Der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. nimmt in Bethlehem an einem Weihnachtsgottesdienst teil
Der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. nimmt in Bethlehem an einem Weihnachtsgottesdienst teil

06.01.2018

Weihnachtlicher Protest gegen Patriarchen in Bethlehem Gegen den "Ausverkauf des Heiligen Landes"

Patriarch Theophilos III. flogen am Samstag Eier entgegen, als er zu den orthodoxen Weihnachtsfeierlichkeiten in Bethlehem einzog. Seine Landverkäufe heizen unter einheimischen Christen die Stimmung auf.

Das Gewitter, das den griechisch-orthodoxen Weihnachtsfeiern am Samstagmittag vorausging, hat nichts geholfen: Die griechisch-orthodoxen palästinensischen Christen sind erbost über ihren Patriarchen Theophilos III. und seine undurchsichtigen Landverkäufe - und ließen ihn das deutlich spüren. Statt wie üblich von Hunderten von Pfadfindern und einer jubelnden Mengen auf dem Krippenplatz erwarteten den Griechen bei seinem Einzug in Bethlehem wütende Sprechchöre und Wurfgeschosse. Weite Teile des traditionellen Zugwegs durch die Altstadt waren von Sicherheitskräften gesäumt, auf den Dächern Scharfschützen postiert.

Schon lange vor dem Eintreffen des Patriarchenkonvois hatten sie sich am Anfang der Sternenstraße in der Bethlehemer Altstadt versammelt. Mit Transparenten demonstrierten sie vor einem Großaufgebot palästinensischer Polizisten gegen den unliebsamen Patriarchen und forderten seinen Rücktritt. «Ablehnung statt Empfang», formuliert der junge Bethlehemer Christ George das Programm.

Lange Liste mit Vorwürfen

Eigentlich gleicht Weihnachten in Bethlehem einem Volksfest, bei dem auch viele Muslime den Christen im Feiern in nichts nachstehen. Heute dagegen schlossen sie sich vereinzelt den Protesten an - hat doch die Palästinenserführung den Kampf gegen den Verkauf von Kirchenland längst zur nationalen Sache erklärt. Christen kamen aus allen Teilen des Heiligen Landes, um ihrem Unmut Luft zu machen.

"Wir sind hier, um Patriarch Theophilos zu zeigen, dass wir gegen ihn sind", sagt Adi Bajjani. Seine Liste der Vorwürfe an den Griechen ist lang: "Wir sind gegen seine Landverkäufe, gegen seine gesamte Diktatur und gegen die Korruption, die alle Ebenen des Patriarchats erfasst hat." Der Protest, glaubt der Christ aus Nazareth, hat gerade an Weihnachten seinen Platz: "Als Jesus kam, wandte er sich gegen die Korruption und gegen die Machthaber seiner Zeit, deshalb ist das die richtige Zeit."

Schlimmer mit jedem Patriarchen

Sie seien "nicht für, sondern gegen den Patriarchen" hier, macht auch Zachariah von den De la Salle-Pfadfindern aus Bethlehem klar. Theophilos, so der Vorwurf, habe "tausende Hektar Land in bester Lage billig an Juden verkauft". Neu seien die Verkäufe von Kirchenland nicht, "aber mit jedem Patriarchen wird es schlimmer".

Dieses Weihnachten wolle er "für den Frieden in der Region beten", sagte Patriarch Theophilos III. gegenüber der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa. Nach innen will dem Griechen, der seit Monaten wegen undurchsichtiger Verkäufe von Kirchenland an jüdische Investoren in der Kritik seiner eigenen Gläubigen steht, aber kein Frieden gelingen.

Steine fliegen

Als der in diesem Jahr nur aus wenigen Fahrzeugen bestehende Konvoi die Demonstranten passiert, kommt es zu Handgemengen. Auch der immer wieder einsetzende Regen kühlt die Gemüter nicht. Eier und Müll, Fahnenstangen und andere Gegenstände fliegen dem Patriarchen entgegen, dessen Wagen sich mühsam einen Weg bahnt.

Vereinzelt sollen auch Steine geflogen sein. Mindestens eine Demonstrantin wurde verletzt. Für die Menge ist an dieser Stelle Schluss. Die Einsatzkräfte riegeln die Straße ab, der Konvoi rauscht durch fast leere Gassen bis zur Geburtskirche.

Der Patriarch bekommt Contra

Obwohl Theophilos III. laut palästinensischen Medien zumindest vom Gouverneur von Bethlehem, Jabreen al-Bakri, und weiteren Palästinenservertretern empfangen wurde, schienen viele Bewohner des christlichen Dreiecks Beit Dschallah, Beit Sahour und Bethlehem dem Boykottaufruf ihrer Bürgermeister gefolgt zu sein. Auf dem großräumig abgesperrten Platz vor der Kirche herrschte weitgehende Leere, was teilweise wohl auch dem Wetter und den scharfen Sicherheitsvorkehrungen zuzuschreiben sein dürfte: Betreten durften Besucher den Platz erst nach vorheriger Taschenkontrolle. Auch im Eingang zur Geburtskirche, in der an diesem Tag zahlreiche Gottesdienste und Prozessionen abgehalten werden, stehen ein Metalldetektor und etliche Polizisten.

In der Kirche dominierten heute Osteuropäer, Russen und Äthiopier das Bild. Die Einheimischen nahmen unterdessen das Feiern draußen wieder auf: Kaum war der Konvoi des Patriarchen verschwunden, setzten die Pfadfindergruppen ihre übliche Prozession durch die Altstadtstraßen fort - wie jedes Jahr mit lautem Getrommel und Dudelsackklängen.

Andrea Krogmann
(KNA)

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