Päpstlicher Sonderermittler in Chile im Krankenhaus
Symbolbild Missbrauch in der Kirche

14.06.2018

Neues Kapitel im kirchlichen Missbrauchsskandal in Chile Staatsanwaltschaft greift durch

Mit dem Eingreifen der Justiz in Chile bekommt der Missbrauchsskandal eine neue Dimension. Kirchliche Dokumente wurden nun beschlagnahmt. Der päpstliche Sonderermittler sagt derweil den Behörden volle Kooperation zu.

Schon der Einmarsch der Sonderermittler war beeindruckend. Die chilenische Staatsanwaltschaft schickte nicht irgendwelche Beamten, sondern die uniformieren Spezialisten der Abteilung O.S.9. Deren offizielle Aufgabe innerhalb des chilenischen Sicherheitsapparates ist laut Eigendefinition die Untersuchung krimineller Organisationen. Interessiert waren die Ermittler an allen Dokumenten der Bistümer Santiago de Chile und Rancagua in Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Geistliche.

Akten sichergestellt

Konkret hätten die Beamten am Mittwoch Akten sichergestellt, die aus den kirchenrechtlichen Verfahren seit den Jahren 2007 stammen, berichtete die Tageszeitung "La Tercera". Das Bistum Rancagua sei darüber hinaus aufgefordert worden, Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die bis ins Jahr 2003 zurückreichen.

In einer ersten Reaktion zeigte sich ein Vertreter des Erzbistums Santiago de Chile überrascht über das Eingreifen der Ermittlungsbeamten. Gegenüber dem Portal "24 Horas" bestätigte Gerichtsvikar Jaime Ortiz de Lazcano, dass die Behörden "die gesamte Dokumentation, die wir haben" eingefordert hätten. Damit ist aus dem chilenischen Missbrauchsskandal, der seit dem Papstbesuch in Chile vor ein paar Monaten für weltweites Aufsehen sorgt, ein Fall für die Justiz geworden. Die juristische Auswertung und Aufarbeitung dürfte Monate in Anspruch nehmen.

Auf Geheimhaltungspflichten berufen

Wie "La Tercera" erfahren haben will, fiel die Entscheidung der Staatsanwaltschaft für eine Beschlagnahmung, nachdem Papstbotschafter Ivo Scapolo eine Herausgabe zunächst verweigert habe. Der Erzbischof habe sich in einem Brief auf Geheimhaltungspflichten berufen. Es sei unüblich, diese zu verletzen. Die Staatsanwaltschaft könne aber einen entsprechenden schriftlichen Antrag stellen. Daraufhin habe sich die Staatsanwaltschaft entschieden, die Dokumente zu beschlagnahmen, so "La Tercera". So etwas geschieht nach Ansicht von Rechtsexperten nur, wenn die Behörden von der Annahme ausgehen, dass Unterlagen beseitigt werden könnten.

Unmittelbar zuvor hatte allerdings der Sonderermittler des Papstes, Erzbischof Charles Scicluna, den Justizbehörden seine volle Kooperation zugesagt und sich damit vom Nuntius distanziert. "Wir müssen als Kirche mit der Justiz zusammenarbeiten. Der Missbrauch von Minderjährigen ist nicht nur ein kirchenrechtliches, sondern auch ein zivilrechtliches Vergehen", sagte Scicluna während einer Pressekonferenz in Santiago. Kirchenrechtliche Untersuchungen dürften in keinem Fall die Arbeit der Justiz beeinträchtigen. Der Schutz von Minderjährigen, sei das höchste Gut, das es zu verteidigen gelte. Diesem Gut sei alles unterzuordnen, so Scicluna.

Treffen mit der Staatsanwaltschaft geplant

Der Erzbischof kündigte zudem ein Treffen mit der Staatsanwaltschaft an, wohl um seinen Äußerungen auch Taten folgen zu lassen. Scicluna befindet sich derzeit zu einem mehrtägigen Aufenthalt in Chile, um bei der Aufarbeitung "technische und juristische Hilfe" zu leisten.

Unterstützt wird er dabei wie bei seiner ersten Visite vor ein paar Wochen, die zur Aufklärung der Vorwürfe diente, vom spanischen Kirchenjuristen Jordi Bertomeu.

Im Brennpunkt des Missbrauchsskandals steht der inzwischen 87-jährige charismatische Priester Fernando Karadima, der 2011 wegen sexueller Vergehen verurteilt wurde. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, unter ihnen auch Juan Barros von Osorno, der von Opfern Karadimas der Mitwisserschaft beschuldigt wird. Papst Franziskus hatte zur Klärung der Vorwürfe eigens die gesamte Chilenische Bischofskonferenz in den Vatikan gebeten. Inzwischen nahm Franziskus neben dem Rücktritt von Barros zwei weitere Rücktritte von Bischöfen an.

Tobias Käufer
(KNA)

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