, den die Mafia auf Sizilien beging.

Papst: Mafia und Kirche haben nichts gemein

Vor gut fünf Jahren hat die katholische Kirche den mutigen Priester seliggesprochen. Rund 100.000 Menschen waren zu der Zeremonie unter freiem Himmel gekommen – ein Gottesdienst als Anti-Mafia-Demonstration. Zu Giuseppe "Pino" Puglisis 81. Geburtstag kommt nun Papst Franziskus, um erneut den Seligen und sein Werk zu ehren. Aus Puglisis Engagement für die Armen entstanden Einrichtungen der Jugendhilfe und der Sozialarbeit, die nach ihm benannt sind.

Zugleich will der Papst noch einmal klar machen, dass Mafia und Kirche nichts gemein haben. Nicht immer hatte die Kirche sich deutlich gegen die örtlichen Mafiosi gestellt. Don Pinos Einsatz für Jugendliche, die er den Fängen der Bosse entziehen wollte, und seine offene Kritik an Verbrechen und Korruption waren so deutlich, dass die Mafia dies nicht mehr duldete. Vier Monate vor dem Mord an ihm hatte Johannes Paul II. Sizilien besucht und in einer Predigt die Mafia und ihre Verbrechen verurteilt; in der öffentlichen Wahrnehmung eine Wende.

Doch bis in jüngste Zeit gibt es immer wieder Berichte von kirchlichen Prozessionen in Süditalien, bei denen es vereinzelt zu Ehrerbietungen vor den Häusern örtlicher Bosse kommt. Die Bischöfe suchen das zu unterbinden. Und der Papst hat bereits früher bekräftigt, dass Mafiosi sich durch ihre Taten automatisch exkommunizieren.

Erster Papstbesuch in Sizilien überhaupt

Bei seinem eintägigen Besuch auf Sizilien reist Franziskus zunächst nach Piazza Armerina in der Mitte der Insel und anschließend in die Hauptstadt Palermo. Erwartet wird der Papst in Piazza Armerina um 8.30 Uhr. Nach Begrüßung und einer Rede vor Gläubigen auf dem zentralen Platz des Ortes fliegt das Kirchenoberhaupt um 10.15 Uhr mit dem Hubschrauber nach Palermo.

Die erste Papstvisite überhaupt in dem südsizilianischen Bistum und der 22.000-Einwohner-Stadt versteht Bischof Rosario Gisana als Besuch einer "existenziellen Peripherie": paradoxerweise nicht am Rande, sondern in der Mitte der Insel. Und so will Piazza Armerina trotz des kaum zweistündigen Aufenthaltes des Papstes drei Tage lang feiern, wie Bürgermeister Antonino Cammarata der Zeitung "La Sicilia" sagte.

In Palermo ist für 11.15 Uhr eine Messe unter freiem Himmel zu Ehren Don Puglisis vorgesehen. Im Anschluss besucht der Papst eine der Einrichtungen, die auf den Anti-Mafia-Priester zurückgehen. Dort isst er mit Gästen sowie einigen Strafgefangenen und Migranten zu Mittag. Anschließend ist ein privater Besuch im Stadtteil Brancaccio geplant, einem sozialen Brennpunkt, in dem Puglisi vor allem wirkte.

Puglisi vor seinem Tod: "Damit hatte ich gerechnet"

Bei weiteren Begegnungen, in der Kathedrale mit Klerikern und Ordensleuten sowie anschließend auf der Piazza Politeama mit Jugendlichen, wird Franziskus wiederum zwei Ansprachen halten. Auf dem Platz soll ein 4,60 Meter großes Holzkreuz errichtet sein, gezimmert aus den Trümmern eines Flüchtlingsbootes. Für 18.30 Uhr ist die Rückreise nach Rom vorgesehen.

Die eintägige Reise bietet Franziskus genügend Gelegenheiten, zu den Themen Stellung zu beziehen, die ihm wichtig sind: Einsatz für Migranten und andere Benachteiligte der Gesellschaft sowie gegen die Mafia. Ganz im Sinne von Don Puglisi, einem außergewöhnlich vorbildhaften Priester. Dass solch ein Einsatz aus dem Glauben mitunter auch gefährlich ist, daran erinnert der Besuch zum 25. Todestag. Beim Prozess berichtete sein Mörder, Puglisi habe vor seinem Tod gelächelt und gesagt: "Damit hatte ich gerechnet".

Von Roland Juchem

(KNA)

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