Militärschläge gegen Syrien
Militärschläge gegen Syrien
Papst Franziskus hat nach den Luftschlägen der USA, Großbritanniens und Frankreichs auf mehrere Ziele in Syrien an alle politischen Verantwortungsträger in der Welt appelliert, sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen.
Papst Franziskus

15.04.2018

Papst zutiefst beunruhigt über Syrien-Eskalation "Zutiefst erschüttert"

Papst Franziskus hat mit großer Sorge auf die Gewalt-Eskalation in Syrien reagiert. Er sei "zutiefst erschüttert", sagte er am Sonntag beim Regina-Coeli-Gebet auf dem römischen Petersplatz.

In der Nacht zu Samstag hatten die USA, Großbritannien und Frankreich syrische Ziele gemeinsam mit Raketen angegriffen. Die Militärschläge waren eine Reaktion auf den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff von Duma am 7. April durch das Regime von Baschar al-Assad.

Der Papst beklagte, trotz der zur Verfügung stehenden Instrumente habe die internationale Gemeinschaft Mühe, sich auf ein gemeinsames Vorgehen für Syrien zu einigen. Franziskus appellierte vor dem Hintergrund von Bemühungen um eine neue UN-Resolution zu Syrien erneut an alle Konfliktbeteiligten, sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. Spontan klatschten rund 20.000 Menschen auf dem Platz. Er bete weiter kontinuierlich für den Frieden und bitte alle Menschen guten Willens, dies ebenfalls zu tun.

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff auf Duma erlangte die syrische Armee nach eigenen Angaben erneut die Kontrolle über die bis dahin von Rebellen gehaltene Region Ost-Ghouta östlich von Damaskus.

Reaktionen in Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Luftschläge von Schiffen und Flugzeugen aus mit Marschflugkörpern richtig: "Der Militäreinsatz war erforderlich und angemessen, um die Wirksamkeit der internationalen Ächtung des Chemiewaffeneinsatzes zu wahren und das syrische Regime vor weiteren Verstößen zu warnen."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Präsidenten der USA und Russlands, Donald Trump und Wladimir Putin, zu einer gemeinsamen Friedensinitiative auf. "Die großen Mächte tragen größere Verantwortung. Hier muss ein erster Schritt erfolgen. Das sind Putin und Trump der Welt schuldig", sagte er der "Bild am Sonntag".

USA, Frankreich und Großbritannien senden ein klares Signal

Angesichts Hunderttausender Tote in dem seit 2011 tobenden Bürgerkrieg sagte Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian zu den Friedensplänen: "Wir werden bereits Montag Initiativen ergreifen - im Sicherheitsrat in New York, in Brüssel beim (EU-)Außenministertreffen - um mit allen, die das wollen, den Fahrplan festzulegen." Deutschlands Außenminister Heiko Maas ergänzte, die Bundesregierung werde ihre Kanäle nach Russland nutzen, um dort auf eine konstruktive Haltung zu dringen.

US-Präsident Donald Trump wertete den offensichtlich mit Rücksicht auf russische Truppen in Syrien in seiner Wirkung begrenzten Militärschlag als vollen Erfolg. Es sei ein "perfekt ausgeführter Schlag" gewesen, schrieb Trump am Samstagmorgen (Ortszeit) im Kurznachrichtendienst Twitter. Das Ergebnis hätte nicht besser sein können: "Mission erfüllt!" Die britische Premierministerin Theresa May nannte die Aktion, die gegen 03.00 Uhr (MESZ) begonnen hatte, "begrenzt, gezielt und effektiv".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ließ erklären, dass nun der UN-Sicherheitsrat vereint die Initiative ergreifen müsse, "um den Schutz der Zivilbevölkerung sicherzustellen und damit dieses Land endlich den Frieden wiederfindet".

"Die Gewalt überwinden"

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. sprach laut eigenen Angaben am Wochenende mit Papst Franziskus und anderen Kirchenvertretern über mögliche gemeinsame Initiativen, um den Krieg in Syrien zu beenden und weitere Opfer zu vermeiden. Er führe einen "friedensstiftenden Dialog" ohne politische Interessen, betonte das russische Kirchenoberhaupt. Die beiden großen Kirchen in Deutschland mahnten, Militärschläge seien keine Lösung. "Dieser Krieg muss ein Ende haben", forderte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief die Großmächte auf, endlich Wege zu finden, "die die Gewalt überwinden". In Syrien und den Nachbarstaaten mehren sich unterdessen Befürchtungen, wonach sich die Situation weiter zuspitzen könnte. "Erst war es nur ein Stellvertreterkrieg. Jetzt bekämpfen sich die Hauptakteure", kommentierte der für das syrische Aleppo zuständige katholische Bischof Georges Abou Khazen die Lage.

"Ausreichende und klare" Beweise

Die drei in Damaskus residierenden Patriarchen – der antiochenisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X., sein syrisch-orthodoxer Amtsbruder Ignatius Aphrem II. und der Patriarch der melkitischen griechisch-katholischen Kirche Joseph Absi – verurteilten die "brutale Aggression der USA, Frankreichs und Großbritanniens gegen unsere geliebte Heimat" scharf.

Die "Unterstellungen" der USA und anderer Staaten, wonach die syrische Armee Giftgaswaffen einsetze und Syrien solche Waffen besitze und benütze, seien ungerechtfertigt und könnten sich nicht auf "ausreichende und klare" Beweise stützen In Israel fiel die Reaktion auf die Militärschläge der drei westlichen Mächte vergleichsweise zurückhaltend aus. Zustimmung kam allerdings von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Damit sei die nach früheren syrischen Giftgas-Einsätzen angekündigte rote Linie durchgesetzt worden.

(epd, dpa, KNA)

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