Symbolbild Justiz
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Kurienkardinal Pell (re.) mit Kardinal Thomas Collins
Kardinal Thomas Collins (li.) mit Kurienkardinal Pell

04.03.2018

Missbrauchsanklage gegen Kardinal Pell Verfahren wird fortgesetzt

Kardinal George Pell wird vorgeworfen, mehrere Jungen sexuell belästigt zu haben. Bisher hatte er sich den Vorwürfen nicht gestellt, jetzt muss er sich in Melbourne vor dem Gericht rechtfertigen.

Am Montag beginnt vor einem Gericht im australischen Melbourne die mehrwöchige Anhörung im Missbrauchsverfahren gegen Kurienkardinal George Pell. An deren Ende wird über eine Anklageerhebung entschieden. Der heute 76-jährige Pell soll als Priester in Ballarat drei Jungen in einem Schwimmbad sexuell belästigt haben. Die Vorfälle sollen sich zwischen 1978 und 2001 ereignet haben, als Pell Priester in seiner Heimatstadt Ballarat und für die Bildungseinrichtungen des Bistums zuständig war.

Hauptzeuge Damian Dignan

In der vergangenen Woche zog die Staatsanwaltschaft nach dem Krebstod eines Hauptzeugen, Damian Dignan, eine der Klagen zurück. Dignan hatte im März 2016 in einem Interview die Ermittlungen gegen Pell ins Rollen gebracht. Die Polizei des australischen Bundesstaates Victoria setzte daraufhin eine Sonderermittlungsgruppe ein, die den Vorwürfen nachgehen sollte. Im Oktober 2016 waren Polizeibeamte aus Melbourne nach Rom gereist, um den Kardinal zu vernehmen.

Bei der Anklageerhebung gegen Pell im Juni 2017 erinnerte die Australische Bischofskonferenz an das Rechtsprinzip der Unschuldsvermutung und warnte vor einer Vorverurteilung Pells. Pell weist die Anschuldigungen als "absolut falsch und haltlos" zurück. Für die Dauer des Verfahrens, an dem Pell persönlich teilnehmen wird, lässt der Kardinal seinen Posten als oberster Finanzverwalter des Vatikan ruhen.

Kämpfer und Täter

Die Bergbaustadt Ballarat in der Nähe von Melbourne ist Epizentrum des australischen Missbrauchsskandals. 139 Menschen hatten vor der staatlichen Missbrauchskommission berichtet, als Kinder zwischen 1980 und 2015 in Ballarat sexuell missbraucht worden zu sein. Von den 21 als Täter Beschuldigten waren 17 Priester.

Pell, ehemals Erzbischof von Melbourne und Sydney, gilt als der ranghöchste katholische Geistliche, der sich bisher einem Missbrauchsverfahren stellen musste. In seiner Heimat spielt Pell schon lange eine zentrale Rolle - sowohl als Kämpfer gegen Missbrauch als auch als jemand, der an der Vertuschung von Missbrauchsfällen beteiligt gewesen sein soll. Hinzu kommen die Vorwürfe, selbst zu den Tätern zu gehören.

Seit 2002 Missbrauchsvorwürfe gegen Pell

2002 war Pell vor einer kircheninternen Untersuchungskommission der Erzdiözese Melbourne aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf freigesprochen worden, als junger Priester einen Mann in einem Zeltlager sexuell missbraucht zu haben. Mit der "Melbourne Response" schuf Pell als Erzbischof von Melbourne im Oktober 1996 das erste Verfahren zum Umgang mit Missbrauchsfällen in der australischen Kirche und kam damit den nur wenige Wochen später veröffentlichten Standards "Towards Healing" der Bischofskonferenz zuvor.

Neil Ormerod, Professor für Theologie an der Katholischen Universität von Australien in Melbourne, äußerte gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) die Vermutung, Pell habe sich damals mit seinem Alleingang in erster Linie selbst schützen wollen. "Als Erzbischof von Melbourne konnte er natürlich nicht gegen sich selbst ermitteln", sagte Ormerod.

(KNA)

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