Texas: Mann erschießt 26 Menschen in Kirche

"Wir stehen an ihrer Seite"

Während eines Gottesdienstes hat ein junger Mann in Texas das Feuer auf Gläubige eröffnet und 26 Menschen getötet. Die katholischen Bischöfe in den USA trauern um die Opfer und beklagen zugleich ein "fundamentales Waffenproblem" in den USA.

Trauernde in Sutherland Springs halten Kerzen / © Nick Wagner (dpa)
Trauernde in Sutherland Springs halten Kerzen / © Nick Wagner ( dpa )

Etwa 20 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, sagte der Gouverneur des US-Bundesstaates, Greg Abbott. Demnach sind die Opfer zwischen 5 und 72 Jahre alt. Der Schütze ist tot. Nach Berichten des Senders CNN und anderer US-Medien handelt es sich um einen 26-Jährigen. In seinem Auto fand die Polizei mehrere Waffen. Nach Darstellung Abbotts handelte es sich um die schlimmste Tat eines einzelnen Schützen in der Geschichte des Bundesstaates.

Das Blutbad in der kleinen Gemeinde Sutherland Springs, nur wenige Wochen nach dem Massaker in Las Vegas mit 58 Toten und wenige Tage nach der jüngsten Terrorattacke in New York mit acht Todesopfern, löste neues Entsetzen aus. Das Motiv des Schützen war aber zunächst völlig unklar.

"Tat des Bösen"

Der Sender NBC News berichtete, der 26-Jährige habe in dem benachbarten Comal County gelebt. Eine Sprecherin der US-Luftwaffe sagte dem Sender, ein Militärgericht habe ihn 2012 wegen Angriffen auf seine Frau und ihr gemeinsames Kind verurteilt. Zwei Jahre später sei er aus der Luftwaffe entlassen worden.

US-Präsident Donald Trump sprach von einem "entsetzlichen Verbrechen" und einer "Tat des Bösen", inmitten eines heiligen Gottesdienstes. "Wir können den Schmerz, die Trauer und das Leid, das die Familien der Opfer erlitten haben, nicht in Worte fassen. In so harten Zeiten wie diesen tun Amerikaner, was sie am besten können: Sie halten zusammen", sagte Trump am Montagmorgen (Ortszeit) in Tokio. Der Präsident befindet sich zur Zeit auf einer fast zweiwöchigen Asienreise.

 

 

Auch Trumps Vorgänger Barack Obama äußerte seine Trauer auf Twitter: "Möge Gott uns die Weisheit bescheren, nachzuforschen, welche konkreten Möglichkeiten wir haben, um Gewalt und Bewaffnung in unserer Mitte zu minimieren."

 

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach dem Massaker in einer Kirche in Texas ihre Anteilnahme ausgedrückt. Es sei eine "Gewalttat, die uns alle fassungslos macht", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Mitglieder der Bundesregierung wünschten den Angehörigen, "dass sie in den dunklen Stunden Kraft und Trost finden". 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einer "furchtbaren Gewalttat". Den Angehörigen der Opfer sprach er sein tiefes Mitgefühl aus. "Wir sind in Gedanken bei unseren amerikanischen Freunden", erklärte er.

Täter wurde tot im Auto gefunden

Nach Behördenangaben wurde der ganz in Schwarz gekleidete junge Mann gegen 11.20 Uhr (Ortszeit) zunächst an einer Tankstelle der Ortschaft gesehen. Er ging dann über die Straße zur Kirche und begann noch draußen, mit einem Gewehr zu schießen. Nach Behördenangaben starben dabei zwei Menschen. Danach sei der mit einer schusssicheren Weste ausgestattete Schütze in das Gebäude gegangen und habe weiter gefeuert.

Schließlich wurde der Täter von einem Einwohner konfrontiert, ließ seine Waffe fallen und flüchtete in seinem Wagen. Dort wurde er wenig später tot aufgefunden. Die näheren Umstände blieben zunächst unklar. 23 Tote wurden in der Kirche gefunden, zwei davor. Ein weiteres Opfer starb später im Krankenhaus, wie Freeman Martin von der texanischen Behörde für öffentliche Sicherheit sagte.

"Unvergleichlich tragisches Ereignis"

Die katholischen Bischöfe der USA beklagen nach der Tat ein "fundamentales Problem" in der US-Gesellschaft: "Eine Kultur des Lebens darf sinnlose Waffengewalt in all ihren Formen nicht tolerieren und muss diese verhindern", schrieb der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, in einer ersten Reaktion am Sonntag. Das "unvergleichlich tragische Ereignis" lasse die lange Reihe von Massenerschießungen weiter anwachsen, beklagte DiNardo weiter.

"Wir beten für die Opfer und die Angehörigen, für unsere baptistischen Brüder und Schwestern und für alle Menschen in Sutherland Springs und stehen an ihrer Seite in Zeiten dieser schrecklichen Tragödie", schrieb Kardinal DiNardo weiter.

 

 

Tochter des Pastors unter den Opfern

Zu den Todesopfern zählt die 14-jährige Tochter des Pastors der Gemeinde, Annabelle Pomeroy. Das bestätigte der Geistliche selbst: Er und seine Frau hielten sich demnach zum Zeitpunkt der Tat nicht in Sutherland Springs auf.

Der kleine Ort liegt rund 50 Kilometer südöstlich von San Antonio und hat gerade einmal mehrere 100 Einwohner. Wie es hieß, kommen im Durchschnitt 50 Menschen zum sonntäglichen Gottesdienst. Die First Baptist Church sei das Zentrum der kleinen Gemeinde, sagten Einwohner US-Medien.

Erinnerungen an Charleston

Erst vor gut einem Monat hatte ein Mann weltweites Entsetzen ausgelöst, als er in Las Vegas (Nevada) aus einem Hotelfenster auf Besucher eines Musikfestivals schoss und 58 Menschen tötete - mehr als 500 weitere wurden verletzt. Der Täter nahm sich das Leben. Es war der schlimmste Massenmord in der jüngeren Geschichte der USA. Das Motiv ist nach wie vor unklar.

Die Tat am Sonntag weckte auch Erinnerungen an ein Attentat in Charleston (South Carolina). Dort hatte ein 21-Jähriger im Sommer 2015 aus rassistischen Motiven in einer Kirche neun schwarze Gläubige erschossen. Er wurde später zum Tode verurteilt.


Die Baptistenkirche in Sutherland Springs / © Nick Wagner (dpa)
Die Baptistenkirche in Sutherland Springs / © Nick Wagner ( dpa )

Gouverneur Greg Abbott während einer Pressekonferenz / © Nick Wagner (dpa)
Gouverneur Greg Abbott während einer Pressekonferenz / © Nick Wagner ( dpa )
Quelle:
dpa , KNA