Reich verzierte Kippa beim Pessachfest
Reich verzierte Kippa beim Pessachfest
Das jüdische Pessachfest
Das jüdische Pessachfest

07.04.2018

Palästinenser und Israelis feiern gemeinsam "Freiheits-Seder" in Hebron "Alle oder keiner!"

Beim Pessach-Fest geht es um Freiheit. Dabei sollten Palästinenser nicht außen vor bleiben, meinen die Teilnehmer des israelisch-palästinensischen "Freiheits-Seders" in Hebron. Sie fordern: "Alle oder keiner!"

Das Heilige Land wird gerade von gewaltsamen Protesten überschattet. Dennoch bereitet sich eine arabische Organisation auf seine Gastgeberrolle zum jüdischen Pessach-Fest vor und richtet ein Seder-Mahl aus: Selbst in liberalen Hochburgen des interreligiösen Dialogs ist dies nicht an der Tagesordnung. In Hebron, einem Hotspot des israelisch-palästinensischen Konflikts, grenzt ein solches Ereignis an ein Wunder.

Zeichen der Hoffnung

Zu Pessach 1968 setzte sich eine Gruppe national-strengreligiöser Juden dort in einem Hotel fest. Der Anfang der Siedlerbewegung war gemacht – heute eines der Haupthindernisse für den Frieden. Dass 50 Jahre später Israelis und Palästinenser in genau dieser Stadt gemeinsam einen "Freiheits-Seder" feiern, preisen die Organisatoren als ein Zeichen der Hoffnung.

"Auch wenn euer Fest uns das Leben schwer macht, sind wir froh, euch heute Abend hier zu haben", begrüßt der Palästinenser Izzat Karake, Vertreter von "Jugend gegen Siedlungen", die Gäste. Die Organisation steht gemeinsam mit der Gruppe "All that's Left" (Was geblieben ist) hinter der Aktion.

Unter Palästinenserfahnen versammeln sich amerikanische Juden, Israelis und Palästinenser im "Sumud-Zentrum" von Tel Rumeida, einem der ältesten Wohngebiete Hebrons. Kaum einen Steinwurf entfernt von hier tötete 2016 ein israelischer Soldat einen verletzt am Boden liegenden palästinensischen Attentäter mit einem Kopfschuss.

"Niemand wird frei sein, bevor wir es nicht alle sind"

"Sumud", Arabisch für standhafter Widerstand, haben sie sich an diesem Abend auf die Fahnen geschrieben: gegen Besatzung, gegen Ungerechtigkeit und Gewalt, für Freiheit. Zugleich ist der Freiheitsgedanke zentrales Element des Pessach-Festes, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert.

"Niemand wird frei sein, bevor wir es nicht alle sind", sagt Gastgeber Izzat. Die auf Hebräisch, Arabisch und Englisch vorgetragenen Texte unterstreichen den bleibenden Anspruch, in jeder Generation und für alle Völker um Befreiung zu ringen.

Das Publikum ist jung und links - aber nicht nur. Mit seinen 94 Jahren hat sich auch Lucien Lazare nach Hebron aufgemacht; das zweite Mal in seinem Leben, nach beinahe 50 Jahren. "Die gegenwärtige Situation in Hebron ist zum Verzweifeln", sagt der Jerusalemer Jude, der im Zweiten Weltkrieg in Frankreich in der Resistance aktiv war. Er beklagt eine "fortschreitende Eliminierung alles Palästinensische in den Vierteln, die vor der Besatzung die lebhaftesten der Stadt waren".

"Unersetzliche Erfahrung"

"Das Fest der Freiheit an einem Ort zu feiern, an dem Freiheit wirklich nötig ist, bringt uns aus unserer Komfortzone heraus", sagt der frühere Parlamentssprecher Avraham Burg, dessen Mutter 1929 das Massaker an Hebrons Juden dank der schützenden Hand der arabischen Vermieter überlebte. Dass ein Abend wie dieser möglich sei, erfülle ihn mit Freude.

An diesem problembeladenen Ort ein solches Ereignis zu erleben, sei "eine unersetzliche Erfahrung", betont Lucien Lazare. Sie bestätige, "dass am Ende die friedliche Koexistenz zwischen Palästinensern und Israelis den Sieg davontragen wird". Spätestens seine Enkel, so ist der Friedensaktivist überzeugt, werden den Frieden erleben.

Zusammenleben lernen

Die jüdische Israelitin Anael Raffael hat in einer Grenzschutzeinheit der Armee in Hebron gedient. Ihr Weg zu den Friedensaktivisten, erzählt sie, sei "eine langsame Annäherung" gewesen. Früher hätten sich Juden und Palästinenser bekriegt. "Jetzt müssen wir das Zusammenleben lernen; es gibt genug Platz für alle."

"Warum ist diese Nacht anders als die anderen Nächte?", fragt am Seder-Abend traditionell das jüngste Kind. Beim "Freiheitsmahl", antwortet Izzat Karake, "können wir die Zukunft ändern". Daniel Roth, der israelische Gegenpart von "All that's left", fügt hinzu: "Heute Nacht sagen wir: Nicht weiter! Wir holen uns unsere Tradition zurück – und darin geht es um Befreiung."

Andrea Krogmann

(KNA)

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