Argentinische Kirche übergibt Taufakten aus Diktaturzeit an Justiz

Für die Suche nach Opfern

In Argentinien hat die katholische Kirche nach eigenen Angaben über 100 Taufakten aus der Zeit der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) an die Justiz übergeben. Sie will damit einen Beitrag zur Suche nach verschwundenen Kindern aus dieser Zeit leisten. 

Mahnmal für die Opfer der Militärdiktatur in Argentinien / © Jürgen Vogt (epd)
Mahnmal für die Opfer der Militärdiktatur in Argentinien / © Jürgen Vogt ( epd )

Wie die Argentinische Bischofskonferenz am Dienstag (Ortszeit) mitteilte, handelt es sich um 127 Dokumente von Taufen aus der Militärkapelle der als Geheimgefängnis und Folterstützpunkt berüchtigten Marineschule ESMA im Stadtteil Belgrano. Papst Franziskus hatte 2015 grünes Licht für die Einsicht in vatikanische Akten zur juristischen Aufarbeitung der Militärdiktatur in Argentinien gegeben. Die dortigen Bischöfe hatten zuletzt bereits anderen Organisationen Einblick in die Archive gewährt oder in Aussicht gestellt. Insbesondere bei Taufen sollen die Angaben aus den Archiven helfen, verschwundene Kinder ausfindig zu machen.

Während der Militärdiktatur kamen Schätzungen zufolge mindestens 500 Kinder von Regimegegnern in Gefängnissen und Folterlagern zur Welt. Sie wurden systematisch von den Eltern getrennt und Adoptiveltern übergeben. Die "Großmütter der Plaza de Mayo" versuchen, diese Verbrechen aufzuklären: Estela de Carlotto erhielt 2003 den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen. Sie warb bei mehreren Treffen mit dem Papst für Unterstützung bei der Suche, kritisierte allerdings auch immer wieder eine schleppende Umsetzung der Zusage seitens der argentinischen Kirche.


Quelle:
KNA