05.09.2018

Schweizer Bischöfe streiten über Missbrauch und Homosexualität Ein Thema mit zwei Sichtweisen

In der Schweiz ist man sich nicht einig: Unter den Bischöfen des Landes gibt es derzeit einen offen ausgetragenen Streit über die Frage nach einem Zusammenhang zwischen Homosexualität und sexuellen Übergriffen durch Priester.

Der Churer Weihbischof Marian Eleganti forderte am Mittwoch in einer schriftlichen Erklärung, dass Homosexuelle nicht zum Priester geweiht werden dürften. Die Schweizer Bischofskonferenz will bei ihrer Vollversammlung in Sankt Gallen neue Zahlen zum Ausmaß sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche vorlegen sowie Richtlinien zu dessen Bekämpfung beschließen.

Eleganti erklärte, auch Kirchenverantwortliche in der Schweiz betrieben "Vertuschung", wenn sie verschwiegen, dass es sich in der Kirche "erwiesenermaßen vorwiegend um homosexuelle Täter" handele.

Klerikalismus spielt eine Rolle

Gewiss spiele auch Klerikalismus eine Rolle, also eine Priesterfixierung der Kirche und damit ein Machtgefälle zwischen Tätern und Opfern. Internationale Untersuchungen zeigten jedoch, so der Weihbischof, dass die Täter zumeist Schwule seien: "Wer immer diese Tatsache öffentlich ausspricht, wird diffamiert und als homophob psychopathologisiert."

Eleganti bezieht sich unter anderem auf den sogenannten Jay Report aus den USA. Demnach waren in einem Zeitraum von 60 Jahren mehr als 80 Prozent der Opfer sexueller Übergriffe in der Kirche männlich.

Elegantis Schluss, dass bei einem Übergriff auf Jungen und Männer die Täter zwingend homosexuell sind, ist umstritten. Wissenschaftler führen auch ins Feld, dass Priester früher kaum mit Mädchen und jungen Frauen in Kontakt kamen, sondern vor allem mit jungen Männern.

Öffentliches Eingeständnis gefordert

Der Churer Weihbischof fordert ein "öffentliches Eingeständnis, dass wir es im Klerus der Kirche seit Jahrzehnten mehrheitlich mit homosexuellen Straftätern zu tun" hätten. Es helfe "bei allem Respekt gegenüber homosexuell veranlagten Menschen" nicht weiter, die Augen vor "Fakten zu verschließen".

Es sei an der Zeit, Maßnahmen zu treffen, um eine bereits 2005 von Papst Benedikt XVI. gegebene und von Franziskus 2016 erneuerte Weisung umzusetzen. Aktive Homosexuelle sowie Männer, die "tiefsitzende homosexuelle Tendenzen" haben oder "homosexuelle Kultur" unterstützen, sollten nicht ins Priesterseminar aufgenommen werden.

Eleganti hatte bereits vor einer Woche in einem Interview einen Zusammenhang zwischen sexuellen Missbräuchen und Homosexualität von Priestern hergestellt. Es brauche "eine neue Nüchternheit, bevor wir einfach die Homosexualität als eine ebenso wertvolle Variante der Schöpfung anschauen wie die heterosexuelle Ehe".

Dem widersprachen die Bischöfe von Basel und Sankt Gallen, Felix Gmür und Markus Büchel. Elegantis Äußerungen seien "das Gegenteil von seriösen Anstrengungen, künftig sexuelle Übergriffe zu verhindern", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Vor allem verletzten sie "homosexuelle Menschen in ihrer Würde". Der Kanzler des Bistums Sankt Gallen, Claudius Luterbacher, erklärte, wer eine Verbindung zwischen Homosexualität und Missbrauch herstelle, lenke vom Thema ab. Es gehe "um Machtmissbrauch - und nicht um Homosexualität".

(KNA)

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