Kardinal Josef Frings (2.v.l.) und Kardinal Tatsuo Peter Doi (l.) in Japan, 1957
Kardinal Josef Frings (2.v.l.) und Kardinal Tatsuo Peter Doi (l.) in Japan, 1957
Priesterweihe mit Erzbischof Doi
Priesterweihe mit Erzbischof Doi

20.12.2017

Tokio und Köln - die Kirche zweier Kriegsverlierer schuf Neues Japans erster Kardinal Peter Doi

Japan und Deutschland hießen 1945 die Besiegten des Zweiten Weltkriegs. Mit dem Wiederaufbau mussten sich auch die Kirchen der Länder orientieren – die Bistümer Köln und Tokio gingen dabei bis heute eine ganz neue weltkirchliche Bindung ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lagen Deutschland und Japan am Boden, militärisch wie moralisch. Wirtschaftlich sollte es zwar schon bald wieder steil aufwärts gehen – doch international waren beide Länder, die in den Jahrzehnten zuvor rücksichtslos nach regionaler Vorherrschaft gestrebt hatten, weitgehend isoliert. In dieser Situation ging der Kölner Kardinal Josef Frings (1887-1978) einen weltkirchlich ungewöhnlichen Schritt und bot der japanischen Hauptstadtdiözese Tokio eine Bistumspartnerschaft an. Auf der anderen Seite nahm Erzbischof Peter Tatsuo Doi begeistert an. Vor 125 Jahren, am 22. Dezember 1892, wurde Doi geboren.

Der Japaner, der in Rom studiert hatte, leitete die Geschicke seiner kleinen Kirche bereits seit 1937; der fünf Jahre ältere Frings übernahm die Erzdiözese Köln erst mitten im Krieg, 1942. Beide mussten in ihrer Leitungsfunktion miterleben, wohin übersteigerter Nationalismus und Menschenverachtung ein Volk führen können. Nach dem einsetzenden Wirtschaftswunder wuchs bei Frings der Wunsch, ein Stück von der Hilfe, die die Deutschen nach der Kriegskatastrophe erfahren hatten, an andere Völker in Not zurückzugeben.

Nur ein Gott?

Der Blick fiel zunächst auf Indien - doch gerade die angepeilte Diözese schien einem der Berater des Kardinals weniger geeignet. So fiel die Wahl auf Tokio – ein Bistum mit extrem kleinem Katholikenanteil. Es entstand eine "Gebets- und Glaubensgemeinschaft" zwischen den Erzdiözesen Köln und Tokio - "ein ganz neuer, wegweisender Schritt", wie der dortige Erzbischof Doi fand.

Das Christentum spielt in Japan nur eine geringe Rolle, bis heute. Die Vorstellung eines einzigen, allmächtigen Gottes hat nur wenig Übereinstimmung mit den traditionellen religiösen Vorstellungen des Shinto und des Buddhismus. Zwischen 1614 und 1873 – also noch wenige Jahre vor Dois Geburt - war die Verbreitung des Christentums in Japan unter strengsten Strafen verboten.

Brief nach Köln

Die Partnerschaft entwickelte sich schnell, begünstigt auch durch die von deutschen Jesuiten gegründete Sophia-Universität in Tokio. Die Ordensleute halfen bei der Überwindung der Sprachbarriere. 1955 startete im Erzbistum Köln eine erste Informationswoche zur Lage der Kirche in Japan. Kleiderspenden im Wert von rund 800.000 Mark begründeten eine jährliche Kollekte für die Glaubensbrüder in Tokio.

Und Erzbischof Doi bot in einem Brief an, künftig regelmäßig in allen Kirchen Tokios auch für Kölner Anliegen zu beten. Im Mai 1957 besuchte Kardinal Frings für drei Wochen das Partnerbistum und weitere Orte in Japan – eine Reise, die ihn außerordentlich beeindruckte, wovon nicht zuletzt seine so humorvollen wie plastischen Lebenserinnerungen zeugen. Schon der Flug war damals mit 30 Stunden Dauer noch deutlich unkommoder als heute.

Roter Teppich

Auf dem Flughafen Tokio war ein Roter Teppich ausgelegt, wie es in Japan sonst "nur für souveräne Herrscher üblich ist", wie Frings stolz vermerkte.

Der Jesuit Joseph Roggendorf stellte den Erzbischof seinen japanischen Gesprächspartnern als "Großbonzen" vor - der Bezeichnung für einen buddhistischen Obermönch oder Hohepriester. Als solcher wurde er sowohl dem Tenno, dem japanischen Ex-Gottkaiser Hirohito (1901-1989) vorgestellt als auch dem Oberhaupt der japanischen Zen-Buddhisten in Yokohama. Mit Kölner Unterstützung wurde zudem das Projekt der Erweiterung des Tokioter Priesterseminars zum landesweiten Zentralseminar begonnen.

Ernennung in Rom

Unterdessen wurden auch Erzbischof Doi mehrere Kirchenehren zuteil. Papst Johannes XXIII. (1958-1963) führte die unter seinem Vorgänger Pius XII. begonnene Internationalisierung des Kardinalskollegiums konsequent fort. In diesem Zuge erhielt auch der erste einheimische Erzbischof von Tokio 1960 das Kardinalsbirett, als erster Japaner überhaupt; Frings hatte die Ernennung in Rom befördert.

Einige Jahre zuvor, 1956, hatte Pius XII. (1939-1958) Doi bereits zum Päpstlichen Thronassistenten gemacht - eine besondere Auszeichnung. Mit diesem Ehrenamt innerhalb der Päpstlichen Familie war früher auch die Würde eines "römischen Grafen" (Conte Romano) verbunden.

Bestehende Freundschaft

1960 kam der neu ernannte Kardinal Doi zum Gegenbesuch nach Köln, wo er den Grundstein zu einem japanischen Schwesternkloster in Köln-Sülz legte. Und die Partnerschaft trug weiter Früchte: 1962 bis 1964 wurde die moderne und international beachtete Marienkathedrale in Tokio errichtet; das Erzbistum Köln trug drei Viertel der Baukosten. Zur Kirchweihe überbrachte Generalvikar Joseph Teusch eine Reliquie des Japan-Missionars Franz Xaver (1506-1552) aus dem Schatz der Kölner Pfarrei Mariä Himmelfahrt.

Peter Tatsuo Doi, Japans erster Kardinal, starb am 21. Februar 1970, mit 77 Jahren, noch im Amt - fast genau ein Jahr nach Frings' Pensionierung in Köln. Die Partnerschaft ihrer Diözesen besteht bis heute. Im März 2016 reiste Kardinal Rainer Maria Woelki nach Tokio und überbrachte als Geschenk eine Reliquie der Heiligen Drei Könige. Und erst vor wenigen Tagen nahm Weihbischof Dominikus Schwaderlapp an der Weihe des neuen Tokioter Erzbischofs Tarcisius Isao Kikuchi teil.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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