Demonstranten in Kinshasa fliehen vor kongolesischen Sicherheitskräften
Demonstranten in Kinshasa fliehen vor kongolesischen Sicherheitskräften
Gibt dem Papst Denkanstöße für die Fastenzeit - Kardinal Monsengwo
Erzbischof von Kinshasa: Kardinal Laurent Monsengwo Pasinya
Ein Junge im Kongo
In Kongo kämpfen auch Kindersoldaten

03.01.2018

Kardinal verurteilt Gewalt gegen Demonstranten im Kongo Wohin steuert der Kongo?

Zynismus oder Realitätsverweigerung? Kongos Präsident Kabila sieht sein Land auf einem guten Weg. Der Erzbischof von Kinshasa widerspricht. Derweil geht die Dauerkrise im Land weiter.

Mit scharfen Worten hat Kardinal Laurent Monsengwo Pasinya die Gewalt gegen Demonstranten im Kongo verurteilt und ein Ende der politischen Krise gefordert. Der Erzbischof von Kinshasa sprach in einer am Dienstag veröffentlichten Botschaft mit Blick auf das Vorgehen von Sicherheitskräften am Silvestertag von "Barbarei".

Es sei inzwischen für jedermann offenkundig, dass im Land und besonders in der Hauptstadt Kinshasa ein Klima von "Angst, Verzweiflung, Unsicherheit, wenn nicht gar Panik" herrsche, so Monsengwo. In ungewöhnlich scharfen Worten verurteilte der Erzbischof von Kinshasa politischen Stillstand und Gewalt. Es sei an der Zeit, "dass die Mittelmäßigen verschwinden und dass wieder Frieden und Recht in der Demokratischen Republik Kongo regieren".

Neujahrbotschaft: Präsident Joseph Kabila zufrieden

Der Präsident verbreitet hingegen Optimismus. Im vergangenen Jahr seien "maßgebliche Fortschritte" in den Bereichen Wirtschaft und Sicherheit erzielt worden, verkündete Joseph Kabila seinen Landsleuten im Kongo in seiner Neujahrsbotschaft. Aufs Ganze gesehen erfreue sich der zweitgrößte Flächenstaat Afrikas einer "beachtlichen Stabilität". Mit dieser Sicht der Dinge dürfte der 46-Jährige allerdings recht allein dastehen.

Die Kirche gilt als wichtige moralische Instanz. Die Hälfte der rund 83 Millionen Kongolesen sind Katholiken. Und die Kirche war es auch, die vor genau einem Jahr den Silvesterkompromiss aushandelte, um eine neue Regierung zu installieren. Eigentlich hätte Präsident Kabila schon damals gar nicht mehr im Amt sein dürfen. Sein Mandat endete im Dezember 2016; eine dritte Amtszeit ist in der Verfassung nicht vorgesehen. Doch Kabila klammert sich – bislang erfolgreich – an die Macht.

Wahlen waren für 2017 vorgesehen

Entgegen den unter Federführung der kongolesischen Bischöfe ausgehandelten Vereinbarungen fanden auch 2017 keine Wahlen statt. Als neuer Termin ist nun der 23. Dezember diesen Jahres im Gespräch. Vielen reißt allmählich der Geduldsfaden. Das Komitee katholischer Laien im Kongo (CLC) wollte für den vergangenen Sonntag zu friedlichem Silvester-Protest gegen Kabila mobilisieren. Und rief damit die Staatsmacht auf den Plan.

Die Regierung verhängte zum Jahreswechsel eine zeitweilige Internetsperre. In einer Kirche der Hauptstadt Kinshasa kam es zu tumultartigen Szenen. Mit Tränengas und Schlagstöcken wurden dort Menschen am Gottesdienstbesuch gehindert. Ähnliche Meldungen gab es auch aus anderen Teilen des Landes.

In Kananga, der Hauptstadt der ohnehin von Unruhen erschütterten Provinz Kasai-Zentral, verzichtete Erzbischof Marcel Madila Basanguka vorsorglich ganz auf einen Protestmarsch.  Die Zahl der Toten bei den jüngsten Zusammenstößen wird auf mindestens fünf beziffert, dürfte aber deutlich darüber liegen. Zudem ist von Dutzenden Verletzten und mehreren hundert Festnahmen die Rede.

Viele Akteure sind in Kämpfe verwickelt

Doch das ist nicht das einzige Problem in dem Riesenland, das über beträchtliche Bodenschätze und einen immensen Artenreichtum an Tieren und Pflanzen verfügt. Im besonders rohstoffreichen Osten, so schätzte der Schweizer Politikwissenschaftler Christoph Vogel unlängst im Gespräch mit "Spiegel Online", sind rund 120 bewaffnete Gruppen aktiv. Die Lage ist extrem unübersichtlich; wer gegen wen kämpft und wer vielleicht gegen den Präsidenten, lässt sich schwer einschätzen.

Von dem Chaos wiederum könnte der erste Mann im Staate sogar profitieren, meint Vogel. "Manche im Kongo sagen auch, der Widerstand gegen Kabila sei eigentlich von der Regierung inszeniert, um keine Wahlen abhalten zu müssen." Leidtragend ist wie so oft die Zivilbevölkerung. Millionen sind laut Angaben von Helfern auf der Flucht, allein Hunderttausende Kinder unter fünf Jahren vom Hungertod bedroht.

In der Provinz Nord-Kivu geriet Anfang Dezember sogar ein Stützpunkt der UN-Mission Monusco unter Beschuss; dabei kamen 14 Blauhelmsoldaten ums Leben und 5 Soldaten der Regierungstruppen.

Vertrauen in die Regierung gestört

Eine Aufarbeitung dieser und anderer Vorfälle erfolgt wenn, dann nur sehr schleppend. Mit Kabila an der Spitze wird sich daran wohl nichts ändern. Die Frage bleibt, wer als Nächstes nach der Macht im Kongo greift. Das Vertrauen in die politische Führung hat nach den jüngsten Übergriffen auf Gottesdienstbesucher noch einmal deutlich gelitten.

An Vertrauen in den Allerhöchsten mangelt es dagegen nicht: "Gott segne die Demokratische Republik Kongo", heißt es zum Abschluss von Kabilas Neujahrsbotschaft.

Joachim Heinz
(KNA)

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