Freiwilligendienst darf nicht zu Voluntourismus werden
Freiwilligendienst darf nicht zu Voluntourismus werden

20.04.2018

Experten warnen vor Trend zum "Voluntourismus" Wenn Freiwilligendienste zu touristischen Produkten werden

Wenn junge Leute Freiwilligendienst im Ausland leisten, ist das gut für beide Seiten. Doch Experten beobachten einen Trend zum "Voluntourismus" - zu kurzen attraktiven Arbeitsangeboten mit zweifelhaftem Ergebnis. Darunter: "falsche Waisenhäuser".

DOMRADIO.DE: Klassische Freiwilligendienste – wie zum Beispiel auch die Missionare auf Zeit – dauern lange und erfordern intensive Vorbereitung. Das ist vielen jungen Leuten zu aufwändig. Sie machen stattdessen Voluntourismus, was genau ist damit gemeint? 

Antje Monshausen (Leiterin der Fachstelle Tourism Watch beim evangelischen Hilfswerk Brot für die Welt): Beim Voluntourismus geht es in unserem Verständnis um Aufenthalte, die zwischen einer Woche und ungefähr drei Monate dauern. Es sind Angebote, die häufig attraktive und abwechslungsreiche Arbeiten beinhalten, die schön sind für die Freiwilligen. Diese Reisen gehen dann eben auch in Länder, die als Reiseländer beliebt sind – zum Beispiel nach Südafrika, Costa Rica, Nepal oder Indien.

DOMRADIO.DE: Was ist das Problem an dieser Entwicklung?

Monshausen: Es ist problematisch, dass sich viele der Angebote eben vor allem an den Wünschen der Reisenden – der Freiwilligen – orientieren. Wir beobachten den Markt schon etwas länger, seit ungefähr drei oder vier Jahren systematisch. Wir konnten feststellen, dass wir heute zum Beispiel mehr Angebote haben, bei denen die Mindest-Aufenthaltsdauer nur eine Woche ist. Oder wir sehen, dass es etwa keine Vorbereitungskurse hier in Deutschland vor der Abreise gibt, sondern erst vor Ort. Außerdem stellen wir fest, dass es sehr viele Angebote mit Kindern gibt. Das ist sicherlich der interessanteste und attraktivste Einsatzbereich für die Freiwilligen. Wir sehen, dass diese Angebote sehr stark boomen, dass aber Kinderschutz bei den jeweiligen Anbietern eigentlich entweder keine oder nur eine kleine Rolle spielt. 

DOMRADIO.DE: Eigentlich ist es ja gut, wenn es viele Freiwillige gibt und wenn die ihre Arbeit vor Ort dann gerne tun – wenn also insgesamt mehr junge Leute woanders hilfsreich aktiv werden. 

Monshausen: Das finden wir natürlich auch schön, wenn Menschen auch über den eigenen Tellerrand schauen. Natürlich ist das total begrüßenswert. Und auch bei Kurzzeiteinsätzen kommen die Freiwilligen zurück mit tollen Inspirationen, vielleicht auch mit einem etwas anderen Blick auf die Welt und ändern dann gegebenenfalls auch ihr eigenes Konsumverhalten oder engagieren sich entwicklungspolitisch. Natürlich, das sind große Potenziale.

Die Frage ist: Was passiert tatsächlich vor Ort? Wir stellen zum Beispiel fest: Von 25 Anbietern, die wir uns angeschaut haben, platzieren immer noch 14 Angebote in Waisenhäusern. Wir wissen, dass viele der Kinder in diesen sogenannten Waisenhäusern noch lebende Elternteile haben, dass die Kinder aber von skrupellosen Mittelsmännern in diese Heime gebracht werden. Den Eltern wird versprochen, dass sie dort eine bessere Bildung und eine Aussicht auf eine gute Zukunft haben. In Wahrheit werden diese falschen Waisenhäuser quasi durch die Nachfrage von Volunteers überhaupt erst geschaffen. Und die Kinder werden ihres Rechts beraubt, in ihren Familien aufzuwachsen. Dazu kommt bei diesen Kurzzeit-Einsätzen, dass die permanenten Wechsel für Kinder natürlich hochgradig problematisch sind. Ich denke, das kann sich jeder vostellen, der hier in Deutschland Kinder im Kindergarten oder in der Schue hat. Wenn dort alle zwei oder drei Wochen neue Bezugspersonen hinkommen, wird das sicherlich etwas sein, was auf die Dauer wirklich problmatisch sein kann.

DOMRADIO.DE: Wenn ich mir jetzt sicher sein will, dass zum Beispiel mein Sohn oder meine Tochter einen Freiwilligendienst macht, der wirklich sinnvoll und nachhaltig ist – wie kann ich mich absichern? 

Monshausen: Bei den Kurzzeit-Angeboten kann man tatsächlich nur nachfragen. Es gibt leider keine Überprüfung oder Zertifizierung in dem Bereich. Einige Anbieter haben Standards für sich entwickelt. Dort kann man natürlich fragen: Wie werde ich als Freiwilliger vorbereitet auf die Einsätze? Wie werden die Projekte ausgewählt, in denen ich mich dann engagiere? Wie wird sichergestellt, dass die Kinder gut betreut sind, nicht nur durch die Freiwilligen?

Wenn ich zwischen 18 und 28 Jahre alt bin, gibt es natürlich das Angebot der freiwilligen Einsätze, die mit dem "weltwärts"-Programm vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert werden. Dort haben beispielsweise kirchliche Sendeorganisationen gut eingeordnete Angebote auf die man gut vorbereitet wird. Es zählen 25 Vorbereitungs-, Begleit- und Nachbereitungstage dazu, dass man die staatliche Förderung überhaupt bekommt. Das ist sicherlich für die Zielgruppe der 18 bis 28-Jährigen das sinnvollere und bessere Angebot.

Das Interview führte Dagmar Peters. 

(DR)

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