Die australische katholische Nonne, Schwester Patricia Fox
Die australische katholische Nonne, Schwester Patricia Fox
Rodrigo Duterte
Rodrigo Duterte

02.05.2018

Wie eine Ordensfrau auf den Philippinen für Aufsehen sorgt "Hände weg von Schwester Fox"

Mit der Festnahme einer katholischen Ordensfrau wegen "illegaler politischer Aktivitäten" hat die Verfolgung von Regierungskritikern auf den Philippinen eine neue Stufe erreicht.

Patricia Fox wirkt mit ihrem schmalen, von tiefen Furchen durchzogenen Gesicht eher zerbrechlich. Aber die zurzeit in den philippinischen Medien allgegenwärtige katholische Ordensfrau ist eine Kämpfernatur. Wer in ihre hellwachen blauen Augen blickt, spürt sofort die Kraft der 71-Jährigen.

Lieblingsfeindin von Dutertes

"Sister Pat", wie die Australierin von ihren vielen Freunden genannt wird, ist quasi über Nacht zur Lieblingsfeindin Rodrigo Dutertes geworden. Sie ist das Gesicht all jener Menschenrechtler, denen der philippinische Präsident den Krieg erklärt hat. Der Fall der Ordensfrau, die vorübergehend festgenommen war und nun womöglich das Land verlassen muss, sorgt auf den Philippinen und weltweit für Aufsehen. "Ich werde das überleben", sagt Fox im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Manila.

Allerdings sei sie es nicht gewohnt, prominent zu sein. Ihr ganzes Leben lang habe sie lieber still im Hintergrund gearbeitet. In den Sozialen Netzwerken haben sich unter dem Hashtag #HandsoffSrPatFox ("Hände weg von Schwester Pat Fox") zahlreiche Unterstützergruppen gebildet. "So viel Liebe berührt mich sehr", sagt sie.

Solidaritätsnetzwerk gegründet

Zur Gründung eines Solidaritätsnetzwerkes kirchlicher Gruppen, zu dem das Erzbistum Manila am Montag eingeladen hatte, waren Arme, ehemalige politische Häftlinge, Angehörige unterdrückter Indigenenvölker auf Mindanao gekommen. Menschen aus all jenen gesellschaftlichen Gruppen, für deren Rechte die Missionarin vom Orden der Sionsschwestern seit fast 30 Jahren streitet.

Warum ausgerechnet ihre Arbeit den Zorn Dutertes auf sich gezogen hat, weiß sie bis heute nicht genau. Auslöser der Ermittlungen der Einwanderungsbehörde sei wohl ein Foto gewesen, das sie als Mitglied einer Delegation bei einem Besuch auf der Insel Mindanao zeige. Während dieses Besuchs hätten Häftlinge in einem Gefängnis mit einem Plakat die Freilassung aller politischen Gefangenen gefordert, berichtet Fox. "Das allein hätte nicht für eine Ausweisung gereicht." Die Behörde habe dann nach weiteren Beweisen für "illegale politische Aktivitäten" gesucht und sei auf verschiedene Facebook-Fotos gestoßen.

Bischofskonferenz: Bleiberecht gefordert

Inzwischen hat sich die Bischofskonferenz des Landes in den Fall Fox eingeschaltet. Sie fordert ein Bleiberecht für die Ordensfrau und veröffentlichte eine Erklärung mit dem Titel "Warum die Kirche sich zu sozialen und politischen Themen äußert". Darin heißt es: "Sphäre der Kirche ist das Spirituelle, wird behauptet. Und deshalb sollte sie über weltlichen Dingen wie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stehen", heißt es in dem Schreiben. "Dieses Denken aber ist der Mission von Jesus fremd. Er kam, um die Welt zu retten - um alles zu erneuern, einschließlich der sozialen Realitäten."

Zwar wird Präsident Duterte nicht namentlich genannt, doch er ist der Adressat dieser Erklärung. Immer wieder hat er in der ihm eigenen vulgären Art die Bischöfe wegen ihrer Kritik an den Tausenden Morden im "Drogenkrieg" mit Schimpfwörtern wie "Hurensöhne" bedacht. Wie es im Fall Fox weitergeht, ist derweil offen. Juristisch gesehen handelt es sich um zwei Fälle: Erst wurde das Missionsvisum in ein Visum niedrigerer Stufe umgewandelt, dann kam die Ausweisungsverfügung. "Gegen beide Maßnahmen legen wir Widerspruch ein", sagt Fox' Rechtsanwalt Jobert Ilarde Pahilga.

Sollte es bei der Ausweisung bleiben, wird die Ordensfrau nach eigenen Worten zunächst zurück in ihre Heimatstadt Melbourne fliegen. "Ich hoffe aber immer noch, dass etwas passiert, um das in letzter Minute zu verhindern." Wenn nicht, dann wolle sie mit einem Touristenvisum zurückkommen. "Die Philippinen sind meine Heimat", sagt sie und ihr Blick wird wehmütig.

Michael Lenz

(KNA)

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