Eine leere Sektflasche
Eine leere Sektflasche

31.12.2017 - 00:00

Zum Jahreswechsel: Eine Betrachtung zu Rausch und Ritualen Stößchen!

"Es nütze!" - "Prosit!" Ein lateinischer Ausruf gehört für Viele dazu, wenn sie auf das neue Jahr anstoßen. Das Ritual dahinter ist recht neu - verglichen mit der langen Geschichte des Alkohols.

Zu Beginn wollen wir reinen Wein einschenken. Egal, ob man ihn mag oder nicht, ob man die Folgen übermäßigen Konsums - zu Recht!  - kritisiert oder ein Gläschen in Ehren nicht verwehren kann. Alkohol begleitet die Menschen seit Urzeiten. Und genauso lange ist bekannt:

Wer nicht Maß hält, den suchen Rausch und Kater heim. Das Spektrum reicht von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Schillernd kommt sie daher, die Geschichte der geistigen Getränke und ihrer weniger hochprozentigen Verwandtschaft. Und nicht selten spielte darin auch die Geistlichkeit eine Rolle.

Met und Honigmost

Vermutlich lieferte Honig die Basis für das erste vergorene Getränk der Menschheit. Met und Honigmost standen noch zu Zeiten der Römer hoch im Kurs, die ja bekanntermaßen bereits dem Wein zusprachen. Frisch Vermählte griffen zum Honigwasser, wobei in diesem Fall offen bleiben muss, ob es sich um eine alkoholhaltige Spezialität handelte, wie Anna Dünnebier und Gert von Paczensky in ihrer "Kulturgeschichte des Essens und Trinkens" schreiben. "Jedenfalls haben wir da den Honigmonat, den 'honeymoon'."

Lange vorher hatte sich schon das alte Ägypten zu einer der ersten Biernationen aufgeschwungen. Der früheste Wein kam vermutlich aus Georgien, und der irische Nationalheilige Patrick brachte zumindest der Legende nach die Kunst des Destillierens nach Irland. Die Kirche spielte eine nicht unmaßgebliche Rolle bei der Verbreitung alkoholischer Getränke. Im Mittelalter gab es allein in Deutschland 500 bierbrauende Klöster.

Gerstensaft und Wein

Nicht zuletzt wegen der mangelhaften Wasserqualität fungierte der Gerstensaft als Grundnahrungsmittel. Dessen Produktion bescherte den Ordensleuten ein willkommenes Zubrot. Ähnlich verhielt es sich mit dem Wein, um den sich allerdings nicht nur Christen verdient machten.

"Der Bibel zufolge wurde Noah, nachdem er in seiner Arche verschiedene Lebewesen vor der Sintflut gerettet hatte, zum ersten Winzer", halten Dünnebier und von Paczensky fest. Die Geschichte endete allerdings ungut, wie im Buch Genesis nachzulesen ist: Noah betrank sich sinnlos.

Papst Sixtus V. der Schluckspecht

Das ist zweifellos die trübe Seite des Alkohols. Manch einer ging dank seiner Exzesse in die Annalen ein. Papst Sixtus V. (1521-1590) soll ein wahrer Schluckspecht vor dem Herrn gewesen sein; der türkische Sultan Abdülmecid I. (1823-1861) nippte gerne am Champagner - trotz des Alkoholverbots im Islam.

Das gemeine Volk tat es den hohen Herren gleich. So wurden Hochzeitsgesellschaften auf Helgoland im 17. Jahrhundert aufgefordert, rechtzeitig und vor allem nüchtern zur Kirche zu kommen, "und nicht jedermann voll besoffen und mit ungestümem Poltern wie bisher zum großen Ärgernis anderer Leute".

Johann Friedrich "der Großmütige"

Der sächsische Kurfürst und Führer der Protestanten, Johann Friedrich "der Großmütige", verlor angeblich 1547 erst die Orientierung und dann die Schlacht bei Mühlberg, weil er zu betrunken war. Zufall oder nicht: Die heutige Bedeutung des Wortes "Rausch" im Sinn von Kontrollverlust schälte sich im 16. Jahrhundert heraus, wie der Leipziger Religionswissenschaftler Peter Johannes Bräunlein im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erläutert.

Im Zeitalter der Reformation nahmen dem Wissenschaftler zufolge auch die Bestrebungen zu, der Sauferei Einhalt zu gebieten. Dabei taten sich vor allem Johannes Calvin und Huldrych Zwingli hervor. Calvin ließ in Genf alle Wirtshäuser schließen und durch sogenannte Abteien ersetzen. "Dort wurde hauptsächlich gebetet", so Bräunlein. "Trinken durfte man wohl auch, aber nur bis neun Uhr abends."

Durchsetzen konnten sich Calvin, Zwingli und ähnlich Gesinnte freilich nicht. Vor allem die immer zahlreicheren Studenten zechten mitunter, was das Zeug hielt. Vermutlich von diesem Milieu aus trat das "Prosit", das jetzt wieder gern zum Jahreswechsel erklingt, seinen Siegeszug an. Wie beim Alkohol gilt auch hier: In der Beschränkung zeigt sich der wahre Meister. Das ständige Zuprosten ging jedenfalls schon im 16. Jahrhundert dem französischen Philosophen Michel de Montaigne gehörig auf den Nerv. Er habe deswegen "keinen Tropfen" schlucken können.

Joachim Heinz
(KNA)

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