Asia Bibi im November 2010
Asia Bibi im November 2010
Papst Franziskus trifft Familie von Asia Bibi
Papst Franziskus trifft Familie von Asia Bibi

17.11.2017

Hilfswerk missio zum Blasphemiegesetz in Pakistan "Bundesregierung muss Missbrauch anprangern"

Wer in Pakistan den Prohpeten Mohammed verunglimpft, dem drohen harte Strafen. Das katholische Hilfswerk missio ruft die künftige Bundesregierung auf, entschiedener gegen den Missbrauch der Blasphemiegesetze in dem Land zu protestieren. 

Die Regierung des Landes müsse viel entschiedener als bisher dagegen vorgehen, dass die Gesetze häufig "im Zuge von Nachbarschaftsfehden, zur Erlangung wirtschaftlicher Vorteile, bei politischen Querelen oder gegen Minderheiten missbraucht" würden, erklärte Klaus Krämer, Präsident von missio Aachen, am Freitag. Muslime und Katholiken seien gerade dabei, eine Gesetzesinitiative gegen den Missbrauch auf den Weg zu bringen.

Das pakistanische Strafgesetz sieht für die Verunglimpfung des Propheten Mohammed die Todesstrafe, lebenslange Haft oder Geldstrafen vor. Von 1929 bis 1982 waren in Pakistan nur neun Fälle vor Gericht verhandelt worden – seitdem mehr als 1.200 Fälle. Betroffen davon sind nach missio-Informationen Muslime, Hindus, Christen und andere Gruppen gleichermaßen. Im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil von 2,3 Prozent seien Christen allerdings überproportional häufig Opfer solcher Missbrauchsfälle.

Appell an Christen deutschlandweit

Zu den bekanntesten Opfern gehört die Christin Asia Bibi, die 2010 wegen angeblicher Blasphemie zum Tod verurteilt wurde und weiter auf ihre Berufungsverhandlung vor dem Obersten Gerichtshof wartet. Deshalb ruft missio Christen deutschlandweit auf, am Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember, ein Solidaritätsgebet für Asia Bibi und gegen den Missbrauch der Blasphemiegesetze in Pakistan zu organisieren. Dies sei, so Krämer, "ein wichtiges Zeichen, dass sie von der Welt nicht vergessen wird".

Die heute 51-jährige Landarbeiterin ist die erste Frau, die in Pakistan aufgrund des umstrittenen Blasphemiegesetzes zum Tode verurteilt worden war. Und ihres wäre das erste Todesurteil, das tatsächlich vollstreckt wird. Doch steht das immer wieder verschobene Berufungsverfahren an. Ansonsten bliebe nur ein Antrag auf Strafmilderung oder ein Gnadengesuch an den Präsidenten.

Einsatz von Papst Franziskus und Benedikt XVI.

missio und andere Hilfsorganisationen und Menschenrechtsgruppen haben zusammen mit hochrangigen Politikern und Kirchenvertretern aus aller Welt immer wieder die Freilassung der Mutter von fünf Kindern gefordert. 2015 hatte Papst Franziskus Bibis Ehemann und ihre jüngste Tochter empfangen. Franziskus hatte sich genau wie Benedikt XVI. schon mehrfach öffentlich und auf diplomatischem Weg für ihre Freilassung eingesetzt.

(KNA)