Theophilos III.
Theophilos III.
Der griechische Ministerpräsident Tsipras (M) und der Patriarch der Orthodoxen Kirche von Jerusalem, Theophilos III.
Der griechische Ministerpräsident Tsipras (M) und der Patriarch der Orthodoxen Kirche von Jerusalem, Theophilos III.
Blick auf Jerusalem und den Tempelberg
Blick auf Jerusalem und den Tempelberg

07.11.2017

Kirchenlandverkäufe sorgen für Unruhe im Heiligen Land Theophilos unter Druck

Hektarweise verkauft der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem laut Medienberichten Kirchenland. Nicht nur Christen sind alarmiert, auch die Politik will den Ausverkauf nun stoppen.

Die jüdischen Bewohner fürchten um ihre vier Wände, arabische Christen um den Ausverkauf kirchlichen Grundbesitzes im Heiligen Land. Quadratmeter für Quadratmeter haben Medien in den vergangenen Monaten umstrittene Landverkäufe der griechisch-orthodoxen Kirche öffentlich gemacht. Während bei den Betroffenen über Religions- und Nationsgrenzen hinweg die Alarmglocken läuten, sucht Patriarch Theophilos III. bei Treffen mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten, dem jordanischen König und zuletzt Papst Franziskus Rückhalt.

Theophilos gerät zunehmend unter Druck; ihm werden unter anderem Angriffe "auf die Integrität der Heiligen Stadt" vorgeworfen. Der Grieche an der Spitze des Patriarchats kämpft dabei an drei Fronten: Bis vor das oberste Gericht zweifelte er die Rechtmäßigkeit von Immobiliendeals seines abgesetzten Vorgängers Irinaios I. an. Unterdessen rufen Landverkäufe aus jüngster Zeit, deren Details häppchenweise an die Öffentlichkeit dringen, die einheimischen Christen auf den Plan. Und auch in den Reihen der israelischen Politik hat man die Brisanz des Themas erkannt und will dem Ausverkauf rechtlich Einhalt gebieten - in den Augen nicht nur der Griechisch-Orthodoxen ein massiver Eingriff in die Rechte der Kirchen an ihrem Eigentum.

Tausende Menschen betroffen

Gründe für die Besorgnis liegen auf der Hand. Ganze Stadtviertel Jerusalems stehen auf Land, das die Kirche kurz nach der Staatsgründung Israels 1948 Organisationen wie dem Jüdischen Nationalfonds in Langzeitverträgen überließ. Wenn die Pacht in den kommenden Jahrzehnten ausläuft, fällt das Land samt Bebauung an den Besitzer zurück - der, so die Berichte, in vielen Fällen nicht mehr die Kirche ist. "Seit einigen Jahren haben Investoren Land gekauft, von denen wir nicht wissen, wer sie sind. Tausende Menschen sind betroffen", kritisiert die Knessetabgeordnete der sozial-konservativen Partei "Kulanu", Rachel Azaria, gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Azaria steht hinter einem Gesetzentwurf, der das Land, das die Kirche verkauft hat, gegen eine Entschädigung verstaatlichen will - "zum Schutz der Bewohner". Allein in Jerusalem gehe es um 5.000 Menschen auf 60 Hektar Land, schätzt die Stadtratsabgeordnete Fleur Hassan-Nahoum. "Normale Menschen, Alte, viele von ihnen wissen nicht einmal, dass sie betroffen sind." Zu ihrer unsicheren Lage komme der Wertverlust der Immobilien hinzu. Vor allem für Bewohner, die ihre Wohnungen verkaufen müssten, etwa um sich in Altenbetreuung zu begeben, sei dies problematisch.

Christen in Alarmbereitschaft

Vorwürfe wie zuletzt in einer Stellungnahme der 13 anerkannten Kirchen, Israel versuche, die christliche Präsenz im Heiligen Land zu schwächen, sorgen bei Azaria und Hassan-Nahoum für Unverständnis. Die Kirchen machten aus Bemühungen um den Schutz der Bewohner "einen religiösen Streit oder einen Versuch, die Kirche in Jerusalem zu unterminieren", kritisiert Hassan-Nahoum. Das sei ein gefährlicher Schritt, mit dem Öl ins Feuer gegossen werde. Eine von ihr schriftlich an alle Kirchenführer adressierte Bitte um ein Treffen mit Bewohnern und Vertretern der Stadt sei hingegen bislang unbeantwortet geblieben.

Dass der Landhandel koscher ist, bezweifeln Kritiker nicht zuletzt wegen der kolportierten Verkaufssummen, die laut Azaria "weit entfernt von den aktuellen Preisen am Immobilienmarkt" sind. Dass die Käufer die Öffentlichkeit über ihre Identität im Dunkeln lassen, verstärke den Eindruck eines zwielichten Geschäfts, sagt Hassan-Nahoum. Die Tatsache, dass in kurzer Zeit so viele Verkäufe bekannt wurden, habe die Christen in Alarmbereitschaft versetzt, heißt es inoffiziell in Kirchenkreisen. Die Alarmglocken läuteten umso lauter, da erstmals Land verkauft wurde und die Summen so verdächtig niedrig seien.

Ermutigung nicht zu verkaufen

Offiziell hält man sich in den Jerusalemer Kirchen angesichts des heiklen Themas bedeckt. "Wir ermutigen die Christen dazu, nicht zu verkaufen", sagt der Vorsitzende der Versammlung der katholischen Heiliglandbischöfe (AOCTS) und griechisch-katholisch melkitische Erzbischof von Akko, Haifa, Nazareth und Galiläa, George Wadih Bakouni. Dies sei "seit jeher die Position unserer Kirche".

Andrea Krogmann
(KNA)

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