Jubel zum Friedensabkommen in Kolumbien: Hat der Frieden Bestand?
Jubel zum Friedensabkommen in Kolumbien: Hat der Frieden Bestand?
Gustavo Petro
Gustavo Petro
German Vargas Lleras
German Vargas Lleras

26.05.2018

Wahl in Kolumbien: Kritiker des Friedensprozesses in Umfragen vorne Schweres Erbe

In Kolumbien wird am Sonntag ein neuer Präsident gewählt. Die Stimmung im Land ist aufgeheizt – nicht zuletzt wegen der zahlreichen Probleme im Friedensprozess. Auch die Kirche gerät in die Kritik.

Wer über die Plazoleta Chorro de Quevedo in der historischen Altstadt Bogotas spaziert, dem lächelt Jesus Santrich entgegen. Auf einem Plakat fordern die Anhänger des ehemaligen Kommandanten der inzwischen zur Partei umgewandelten Guerilla-Organisation FARC dessen Freilassung. Santrich wurde vor ein paar Wochen festgenommen, weil er versucht haben soll, zehn Tonnen Kokain über ein mexikanisches Kartell in die USA zu schmuggeln.

Kirche inmitten des Wahlkampfes

Audio- und Videoaufnahmen belasten Santrich schwer. Er selbst aber behauptet, das alles sei eine Falle der amerikanischen und kolumbianischen Drogenfahndung gewesen. Santrich begann aus Protest einen Hungerstreik.

Als sich sein Zustand rapide verschlechterte, entschied die Kolumbianische Bischofskonferenz, Santrich aus humanitären Gründen in einer ihrer medizinischen Einrichtungen aufzunehmen. Seitdem steckt auch die Kirche mittendrin im kolumbianischen Wahlkampf, der am Sonntag mit den Präsidentschaftswahlen zu Ende geht.

Stichwahl sehr wahscheinlich

Stimmen die aktuellen Umfragen, dann werden es der linksgerichtete Ex-Guerillero Gustavo Petro und der rechtsgerichtete Ivan Duque aus dem Lager des immer noch extrem populären Ex-Präsidenten Alvaro Uribe in die Stichwahl schaffen. Duque geht als Favorit in den Urnengang.

Die Geschichte um Santrich zeigt, dass Amtsinhaber und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos, dem die Verfassung nach zwei Amtszeiten eine weitere Kandidatur verbietet, seinem Nachfolger eine Reihe von Problemen hinterlassen wird. Etliche Schwierigkeiten hängen mit dem von ihm eingeleiteten Friedensprozess zusammen.

Schwierigkeiten im Friedensprozess 

In den acht Jahren der Ära Santos ist Kolumbien große Schritte vorangekommen: Die FARC hat sich nach mehr als fünf Jahrzehnten Bürgerkrieg entwaffnet, einen Friedensvertrag unterschrieben und ist bei den Regionalwahlen - wenn auch recht erfolglos - erstmals als Partei angetreten.

Die Wirtschaft hat - über den gesamten Zeitraum betrachtet - zugelegt; in Sachen Infrastruktur hat das Land trotz einer gerade drohenden Staudammkatastrophe im Bundesstaat Antioquia wichtige Fortschritte erreicht, von der auch die arme Bevölkerung profitiert. Trotzdem ist ein großer Teil der Kolumbianer unzufrieden mit dem Friedensprozess und fordert juristische Konsequenzen für die FARC-Bosse.

Unmut über juristische Sonderbehandlung

Der Fall Santrich zeigt, wie schnell die Stimmung kippen kann. Während die FARC-Spitze eine Auslieferung des populären Ex-Guerilleros an die USA kategorisch ablehnt und sogar die Zukunft des Friedensprozesses davon abhängig macht, wächst in Teilen des Wahlvolkes der Unmut über die juristische Sonderbehandlung für Santrich - inklusive Vorwürfe an die Kirche.

Der Vorsitzende der Wahrheitskommission des Friedensprozesses in Kolumbien, Jesuitenpater Francisco de Roux, forderte Santrich auf, seinen andauernden Hungerstreik zu beenden. Dieser habe sich während der Friedensverhandlungen für die Opfer eingesetzt, stellte de Roux heraus. Er könne im Friedensprozess einen wichtigen Teil zur Wahrheitsfindung beitragen.

Kritiker halten indes wenig von einer Straffreiheit im Tausch gegen Redseligkeit.

Populismus polarisiert das Land

Den Unmut der kolumbianischen Wähler bekommt vor allem Humberto de la Calle zu spüren. Der Verhandlungsführer der Regierung bei den Friedensgesprächen gilt zwar als integere Persönlichkeit mit Format für das Präsidentenamt, ist laut den Umfragen aber chancenlos.

Dagegen liegen mit Petro, ehemals Bürgermeister von Bogota und Mitglied der schon vor Jahren aufgelösten linksextremen Kampfgruppe M19, und Rechtsanwalt Duque zwei Kandidaten vorne, die mit populistischen Forderungen das Land polarisieren.

Petro wirbt für eine deutliche Stärkung des landwirtschaftlichen Sektors, Duque sieht Kolumbien auf dem Sprung zu einer modernen Nation und will in diesen Bereich investieren. Chancen, in die Stichwahl zu kommen, hat auch der ehemalige grüne Bürgermeister Medellins, Sergio Fajardo. Doch in der aufgeheizten Atmosphäre kommt sein Pragmatismus kaum zum Zug. Eine eventuelle Stichwahl findet Mitte Juni statt.

Tobias Käufer

(KNA)

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 13.11.
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff