Gespannte Blicke auf das Treffen im Vatikan
Gespannte Blicke auf das Treffen im Vatikan
Daniel Nicholas Kardinal DiNardo
Daniel Nicholas Kardinal DiNardo
Papst Franziskus und Kardinal DiNardo
Papst Franziskus und Kardinal DiNardo
Kardinal Donald William Wuerl (l.)
Kardinal Donald William Wuerl (l.)

13.09.2018

Vor Papsttreffen: Vertuschungsvorwürfe gegen Kardinal DiNardo Vorsitzender der US-Bischofskonferenz gerät selbst unter Druck

Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Kardinal DiNardo, gerät kurz vor seinem Treffen mit Papst Franziskus zum Missbrauchsskandal selbst unter Druck. Zwei Angehörige seiner Diözese in Texas erheben schwere Vorwürfe.

Eigentlich wollte Kardinal Daniel DiNardo die Begegnung von Franziskus mit US-Bischöfen an diesem Donnerstag nutzen, um Weisung zur Aufarbeitung der Missbrauchskrise zu erhalten. Insbesondere auch bei der Untersuchung der Frage, wie es dazu kommen konnte, dass der als Kardinal zurückgetretene Theodore McCarrick (88) über Jahrzehnte immer höher in der Kirchenhierarchie aufsteigen konnte.

Nicht gegen beschuldigte Priester vorgegangen

Überraschend könnte sich der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz nun selbst vor der Beantwortung unangenehmer Fragen sehen. Nicht wegen eigener sexueller Übergriffe, sondern wegen Unterlassung. Die Nachrichtenagentur AP berichtet unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte mutmaßliche Missbrauchsopfer der Erzdiözese Galveston-Houston, DiNardo sei über Jahre nicht gegen einen beschuldigten Priester vorgegangen.

Die Polizei von Conroe verhaftete am Dienstag den Priester Manuel LaRosa-Lopez. Der heute 60-Jährige muss sich in vier Fällen für sexuelle Übergriffe an den beiden mutmaßlichen Opfern verantworten. Diese waren zum angegebenen Tatzeitpunkt Teenager. Bei einer Verurteilung drohen dem Geistlichen bis zu 80 Jahre Gefängnis.

2010 wurde das Erzbistum kontaktiert

Die Vorwürfe der jungen Frau sind seit 2001 dokumentiert, als sie ihren Fall bei der Kirche vorbrachte. Was der Priester ihr getan hat, wollte sie gegenüber den Medien nicht spezifizieren; nur dass er sie unsittlich berührt habe. Durch Zufall habe sie einige Jahre später herausgefunden, dass LaRosa-Lopez von DiNardo lediglich von einer in eine 70 Meilen entfernte Gemeinde versetzt worden sei. Sie kontaktierte 2010 das Erzbistum und bat um ein Treffen.

Der Kardinal und andere Anwesende hätten ihr bei der Begegnung versichert, der Priester sei zweimal in psychiatrische Behandlung geschickt worden und dürfe nicht mehr mit Kindern arbeiten. Danach sei es zu einer Gegenüberstellung gekommen, bei der sich der Priester entschuldigt habe.

Die Anklägerin wirft DiNardo nun vor, er habe nicht die Wahrheit gesagt, da LaRosa-Lopez weiter in der neuen Gemeinde blieb und dort auch mit Kindern gearbeitet habe. Der männliche Ankläger dokumentierte den Fall erst vor einem Jahr und habe, so das Erzbistum, "formal" erst in diesem August seine Vorwürfe präzisiert. LaRosa-Lopez wirft er vor, dieser habe ihn bei einer Gelegenheit auf die Wange geküsst, bei einer anderen versucht, ihn auszuziehen.

Kardinal Donald Wuerl bittet Papst um Rücktritt

DiNardo hatte beide mutmaßlichen Opfer den Informationen zufolge am 10. August empfangen, die Frau also zum zweiten Mal. Der 69-jährige Vorsitzende der US-Bischofskonferenz könnte sich laut Beobachtern nun im selben Boot mit Washingtons Kardinal Donald Wuerl (77) finden, der den Papst diese Woche in Rom persönlich bitten wollte, sein Rücktrittsgesuch anzunehmen.

Wuerl sieht sich ähnlichen Vorwürfen in seiner Zeit als Bischof in Pennsylvania und später in der Causa McCarrick ausgesetzt. In beiden Fällen soll der mächtige Kardinal nicht entschlossen genug durchgegriffen haben. Im Fall seines Vorgängers beharrt er bis heute darauf, nichts von dessen Fehlverhalten gewusst zu haben.

Kardinal DiNardo wird sich zumindest erklären müssen, wenn er an der Spitze einer US-Delegation mit Franziskus und dessen Beauftragten für die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, Kardinal Sean O'Malley, im Vatikan über den Missbrauchsskandal in den USA berät.

DiNardo müsse deutlich machen, was er wisse

Die beiden mutmaßlichen Missbrauchsopfer seiner Diözese wollen jedenfalls nicht locker lassen. Di Nardo habe ihn beim Treffen im August in "abfälligem Ton" angesprochen, behauptet der Mann. Ihn habe die Nachfrage des Kardinals verärgert, warum er sich nicht früher gemeldet habe.

Die Anklägerin sagt, sie sei "müde von diesen ganzen leeren Worten". Es sei "unerträglich", wie sich der Kardinal verhalte. "Wenn er jetzt den Papst trifft und so tut, als wäre alles gut in seiner Diözese, kann ich einfach nicht ruhig bleiben." Die Opferorganisation SNAP verlangte von der texanischen Generalstaatsanwaltschaft bereits eine gründliche Untersuchung der Erzdiözese Galveston-Houston. Kardinal DiNardo müsse jetzt deutlich machen, was er wisse.

Bernd Tenhage
(KNA)

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