Blick auf Jerusalem und den Tempelberg
Blick auf Jerusalem und den Tempelberg

18.05.2018

Studie: Israel wird zunehmend säkular Abnehmende Religiösität

Israel wird säkularer. Das ergab eine Studie des Jerusalemer Taub-Zentrums für sozialpolitische Fragen. Demnach werde die Anzahl strengreligiöser Juden zurückgehen. Religiösität insgesamt verliere bei Juden an Bedeutung.

Der Anteil strengreligiöser Juden in Israel wird in den nächsten Jahrzehnten weniger schnell ansteigen als bisher angenommen. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Studie des Jerusalemer Taub-Zentrums für sozialpolitische Fragen hervor, wie israelische Medien am Donnerstag berichteten. Gleichzeitig werden mehr Juden der Religion den Rücken zukehren.

Insgesamt werde demnach die Zahl der sich von der Religion abwendenden jüdischen Israelis stärker ansteigen, als die Zahl säkularer Juden in Israel, die zur Religion finden.

Wechsel von religiösen zu "säkularen" Schulen

Das Zentrum untersuchte die Entwicklung der Schülerzahlen in den drei jüdischen Schulsystemen des Landes – staatliche säkulare Schulen, staatliche religiöse Schulen sowie strengreligiöse (ultraorthodoxe) Schulen – und verglich diese mit Schätzungen des Zentralen Israelischen Statistikbüros (CBS) zur Bevölkerungsentwicklung. Untersucht wurden die Zahlen für die erste bis achte Klasse in den Jahren von 2011 bis 2015.

Entsprechend der CBS-Schätzungen steigt der Anteil der Strengreligiösen an der jüdischen Bevölkerung Israels bis 2059 auf 50 Prozent. Die Studie des Taub-Zentrums hingegen prognostiziert einen Bevölkerungsanteil von 35 Prozent.

Zwar verzeichneten die strengreligiösen Schulen weiterhin die stärksten Schülerzuwächse. Die Zuwachsraten lägen aber 7,5 Prozent unter den angesichts der Geburtenraten im strengreligiösen Milieu zu erwartenden Zahlen, so die Studie laut Berichten. Gleichzeitig sei in dem Untersuchungszeitraum der Wechsel von rund 50.000 Schülern von religiösen Schulen zu weniger religiösen Schulen verzeichnet worden.

Religiösität im Elternhaus verliert an Bedeutung

Die Co-Autoren der Studie machten eine schwindende Verpflichtung zur Religion bei einer wachsenden Zahl von Eltern aus religiösen Elternhäusern für die Diskrepanz verantwortlich. Die Zahlen zeigten entgegen der allgemeinen Wahrnehmung wachsender Religiosität im Land eine Schwächung des religiösen Engagements von Juden in Israel über die Jahre.

Das aufgrund höherer Geburtenraten schnelle Wachstum der strengreligiösen Gesellschaftsschichten werde somit durch die wachsende Zahl religiöser Juden ausgeglichen, die der Religion den Rücken.

Die Studie deckt sich laut Bericht der Tageszeitung "Haaretz" mit einer vor zwei Jahren veröffentlichten Studie des US-amerikanischen Pew-Forschungszentrums, derzufolge nur rund die Hälfte der strengreligiös aufgewachsenen israelischen Juden sowie zwei Drittel der traditionell Aufgewachsenen sich weiterhin mit ihrem Milieu identifizieren.

(KNA)

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