Arabische Speisen
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Tunesier Oussama Querfelli in seinem Cafe
Tunesier Oussama Querfelli in seinem Cafe

16.05.2018

Nicht-fastende Tunesier im Ramadan haben es schwer Wenn essen zum Affront wird

Vorhänge und Zeitungspapier an den Fenstern von Cafés gehören in Tunesien im Ramadan zum Straßenbild. Eine unklare Rechtslage und sozialer Druck führen dazu, dass sich viele nicht-fastende Tunesier verstecken.

"Natürlich schränkt mich der Ramadan ein, wenn ich in der Öffentlichkeit nicht rauchen oder trinken kann." Oussama Ouerfelli gehört zu den Tunesiern, die im muslimischen Fastenmonat Ramadan nicht fasten. Dies sei sein gutes Recht, so der 23-jährige mit den langen schwarzen Haaren, die er zum Pferdeschwanz gebunden trägt. "Unsere Verfassung garantiert die persönlichen Freiheiten, aber das interessiert ja die Polizei nicht", schimpft er.

"Verstoß gegen die guten Sitten"

In den vergangenen Jahren wurden in Tunesien immer wieder Menschen festgenommen, weil sie während des Fastenmonats tagsüber in der Öffentlichkeit gegessen oder getrunken hatten. Rein rechtlich eine Grauzone, denn verurteilt wurden sie wegen "Verstoßes gegen die guten Sitten". Ein Gummiparagraf, den konservative Richter ausnutzen, um nicht fastenden Tunesiern den Prozess zu machen, sagen Kritiker. Denn kein Gesetz untersagt es, im Ramadan in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken.

Trotz der unklaren Rechtslage bleiben in Tunesien viele Cafés und Restaurants im Ramadan geöffnet. Sie setzen allerdings auf Diskretion: Um keine Probleme zu bekommen, hängen sie Vorhänge vor die Fenster oder bekleben sie mit Zeitungen.

Ouerfelli, selbst Pächter eines Cafés in der Hauptstadt Tunis, öffnet auch im Ramadan. "Ich bin sogar dazu verpflichtet", lacht er. Denn sein Café Ariha, nur einen Steinwurf von der Moschee des Viertels entfernt, ist an ein kleines Hotel angeschlossen und dient gleichzeitig als Frühstücksraum. Die Lizenz als "touristisches Restaurant" bewahre ihn vor Problemen mit den Ordnungshütern.

Repressalien gegen Restaurantbesitzer

Ein anderer Gastwirt, der nicht weit von Ouerfellis Café entfernt ein Restaurant betreibt und ebenfalls im Ramadan öffnet, allerdings ohne Tourismuslizenz, möchte nicht namentlich genannt werden. Er berichtet von exzessiven Kontrollen durch das Gesundheitsamt.

"Natürlich finden sie nichts, aber sie kommen im Ramadan ständig vorbei, um uns Probleme zu machen", beschwert er sich. Jedes Jahr sei es das gleiche. Von den Behörden bekomme er keine klare Antwort, ob er öffnen dürfe oder nicht.

Der tunesische Innenminister Lotfi Brahem kündigte Ende vergangenen Jahres an, die Öffnungszeiten von Cafés im Ramadan weiterhin einschränken zu wollen. Er beruft sich dabei auf eine interne Dienstanweisung eines seiner Amtsvorgänger aus dem Jahr 1981. Diese Regelung sei nötig, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und die religiösen Gefühle der Fastenden nicht zu verletzen.

Austausch der Nicht-Fastenden auf Facebook

Unterdessen organisieren sich viele Tunesier, die nicht fasten, über das Internet. In einer Facebook-Gruppe namens "Fater" (Der Essende) tauschen sie sich darüber aus, welche Restaurants in welchen Städten tagsüber geöffnet haben. Ob man faste, solle jedem einzelnen überlassen bleiben, argumentieren sie.

Außerdem nimmt der Islam selbst ganze Gruppen vom Fastengebot ausdrücklich aus. Dazu gehören zum Beispiel Kinder, Schwangere, Kranke oder Reisende. Wer körperlich dazu in der Lage ist, der ist unterdessen dazu angehalten, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen oder zu trinken, nicht zu rauchen und keinen Geschlechtsverkehr zu haben.

Café-Betreiber Oussama Ouerfelli macht unterdessen in der Facebook-Gruppe fleißig Werbung für sein Café. Obwohl er im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben die Preise im Fastenmonat nicht anhebt, lohnt sich das Ramadan-Geschäft für ihn. "Oft sind dann alle Tische besetzt", sagt er lächelnd.

Mentalitätswandel in den vergangenen Jahren

Sein Blick schweift durch das Café, das unter der Woche sonst oft halb leer bleibt. Außerdem will er mit Filmvorführungen, Kulturveranstaltungen und Videospielen eine andere Klientel anziehen. "Oft sitzen im Ramadan nur ältere, rauchende Männer hier. Da fühlen sich gerade junge Frauen nicht besonders wohl."

Viele Tunesier trauten sich nach wie vor nicht, öffentlich zu sagen, dass sie nicht fasten. Doch Ouerfelli ist überzeugt, dass sich die Mentalität in den vergangenen Jahren verändert hat. Öffentliche Diskussionen und der Austausch in den sozialen Netzwerken habe für mehr Toleranz zwischen Fastenden und nicht Fastenden gesorgt.

Sarah Mersch

(epd)

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