Grotte im Wallfahrtsort Lourdes: Wovon handelt das Jungfrauen-Gleichnis?
Grotte im Wallfahrtsort Lourdes
Erzbischof Stephan Burger
Erzbischof Stephan Burger
Rosenkranz-Basilika in Lourdes
Rosenkranz-Basilika in Lourdes
Lichterprozession in Lourdes
Lichterprozession in Lourdes

30.05.2018

Erzbischof Burger über seine Erfahrungen in Lourdes "Verweilen in der Gegenwart Mariens"

Millionen Menschen strömen jährlich nach Lourdes. Der südfranzösische Wallfahrtsort ist einer der meistbesuchten der Welt. In der vergangenen Woche war der Freiburger Erzbischof mit Pilgern dort. Für ihn eine Art "nach Hause kommen".

DOMRADIO.DE: Mehr als 6.000 Pilger aus 30 Ländern kommen jährlich in diesen kleinen Pyrenäenort. Wie besinnlich kann das eigentlich noch sein?

Stephan Burger (Erzbischof von Freiburg): Das steht und fällt mit den Pilgerinnen und Pilgern, die nach Lourdes kommen. Sie wollen Begegnung - auch untereinander - aber sie wollen vor allem eine spirituelle Erfahrung machen. Und im Heiligen Bezirk an der Grotte kann man das. Da macht man das Erlebnis, an einem besonderen Ort zu sein. Die Atmosphäre, die Stimmung ist nach wie vor so, dass man gar nicht merkt, dass so viele Leute da unterwegs sind. Ich finde die Atmosphäre dort einfach beeindruckend; auch die Disziplin, die dort herrscht. Sicherlich gibt es auch Aufsichtspersonal, das dafür sorgt, dass man seine Lautstärke dämpft, aber insgesamt sind die Disziplin und das gemeinsame Erleben dieses Ortes beeindruckend.

DOMRADIO.DE: Man wird also nicht einfach immer nur weitergeschoben?

Burger: Die Momente gibt es natürlich auch, gerade wenn ein größerer Strom an die Grotte kommt. Aber es gibt die Möglichkeit zum Verweilen. Natürlich nicht solange man mag, dann gäbe es wirklich einen größeren Stau. Da wird dann schon dafür gesorgt, dass die Leute auch zügig weitergehen. Aber der Heilige Bezirk ist groß genug, dass man sich im Bereich der Grotte aufhalten und für sich zur Besinnung kommen kann.

DOMRADIO.DE: Man hört an Ihrer Art und Weise, wie sie über Lourdes sprechen: Sie haben auch eine persönliche Beziehung zu dem Ort. Sie haben einmal gesagt, das sei immer ein bisschen wie "nach Hause kommen". Warum denn?

Burger: Es hängt mit den Erfahrungen zusammen, die ich mit Lourdes gemacht habe. Das war jetzt meine dritte Reise. Meine erste Reise unternahm ich noch als Pfarrer mit meiner Pfarrgemeinde. Ich kam dort im Heiligen Bezirk an und erlebte für mich so eine intensive Atmosphäre, so ein intensives Verweilen in der Gegenwart Mariens, dass mich das wahnsinnig angezogen und berührt hat. Und das ergibt sich jedes Mal wieder aufs Neue, wenn ich vor der Grotte stehe. 

DOMRADIO.DE: Jetzt hat sich dieser Ort in den letzten Jahrzehnten wahrscheinlich verändert, oder?

Burger: Der Ort verändert sich natürlich, weil man darum bemüht ist, für die vielen Pilgerinnen und Pilger den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Man muss Abläufe koordinieren, Plätze verbessern, Zugangswege wieder wegnehmen. Da gibt es immer wieder Verbesserungsmöglichkeiten; man versucht, viel umzusetzen und aus Erfahrungen zu lernen. Aber ich denke, es tut der Gesamtatmosphäre in Lourdes und an der Heiligen Grotte keinen Abbruch.

DOMRADIO.DE: Ihre Pilgerreise stand unter dem Motto "Was er euch sagt, das tut". Explizit eingeladen waren auch Menschen, die krank sind, die eine Behinderung haben oder wegen ihres Alters auf Hilfe angewiesen sind. Das erfordert ja eine gewisse Logistik und ist vermutlich nicht selbstverständlich. Wie war dieses Erlebnis denn für Ihre Pilgergruppe?

Burger: Es ist für die Pilgergruppe natürlich etwas Besonderes. Man fährt schon gemeinsam dorthin. Man hat eine geistliche Vorbereitung, betet gemeinsam und erlebt diesen Ort gemeinsam. Es waren Menschen mit Behinderung dabei, kranke Menschen, Kinder und Jugendliche mit Handicaps – und die erleben alle auf ihre Art und Weise auch immer diese Gemeinschaft.

Und ich denke, es ist immer etwas ganz Starkes, was auch Lourdes auszeichnet: Die Kranken, die Menschen mit Behinderung, haben immer Vorfahrt. Der Mensch mit Handicap hat Vorfahrt. Um den geht es. Das sind die Menschen, die besondere Zuwendung brauchen, die hier aber auch besondere religiöse Erfahrungen für sich machen dürfen, die auch diese Stärkung aus dem Glauben heraus erfahren. Und das berührt dann natürlich auch.

Es ist abends bei der Lichterprozession oder auch bei den Eucharistischen Prozessionen am Spätnachmittag zu sehen: Hier geht es um die Kranken. Hier geht es um die Hilfe, die ihnen zuteil werden kann. Hier geht es darum, die Gemeinschaft zu erfahren. Zu erfahren, nicht ausgeschlossen, abgeschoben zu sein, sondern wirklich dazuzugehören.

DOMRADIO.DE: Viele Menschen pilgern nach Lourdes, um dort für ihre Genesung zu beten. Welche Erfahrungen machen Sie in den Gesprächen?

Burger: Diese Menschen erfahren, auch wenn jetzt keine konkrete Heilung sichtbar oder erkennbar wird, eine Stärkung von Innen heraus, mit dem eigenen Schicksal und der eigenen Situation besser zurecht zu kommen und damit nicht alleingelassen zu werden. Ich denke, dies ist eine wichtige und wesentliche Erfahrung, die hier kranke Menschen oder Menschen mit Handicap machen können.

DOMRADIO.DE: Das Motto ihrer Pilgerfahrt war ja "Was Er euch sagt, das tut". Weshalb haben Sie dieses Motto gewählt?

Burger: Dieses Motto war nicht nur speziell für unsere eigenen Wallfahrtsgruppe. Es ist ein Jahresmotto, das von der gesamten Wallfahrtsleitung ausgegeben wird. Es bezieht sich auf das Wort Mariens auf der Hochzeit zu Kanaa, bei der deutlich wird, dass wir durch die Gottesmutter auch das Vertrauen in Gott hineingeben dürfen, in Christus hineingeben dürfen. Und wenn wir so leben, wie er es uns auf den Weg gibt, wenn wir gemäß dem Evangelium unser Leben ausrichten, dann kann das Leben auch gelingen. Dann mündet es ein in diese Liebesbeziehung zu Gott, zu Christus.

DOMRADIO.DE: Sie fühlen sich in Lourdes zu Hause und pilgern immer wieder dorthin. Was würden Sie demjenigen raten, der nach Lourdes fahren möchte: Gibt es Zeitpunkte, wo man den Menschenmassen ein bisschen besser entfliehen kann?

Burger (lacht): Gut, über die Wintermonate ist natürlich nicht allzu viel los, aber dementsprechend ist auch die Witterung – feucht und kalt. Es ist die Frage, was man wettermäßig möchte. Man kann schon sagen, im Mai läuft die Wallfahrtssaison so richtig an, da sind auch verstärkt sehr, sehr viele deutsche Pilger unterwegs. Es kommt immer darauf an, welche Akzente man setzen möchte. Als wir nach Lourdes kamen, ging gerade die Soldatenwallfahrt zu Ende. Das sind natürlich so Höhepunkte, die man in Lourdes miterleben kann. Die ganze internationale Atmosphäre, die feierlichen Gottesdienste, die international angeboten werden. Das zieht und reißt letztendlich auch mit und macht deutlich, dass wir eine weltumspannende Kirche sind.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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