Opfer sexuellen Missbrauchs (Symbolbild)
Missbrauchs-Opfer
Diarmuid Martin, Erzbischof von Dublin
Diarmuid Martin, Erzbischof von Dublin

21.07.2018

Dublins Erzbischof hofft auf Papstworte zum Thema Missbrauch "Teil der Gegenwart"

Der irische Erzbischof Diarmuid Martin wünscht sich von Papst Franziskus klare Worte zum Thema Missbrauch. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wird am 25. und 26. August Irland besuchen, Anlass ist das Weltfamilientreffen in Dublin.

Es sei wichtig, dass der Papst bei seinem bevorstehenden Irlandbesuch das Thema nicht als Teil der Kirchengeschichte anspreche, sondern "als Teil der Gegenwart, denn die Wunden sind da, und es entstehen neue Wunden", sagte der Erzbischof von Dublin dem Sender RTE am Samstag.

Wenn man ihn vor zwei Jahren gefragt hätte, hätte er wohl von Institutionen und Missbrauch durch Kleriker gesprochen, sagte Martin weiter. Aber heute gebe es den Fall der sogenannten Magdalenen-Wäschereien, der Mutter- und Kindheime und "eine ganze Reihe anderer Orte, an denen Missbrauch als traurige Dimension der Entwicklung der Kirche entsteht", so der Erzbischof.

Geplantes Gespräch mit Missbrauchsopfern

Bereits früher hatte Martin erklärt, Papst Franziskus werde bei seinem Besuch möglicherweise auch mit Missbrauchsopfern sprechen. Vor seiner Reise lasse er sich "mit Sicherheit" eingehend über die Geschichte von Missbrauch in katholischen Institutionen des Landes informieren, sagte der Erzbischof im Juni. Mögliche Treffen mit Betroffenen würden voraussichtlich "im Verborgenen" stattfinden, um die Anonymität der Menschen zu respektieren.

Eine Kommission zur Untersuchung von Kindesmissbrauch war 2009 in einem umfassenden Bericht zu dem Schluss gekommen, dass sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen in mehr als 250 Betreuungseinrichtungen der irischen katholischen Kirche in den Jahren 1930 bis 1990 "weit verbreitet" waren.

Menschenunwürdige Bedingungen in Heimen

In den "Magdalene Laundries", die als Heime für "gefallene Mädchen" von vier irischen Frauenorden betrieben wurden, lebten laut Schätzungen zwischen 1922 und 1996 mehr als 10.000 Frauen. Sie mussten unter widrigen Bedingungen schwere unbezahlte Arbeit leisten. Eine Untersuchungskommission hatte 2012 festgestellt, dass staatliche Behörden lukrative Verträge an die Heime vergeben hatten, ohne auf eine Durchsetzung von Bezahlung der Insassinnen und auf faire Arbeitsbedingungen zu achten.

(KNA)

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