Die chilenischen Bischöfe Perez und Gonzalez bei einer Pressekonferenz im Vatikan
Die chilenischen Bischöfe Perez und Gonzalez bei einer Pressekonferenz im Vatikan

15.05.2018

Papst spricht vor Missbrauchstreffen über Abschied von Bischöfen Vertrauliche Gespräche

Vor einem Treffen zum kirchlichen Missbrauchsskandal in Chile hat Papst Franziskus Bischöfen ins Gewissen geredet. Die von Dienstag bis Donnerstag laufenden Gespräche werden unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Ohne konkret auf die Situation in dem südamerikanischen Land einzugehen, bat der Papst bei seiner Morgenmesse am Dienstag im Vatikan, "dass der Herr uns die Gnade gibt, uns zu verabschieden". Franziskus bezog sich auf die Abschiedspredigt des Apostels Paulus, mit der diese die Verantwortung für die Christengemeinde in Ephesus abgab.

Er denke "an alle Bischöfe", sagte der Papst. Er bete darum, dass jeder sein Amt so verlassen könne, "mit diesem Geist, dieser Kraft, dieser Liebe zu Jesus Christus, diesem Vertrauen auf den Heiligen Geist". Auf sich selbst bezogen sagte Franziskus: "Ich gehe da nicht als Sieger raus wie Paulus - aber der Herr ist gütig, er ist barmherzig."

Vertrauliche dreitägige Beratungen

Von Dienstagnachmittag bis Donnerstag berät der Papst mit 31 amtierenden und drei emeritierten Bischöfen über Konsequenzen aus einem jahrzehntelangen Missbrauchsskandal in Chile. Dabei geht es auch um Vorwürfe gegen Bischof Juan Barros von Osorno und andere Bischöfe, sexuelle Vergehen an Minderjährigen gedeckt und eine Aufklärung verhindert zu haben.

Der genaue Ablauf der dreitägigen Beratungen, die nach dem Willen des Papstes streng vertraulich bleiben sollen, war laut Gonzalez und dem Generalsekretär der Bischofskonferenz, Weihbischof Fernando Ramos aus Santiago, selbst den Teilnehmern bis Montagabend nicht bekannt. Auch sei nicht klar, welche Informationen Franziskus aus den Akten eines vatikanischen Sonderermittlers habe. Eine gemeinsame Messe sei nicht vorgesehen.

"Schmerz und Scham" über Missbrauch

In einer Pressekonferenz am Montagabend bekannten Vertreter der Chilenischen Bischofskonferenz "Schmerz und Scham" und räumten ein, dass Selbstkritik und Missbrauchsprävention verbessert werden müssten. Bischof Juan Ignacio Gonzalez von der nationalen kirchlichen Missbrauchskommission sagte aber auch, seine öffentliche Verteidigung von Barros beim Papstbesuch in Chile im Januar sei ein "Akt der Nächstenliebe" gewesen.

Es seien "Fehler passiert, die nicht hätten passieren dürfen", sagte der Generalsekretär der Chilenischen Bischofskonferenz, Weihbischof Fernando Ramos aus Santiago, am Montagabend in Rom. Für die Bewältigung der Krise sei ein "Geist der Erneuerung und des Wandels" nötig, so Ramos.

Zur Forderung nach konkreten Konsequenzen sagte Ramos, dies seien "Maßnahmen, die der Heilige Vater ergreifen muss". Auf die Frage nach ihren Wünschen für eine Lösung antworteten Ramos und Gonzalez ausweichend, ihnen stehe keine Entscheidung zu. Ob Bischöfe bereits ihren Rücktritt angeboten hätten, wisse er nicht, so Ramos. - Die Pressekonferenz fand im Sendehaus von Radio Vatikan statt, ohne dass der Vatikan darüber informierte.

Pressekonferenz aber kein Statement von Franziskus

Franziskus erklärte vorab, er werde sich weder während noch nach dem Treffen zu den Gesprächen äußern. Die Pressekonferenz der chilenischen Bischöfe, an der auch Bischof Juan Ignacio Gonzalez als Vertreter der nationalen kirchlichen Missbrauchskommission teilnahm, fand im Sendehaus von Radio Vatikan statt, wurde vom Vatikan aber nicht angekündigt.

Bereits vor zwei Wochen hatte der Papst mehrere Tage lang mit drei Missbrauchsopfern eines chilenischen Priesters gesprochen. Diese äußerten sich anschließend positiv über die Gespräche mit Franziskus, verlangten aber auch deutliche und wirksame Reaktionen.

(KNA)

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